„Frauen helfen Frauen“: Dringlichkeit des Angebots bleibt bestehen

Von: Svenja Pesch
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Aachen. Nur zehn Prozent aller betroffenen Frauen, die Gewalt erfahren haben, erstatten Anzeige.

Die Scham der Betroffenen, sich mit ihren Problemen überhaupt an Hilfseinrichtungen zu wenden, ist nochmal um ein vielfaches höher. Ganz zu schweigen von der Dunkelziffer an Taten, die niemals an die Oberfläche kommen, weil sowohl Betroffene selbst, als auch Nachbarn sowie das soziale Umfeld nichts gemerkt haben oder nichts merken wollten. Der Verein „Frauen helfen Frauen – Beratungsstelle für Frauen und Mädchen“ veröffentlicht im Jahresbericht von 2015 Zahlen, Daten und Fakten die deutlich machen, dass die Arbeit des Vereins nach wie vor dringend benötigt wird.

1133 Einzelberatungen hat das Team von „Frauen helfen Frauen“ im Vorjahr durchgeführt. 3270 Kontakte waren es insgesamt, wobei einige Frauen lediglich kurze Anfragen hatten. „Im Vergleich zu den letzten Jahren sind die Zahlen konstant geblieben. Nur die Zahl der hilfesuchenden Migrantinnen ist angestiegen. So stammen 57 Prozent der Klienten aus Deutschland und 41 Prozent aus anderen Ländern. 50 Prozent der Themenfelder machen Gewaltproblematiken der Frauen aus. Dabei geht es um körperliche und sexuelle Gewalt, aber auch um wirtschaftliche Gewalt, die die eigene finanzielle Existenz betreffen“, so Sozialpädagogin Angelika Gey.

Die meisten Ratsuchenden sind zwischen 26 und 40 Jahre alt und leben in einer Partnerschaft mit Kindern. Betroffen sind Frauen jeder gesellschaftlichen Klasse und jeder Nationalität. Auch die Zahlen der Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt haben sich im Vergleich zum Vorjahr nicht signifikant geändert. Die Interventionsstelle nimmt nach einem Polizeieinsatz Kontakt zu den Frauen auf, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, falls diese Hilfe wünschen.

Die Frauen werden über ihre rechtlichen Möglichkeiten auf der Grundlage des Gewaltschutzgesetzes informiert, beraten und bei den notwenigen Schritten unterstützt. „Letztes Jahr sind bei uns 198 Meldungen seitens der Polizei eingegangen, 187 davon waren weibliche Ratsuchende, 13 männliche. Es geht um psychische und physische Gewalt, Trennungsprobleme, Migrationsproblematiken oder psychosomatische Erkrankungen. Und wenn es aufgrund der sprachlichen Unterschiede mit der Kommunikation nicht klappt, haben wir ehrenamtliche Dolmetscher oder wir verständigen uns zur Not mit Händen und Füßen“, betont Mitarbeiterin Natalia Uslu.

Neben Beratungen, Gesprächen und der Vermittlung an entsprechende Stellen initiiert der Verein in Kooperationen mit Fachausschüssen Veranstaltungen wie „Du bist unschlagbar“ im letzten Jahr, in der das Thema der häuslichen Gewalt näher beleuchtet wurde. „In unserer täglichen Arbeit gibt es viel zu tun und wir möchten an erster Stelle die Gewaltspirale durchbrechen. Das hat oberste Priorität“, resümiert Vorstandsvorsitzende Simone Schnittler und ergänzt: „Pauschale Kürzungen gefährden unsere Arbeit enorm. Wir sind immer auf Spenden angewiesen, damit die Arbeit der Träger vertraglich abgesichert ist und die Kräfte im Sinne der hilfesuchenden Frauen gebündelt werden.“

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