Aachen - Französische Komödie „Der Vorname“ ab Dienstag im Grenzlandtheater

Französische Komödie „Der Vorname“ ab Dienstag im Grenzlandtheater

Von: Ines Kubat
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Ob das Lachen vergeht? Die Inszenierung von "Der Vorname" lässt Einblicke in tief sitzende Konfliktfelder zu. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Adolphe – diesen Vornamen, der ein bisschen zu sehr dem Namen Adolf gleicht, würde vermutlich heutzutage niemand für sein Kind wählen. Doch genau das will Vincent, verkündet er der Tischgesellschaft bei einem Abendessen im Haus seiner Schwester.

Wenig überraschend, dass dies nicht nur für Verwunderung sorgt, sondern vielmehr große Empörung unter den Gästen hervorruft und ein aufwühlender Streit entbrennt. Dabei ging es doch eigentlich nur um einen Vornamen – oder doch um mehr?

„Der Vorname“ ist gleichzeitig der Titel des ersten Stückes in diesem Jahr, mit dem das Grenzlandtheater am Dienstag, 4. Februar, Premiere feiert. Die französische Komödie stammt aus der Feder von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière.

Wie sich bereits in den ersten Szenen andeutet, geht es in der Komödie nicht immer heiter zu, sondern auch „ans Eingemachte“. Das Ehepaar Pierre und Elisabeth – alias Volker Weidlich und Isabella Eva Bartdorff – erwarten Elisabeths Bruder Vincent mit seiner schwangeren Freundin Anna, gespielt von Jennifer Lorenz, und den alten Freund Claude zum Abendessen. Doch Spannung liegt schon vor dem Eintreffen der Gäste unverkennbar in der Luft: Der belesene Universitäts-Professor Pierre sucht aufgebracht nach dem Kellerschlüssel, was seine gestresste Ehefrau Elisabeth noch mehr reizt. Schließlich will diese nicht nur ein perfektes Menü zaubern, sondern ist gleichzeitig darauf bedacht, die moderne Designer-Wohnung im besten Licht erscheinen zu lassen.

Der kleine Wohnungsausschnitt auf der Bühne – gestaltet von Gerd Hoffmann – ist in klinisch-grell und hell gehalten und wird von klaren Linien dominiert. Vor allem die Literatur-Klassiker, versteckt in Regalen, geben deutlich Aufschluss über die soziale Schicht und den Bildungsgrad ihrer Leser. Als Claude, gespielt von Wolfgang Mondon, schließlich eintrifft, wird er von beiden mit Herzlichkeit empfangen.

Wirklich schnell und intensiv werden die Schlagabtausche, als Elisabeths Bruder Vincent eintrifft und sogleich Seitenhiebe an die Freunde verteilt. Tino Lindenberg verkörpert den bissigen Vincent. Mit bitterbösem Humor schlägt dieser oft über die Stränge, wenn er geschmacklose Scherze treibt und versucht, diese als harmlose Witze zu verkaufen, damit aber Figuren und Publikum in emotionale Untiefen fallen lässt.

Als er während des Essens die Bombe mit dem Vorname für sein Kind platzen lässt, mag man sich tatsächlich fragen, was an dem scherzhaften Beiwort „Rechtsdrall“, mit dem Schwager Pierre ihn bedachte, dran ist. Der wiederum wird von Vincent lachend als Salonkommunist tituliert. Solche gelachten Spitzen sind möglicherweise bereits erste Indizien für die tiefliegenden Konfliktfelder, die durch die Namensfrage an die Oberfläche treten. So werden Wahrheiten ausgesprochen, die man über Jahre aus gutem Grund für sich behalten hatte. Und einmal entfesselt, lässt sich der wüste Ausbruch bei dem scheinbar harmlosen Abendessen kaum mehr aufhalten.

„Es ist eine harte, direkte, unfreundliche aber auch liebevolle Familienschlacht“, gibt Regisseur Wolfgang Hagemann, schon vorab preis. Unter seinem fünfköpfigen Ensemble hat Hagemann, der selbst erstmals in Aachen inszeniert, vier ganz neue Gesichter ans Grenzlandtheater geholt. Nur Volker Weidlich stand bereits im vergangenen Jahr für „Harold und Maude“ auf der Bühne.

Gemeinsam spielen sie in rund 120 unterhaltsamen Minuten diese „rasante und typisch französische Komödie“, so Intendant Uwe Brandt. Doch während witzige und viele kurzweilige Elemente einander folgen, vergebe das Stück gleichzeitig nicht die Chance, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen, findet Regisseur Hagemann.

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