Aachen - Frankl-Schule beim „falschen” Träger

Frankl-Schule beim „falschen” Träger

Von: Aljona Hartstock
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Kämpft für einen Sozialarbei
Kämpft für einen Sozialarbeiter an der Viktor-Frankl-Schule: Leiterin Beate Jahn. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Beate Jahn ist ihre Enttäuschung anzusehen. Vor sich auf dem Tisch hat sie einen Ordner ausgebreitet, in dem sie sämtliche Dokumente zum Bildungs- und Teilhabepaket aufbewahrt: Zeugnisse ihrer bisher vergeblichen Bemühungen um die Einrichtung einer Sozialarbeitsstelle an der Viktor-Frankl-Schule, die sie leitet.

Hintergrund ist das Gesetz zum Bildungs- und Teilhabepaket, das Kinder aus ärmeren Familien unterstützen soll. Es sieht auch die Einrichtung von Stellen für Schulsozialarbeiter vor. Eine entsprechende Anschubfinanzierung hat die Stadt bereits erhalten; über die Verteilung darf die Kommune eigenständig entscheiden. Der Betrag steht der Verwaltung für drei Jahre zur Verfügung, danach muss entschieden werden, ob die Stellen weiterhin aufrechterhalten werden oder nicht.

Grundsätzlich eine gute Sache

In Aachen sind 18 Stellen geplant: eine Koordinierungsstelle und 17 halbe Stellen. Das bedeutet, dass 34 Schulen von der Stadt Aachen bei der Verteilung der Stellen berücksichtigt worden sind. Grundsätzlich eine sehr gute Sache. Die Viktor-Frankl-Schule gehört nicht dazu, obwohl gerade an der Förderschule für Kinder mit Behinderungen eine Sozialarbeitsstelle dringend benötigt wird. Die Stadt Aachen begründet dies damit, dass sie nicht durch die Stadt, sondern durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR) getragen wird und Schüler aus der gesamten Region unterrichtet. Genau das kann Schulleiterin Jahn nicht verstehen. „Wir haben etwa 300 Schüler an unserer Schule. 76 der Kinder erhalten das Teilhabepaket, 36 davon sind aus Aachen”, sagt Jahn. Nach ihrer Überzeugung hat jedes Kind, das das Teilhabepaket bekommt, auch Anrecht auf einen Sozialarbeiter.

Gleich nachdem bekannt geworden war, dass in Aachen 18 zusätzliche Stellen für Sozialarbeiter eingerichtet werden sollen, wandte sich Jahn in einem Schreiben an Schuldezernent Wolfgang Rombey, mit der Bitte um die Berücksichtigung ihrer Schule. Die Viktor-Frankl-Schule wurde allerdings nicht berücksichtigt.

An Regelschulen gescheitert

In erster Linie Grundschulen eine Stelle für Sozialarbeiter zuzugestehen, hält Jahn für richtig. Schließlich würden im Rahmen der Inklusion, also des gemeinsamen Lernens von Schülern mit und ohne Behinderung, immer mehr Kinder und Jugendliche an die Regelschulen wechseln. „Auf unsere Schule gehen jedoch Kinder, die an Regelschulen gescheitert sind und die drohen, seelische Behinderungen zu bekommen”, sagt die Schulleiterin.

Im Moment erledigen Jahn und ihre Mitarbeiter einige der Aufgaben, die eigentlich einem Sozialarbeiter zufallen würden: Sie helfen Eltern beim Bildungs- und Teilhabepaket. Vor kurzer Zeit half Jahn einer türkischen Familie auch bei der Suche nach einer neuen Wohnung. Doch die Zeit der Pädagogen und Therapeuten ist begrenzt. Erst recht können sie sich nicht ums soziale Umfeld kümmern.

Bei der Entscheidung handelt es sich aber offensichtlich um eine politische. An der Qualität der Arbeit der Viktor-Frankl-Schule lässt niemand Zweifel aufkommen. „Es wäre aber schade, wenn durch die nachvollziehbaren Interessen von Frau Jahn die ganze Geschichte eine negative Richtung bekäme. Schließlich passiert an vielen Schulen etwas sehr positives”, betont der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Helmut Ludwig. Der Schwerpunkt wird auf Schulen in städtischer Trägerschaft gelegt. Im Falle der Frankl-Schule sei der Träger Landschaftsverband gefordert. Auch die CDU betont, dass es darauf ankommen, zunächst den Grundschulbereich zu versorgen. Und da stünden nun mal die kommunalen Einrichtungen oben in der Prioritätenliste. „Wir wollen präventiv wirken, und deshalb muss man in den Grundschulen ansetzen”, erklärt Christian Steins, der schulpolitische Sprecher der CDU. Die Sozialarbeiter würden vorwiegend in den Brennpunktschulen eingesetzt. Spätestens im neuen Schuljahr sollen sie arbeiten. „Und dann müssen wir die Bedarfsentwicklung beobachten.”

Am 6. Februar wird der Schulausschuss abschließend über die Verteilung der Stellen entscheiden, doch Jahn bezweifelt, dass sich an der Liste der Schulen noch etwas ändern wird. „Ich könnte damit leben, wenn eine Abfrage stattgefunden hätte und meine Schule zu wenige Kinder im Teilhabepaket aufwiese, um eine Stelle zugeteilt zu bekommen. Ich möchte jedoch nicht, dass die Schüler einen Nachteil erfahren, nur weil sie auf meine Schule gehen.”
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