„Frauen stehen den Männern in nichts nach“

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Das lebenslange Lernen ist ihr Anliegen: Ulla Dohmann ist seit vergangenem Jahr die Vorsitzende des Vereins „Frau und Kultur“. Der Verein zählt aktuell 124 Mitglieder. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Sie setzt sich ein für die Förderung der Kultur und will mit alten Vorurteilen aufräumen – Prof. Ulla Dohmann, Vorsitzende des Vereins „Frau und Kultur“, spricht im Samstagsinterview mit unserer Mitarbeiterin Svenja Pesch über ihre neuen Aufgaben innerhalb des Vereins. Dabei räumt sie auch mit einigen Vorurteilen auf.

Seit wann sind Sie Vorsitzende des Vereins „Frau und Kultur“?

Dohmann: Ich bin seit November 2016 erste Vorsitzende des Vereins, der hier in Aachen aktuell 124 Mitglieder zählt.

Wann wurde der Verein „Frau und Kultur“ gegründet und was ist die Zielsetzung?

Dohmann: 1896 wurde der „Verein für Verbesserung der Frauenkleidung“ in Berlin gegründet. Erst ein paar Jahre später, 1913, wurde in Aachen eine Gruppe gegründet. 1973 gab es dann eine Namensänderung in „Deutscher Verband Frau und Kultur e.V.“. Heute gehören unserem Verband mehr als 3500 Mitglieder in über 30 Städten an – Frauen, die sich für ethische, soziale und kulturelle Werte einsetzen. Die Zielsetzungen haben sich im Laufe der Jahre schon verändert. Damals standen vor allem Themen wie Hygiene oder Kindererziehung im Fokus. Frauen sollten ausgebildet werden und die typischen „Frauentätigkeiten“ lernen. Außerdem hatten sie damals noch kein Wahlrecht, das waren also völlig andere Voraussetzungen als heute.

Wie hat sich denn die heutige Zielsetzung im Vergleich zur damaligen geändert?

Dohmann: Man kann es eigentlich gar nicht miteinander vergleichen. Ich sage immer, dass uns das lebenslange Lernen ein Anliegen ist. Wir organisieren Reisen, besuchen Kunstausstellungen und Vorträge und engagieren uns in vielen sozialen Bereichen. Zusammengefasst sind Aktivität und Bildung auf kulturellem Gebiet, Förderung von Kreativität und Engagement sowie Vertiefung des Bildungsgutes unsere Hauptanliegen.

Sie möchten als Vorsitzende frischen Wind in den Verein bringen. Was genau haben Sie geplant?

Dohmann: Die erste Neuerung ist die Struktur des Vereins. Neben der stellvertretenden Vorsitzenden, Anita Braunsdorf, der Kassenführerin Anne Hischer und der Schriftführerin Dagmar Bruch-Mauß, haben wir nun sechs Beirätinnen mit spezieller Funktion. Jede von ihnen hat ein Gebiet, auf dem sie sich besonders gut auskennt. Dadurch pflegen wir engen Kontakt zu sozialen Einrichtungen in Aachen, zu Projekten in den Nachbarländern, beschäftigen uns mit wissenschaftlichen Themen, unternehmen Ausflüge und Besichtigungen und organisieren unseren traditionellen Basar. Generell agieren wir als Team und nicht jeder für sich.

Warum diese Änderungen?

Dohmann: Ich persönlich bin es gewohnt, in einem Team zu arbeiten und schätze das sehr. Gemeinsam entstehen die besten Ideen. Die Frauen sind offen, diskutieren gerne und verfolgen ihre Sachen mit Elan. Das mag ich und möchte ich fördern. Alle Frauen vereint die Tatsache, dass sie einen reichen Schatz an Erfahrungen haben sowie Begabungen und Ideen mitbringen. Gebündelt profitieren alle davon. Etwas Besonderes ist unsere gute Gemeinschaft, das liebevolle Miteinander und Kümmern umeinander, das wollen wir erhalten.

