„Frauen müssen untereinander Kontakte knüpfen“

Von: Martina Feldhaus
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Sehen noch Aufholbedarf beim Thema Frauen in der Politik: (v.l.) Sarah Philipp, Daniela Jansen und Michelle Müntefering. Foto: Ralf Roeger

Städteregion Aachen. Sarah Philipp lässt erstmal Zahlen sprechen. „In Düsseldorf sitzen 99 SPD-Abgeordnete, und 33 davon sind Frauen“, stellt sie nüchtern fest. „Wenn wir dem Wunsch entsprechen wollen, dass die Politik die Gesellschaft repräsentiert, dann muss man sagen: Das tut sie nicht. Die Zahlen zeigen, dass es eine Schieflage gibt.“

Die SPD-Landtagsabgeordnete Philipp aus Duisburg hatte sich am Dienstagabend mit der Aachener Abgeordneten Daniela Jansen und der Bundestagskandidatin Michelle Müntefering in der Café-Bar „Zuhause“ getroffen, um über genau diese Schieflage zu diskutieren. Und zwar bei der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF). Das Thema: „Junge Frauen in der Politik“. Vor der Diskussion mit anderen Sozialdemokratinnen sprachen die „Nachrichten“ mit den drei Sozialdemokratinnen, die mit 30, 33 und 35 Jahren für den weibliche Nachwuchs ihrer Partei stehen.

Keine von ihnen macht erst seit gestern Politik. Sie haben schon ihre Erfahrungen gemacht mit so mancher Hürde, mit Stolpersteinen und Schwierigkeiten auf ihrem Weg nach oben, gerade weil sie jung und weil sie Frauen sind. „Innerparteilich wird man immer mal aufs Frau-Sein reduziert. Man gilt schnell als Quotenfrau“, erzählt Philipp. Ihr selbst sei es teilweise so gegangen. „In meinem Wahlkreis im Süden Duisburgs waren drei gestandene SPD-Männer zwischen 40 und 50 Jahren meine Konkurrenten, als es um die Bewerbungen für Düsseldorf ging. Da gab es schon Stimmen, die später sagten, ich sei einfach durchgewunken worden, weil ich eine Frau bin.“

Auch Michelle Müntefering weiß, dass es viele Vorurteile gibt. Sie ist überzeugt: „Die Skepsis gegenüber erfolgreichen Frauen wird weniger, je mehr Frauen sich durchsetzen. Denn umso mehr zeigt sich ja: Die können das. Die Politik braucht Frauen. Wir brechen verkrustete Strukturen auf.“

„Es gibt einen Frauenmangel“

Aufbrechen wollen Philipp, Müntefering und Jansen auch die männliche Übermacht in der Politik – angefangen bei der kleinen Ortsgruppe über den Stadtrat bis hin zu den zentralen Ausschüssen und Ministerien in Land und Bund. „Es gibt einen Frauenmangel in den klassischen Parteien, gerade bei den jungen. Das kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht ist es nicht so hip, einer Partei beizutreten. Vielleicht fehlt das Interesse an Politik“, überlegt Daniela Jansen. „Ich denke aber, dass es viele auch abschreckt, wenn sie sehen, dass in den Gremien nur Jungs sitzen.“ Im Juso-Vorstand in Aachen sei etwa keine einzige Frau.

Auch Müntefering sagt: „Es gibt noch zu wenig weibliche Vorbilder in der Politik. In den Führungspositionen sitzen bis heute vor allem Männer. Zum Glück hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Das sieht man an starken Frauen wie Hannelore Kraft. Da würde heute niemand mehr auf Idee kommen zu fragen: Was will die denn in der Politik.“

Sarah Philipp kann verstehen, dass es für Frauen ein Hemmnis seien kann, wenn sie allein unter lauter Männern sind. „Ich bin wirklich nicht empfindlich, aber in meinen Ausschüssen ist der Ton schon sehr derb. Teilweise ist das nicht schön anzuhören.“ Ein dickes Fell, das müsse man sich dringend zulegen.

Da kann sich Michelle Müntefering nur anschließen. Sie sagt aber auch: „Vorurteile bauen sich im Alltag ab. Am besten beim persönlichen Gespräch, bei der täglichen Arbeit. Wenn das Gegenüber merkt, dass man Themen anpackt und was zu sagen hat, wird es nach und nach leichter.“ Die Frau aus Herne ist überzeugt: „Vieles ist eine Sache der Gewöhnung.“ Je mehr und öfter Frauen auch wichtige Posten besetzten, desto geringer werde der Widerstand.

Um das zu schaffen, setzen die drei Politikerinnen auf etwas, was ihre männlichen Kollegen viel selbstverständlicher beherrschten: das Netzwerken. „Frauen müssen lernen, dass es nicht allein darauf ankommt, gut zu arbeiten. Sondern auch darauf, untereinander Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig zu unterstützen“, sagt Müntefering.

So veranstalte sie – genauso wie Daniela Jansen in Aachen – in Herne ein regelmäßiges Treffen für Frauen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien. Wichtig seien Austausch und Gespräche über die Wahlkreisgrenzen hinaus, wie an diesem Tag im Café „Zuhause“. Und auch in Sachen Quote sind sich die drei einig. Müntefering: „Die Quote ist nicht das Ziel, sondern ein Instrument, um das Ziel zu erreichen.“ Etwa, um den Anteil der SPD-Abgeordneten im Landtag zu erhöhen.

Insgesamt sehen Philipp, Müntefering und Jansen Deutschland trotz aller Kritik auf einem guten Weg. Ein Indiz dafür: Vier von 16 Ministerpräsidenten sind Frauen.

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