Aachen - „Frauen Macht Politik“: Die Frauen haben großen Aufholbedarf

„Frauen Macht Politik“: Die Frauen haben großen Aufholbedarf

Von: Martina Stöhr
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Interessanter Talk über den Frauenanteil in der Politik: Moderator Achim Kaiser im Gespräch mit Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: A.Herrmann
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Engagierte Diskussion: Im Quellenhof ging es um Frauen, Macht und Politik. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es war gleich eine ganze Riege hochkarätiger Frauen, die zum Thema „Frauen Macht Politik“ Rede und Antwort standen. Vorneweg die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. „Ich wollte Karriere machen“, gab sie gleich zu Beginn unumwunden zu.

Mit ihrem Mann hatte sie Vereinbarung getroffen, dass derjenige, der weniger verdient, die Familie betreut. Erst sei sie das gewesen, aber als sie 1998 für Klaus Töpfer in den Bundestag gerückt sei, habe ihr Mann, beruflich engagiert als Bergbauingenieur, die Aufgaben des Familienoberhaupts übernommen.

Dass Frauen in der Politik, vor allem auf kommunaler Ebene, noch lange nicht gleichwertig vertreten sind, war im mit über 80 Gästen voll besetzten Saal Amsterdam im Quellenhof Anlass, nach den Gründen zu forschen. Dabei spielt die Schwierigkeit, Familie und Beruf beziehungsweise politische Ämter unter einen Hut zu bekommen, eine große Rolle. „Wir sind als Land in Zukunft auf mehr Frauen angewiesen“, betonte Kramp-Karrenbauer. Dass sie nach Aachen kam, um gemeinsam mit hiesigen Frauen aus der Politik über die Zukunft der Frauen in der Politik nachzudenken, war dem Einsatz der Aachener CDU-Vorsitzenden Ulla Thönnissen zu verdanken. Sie hatte erreicht, dass Kramp-Karrenbauer einen Tag vor der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst in den Quellenhof kam.

Offensichtlich müssen sich heute selbst junge Frauen noch rechtfertigen, wenn sie sich für Beruf und politisches Engagement entscheiden, wie an der Nachwuchspolitikerin Annika Fohn, stellvertretende Vorsitzende der Jungen Union Aachen, nach einer entsprechenden Frage aus dem Publikum eindrucksvoll deutlich wurde. „Wir brauchen ein gesellschaftliches Umdenken“, forderte sie entsprechend und stand damit nicht allein. Selten hat man Politiker unterschiedlicher Couleur in einer Frage so einträchtig beisammen gesehen. Fohn will die Stimme für junge Menschen sein und spürt dabei nach eigenen Angaben einen großen Rückhalt in ihrer Partei.

„Frauen wägen sehr genau ab, ob ihnen politisches Engagement den Einsatz wert ist, den sie auf familiärer Ebene dafür zahlen müssen“, meinte Kramp-Karrenbauer. Und sie seien nicht bereit, ihre Zeit in langwierigen und oftmals unergiebigen Sitzungen zu verlieren. Demnach arbeiten Frauen in hohem Maße effizient, und Parteien, die sich darauf einstellten, hätten weniger Probleme mit ihnen, sagte sie.

Der Blick auf die Zahlen jedenfalls ernüchtert: In den kommunalpolitischen Führungspositionen wie Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte beträgt der Frauenanteil nur schlappe zehn Prozent, wie Moderator Achim Kaiser ausführte, in den Stadträten sind es durchschnittlich nur 30 Prozent.

Eine Quotenregelung in der Wirtschaft, wie sie für Aufsichtsräte in börsennotierten Unternehmen jetzt gesetzlich verankert werden soll, kam in der Runde gut an. „Die Quote ist für manche ein Sprungbrett“, meinte die stellvertretende Städteregionsrätin Elisabeth Paul (Grüne).

Und die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken (SPD) sagte: „Wenn ich Frauen in Führungspositionen haben will, dann muss ich mich frühzeitig darum kümmern, sie dort hinzubringen.“ Sie hält flexible Arbeitszeiten und eine entsprechende Kinderbetreuung seitens der Betriebe für unerlässlich. „Es geht, wenn man will“, urteilte Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne) mit Blick auf ihre eigene politische Karriere. Tatsächlich waren die anwesenden Frauen selbst die besten Beispiele dafür, wie politisch dominierte Männerstrukturen auch geknackt werden können. „Wir haben die bestausgebildete Frauen-Generation, die wir jemals hatten“, so Kramp-Karrenbauer. Entsprechend gebe es genügend qualifizierte Frauen für die Aufsichtsräte.

Sich nicht beirren lassen, Netzwerke knüpfen und Strategien entwickeln: Das sind die Tipps, die die Politikerinnen jenen Frauen mit auf den Weg geben, die sich in der Politik versuchen wollen.

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