Ein Vorurteil, mit dem der Verein seit Jahren zu kämpfen hat, ist die Ernsthaftigkeit. Oft werden die Aktionen belächelt und als Beschäftigung für Frauen im Ruhestand abgetan. Wie begegnen Sie diesem Vorurteil?

Dohmann: Ja, das kenne ich und finde es sehr schade. Es stimmt, dass die meisten Frauen Ende 60, Anfang 70 sind. Aber das ist doch nichts Ungewöhnliches. Die meisten haben ihr ganzes Leben lang gearbeitet, sich um Kinder und Familie gekümmert und hatten einfach nicht die Zeit, sich in einem Verein zu engagieren. Das bedeutet aber keinesfalls, dass hier gelangweilte Frauen sind, die noch mal etwas erleben oder bespaßt werden wollen. Im Gegenteil: Alle möchten sie nach ihrer Berufstätigkeit aktiv bleiben und sich immer weiterbilden und andere an ihren Erfahrungen teilhaben lassen. Ich persönlich finde eher, dass sich einige Frauen sogar viel mehr zutrauen sollten und veraltete, stereotypische Rollenbilder beiseitelegen sollen.

Inwiefern?

Dohmann: Nun ja, ich erlebe nicht nur im Kontext von „Frau und Kultur“, dass sich leider nach wie vor viele Frauen unter Wert verkaufen. Sie sollten mutiger werden. Und das ist keine Frage des Alters. Ich habe erst vor ein paar Wochen einen Crashkurs für Smartphone- und Computernutzung angeboten. Einige Damen waren sofort begeistert, andere wiederum waren sehr zögerlich und trauten sich das nicht zu oder argumentierten, dass sie zu alt dafür seien. Das lasse ich aber nicht gelten. Frauen stehen Männern in nichts nach. Ich wundere mich auch manchmal an dem Titel „Frau und Kultur“. Das klingt so, als hätten Frauen keinen Bezug zur Kultur und man müsse es explizit erwähnen. Innerhalb des Vereins sind wir breit aufgestellt und nicht nur auf ein Themenspektrum festgelegt.

Welche Projekte fördern Sie?

Dohmann: Aktuell fördern wir eine Geigenklasse in der Grundschule Hanbruch, unterstützen den katholischen Kindergarten St. Martin und den Verein „Feuervogel“. Außerdem beziehen wir junge Künstler in unser Handeln mit ein und haben so in Zusammenarbeit mit der Musikschule in Aachen und der Hochschule für Musik, Schauspielschulen und Theatern diverse Kooperationen gestartet und Projekte durchgeführt.

Ihnen geht es also um die Förderung der Kultur?

Dohmann: Ja, darauf legen wir einen besonderen Fokus. Denn das kulturelle Leben sowie kulturelle Einrichtungen und Förderungen sind wichtig, kommen aber in unserer Gesellschaft oftmals zu kurz. Die Gesellschaft im Allgemeinen misst künstlerisch-kreativen Dingen nicht den hohen Stellenwert zu, wie technischen Dingen. Dabei ist gerade für Kinder Kunst und Musik enorm wichtig. Hier können sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen und ihre Persönlichkeit entfalten. Deshalb setzen wir auch auf Nachhaltigkeit. Lieber wenige Projekte über einen langen Zeitraum hinweg unterstützen, als viele kurze Sachen.

Was wünschen Sie sich für den Verein?

Dohmann: Natürlich wünschen wir uns neue Mitglieder. Generell wünsche ich mir, dass alle Mitglieder ihre Gedanken und Kreativität umsetzen sollen und sich aktiv mit einbringen sollen. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Worauf ich mich sehr freue, ist die Bundestagung des deutschen Verbands Frau und Kultur, die nächstes Jahr bei uns in Aachen stattfindet. Wir organisieren ein tolles Rahmenprogramm und machen dadurch einmal mehr die vielen Facetten des Vereinslebens und des musikalischen Aachens deutlich.

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