Aachen - Frankenburg vor dem großen Durchbruch

Frankenburg vor dem großen Durchbruch

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
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Vor Shakespeares „Kaufmann von Venedig“, der im Juni Premiere feiert, wirbeln die Handwerker auch im Innenhof der Burg Frankenberg: Links neben dem Rundturm entsteht ein zweiter Ausgang. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Einst trotzte sie dem Ansturm der mehr oder minder ritterlichen Eroberer, mehr oder minder erfolgreich über Jahrhunderte hinweg. Jetzt setzen bekanntlich vor allem die Bürger aus dem Umfeld alles daran, die prächtige Frankenburg vollends einzunehmen. Ein entscheidender Durchbruch auf dem wahrlich steinigen Weg zur „Neugeburt“ der mittelalterlichen Festung als Kultur- und Begegnungszentrum steht in diesen Tagen an – auch im Wortsinn.

Dabei kämpfen die Vertreter des Vereins Frankenbu(e)rger freilich mit ganz anderen, buchstäblich substanziellen Herausforderungen als die Altvorderen – logisch: „Früher galt es zu verhindern, dass die Gemäuer allzu leicht überwunden wurden“, philosophiert Dr. Christoph Lenssen vom Vorstand der Initiative, die inzwischen übrigens 432 Mitglieder zählt. „Momentan geht es auch darum, den Auflagen zur Schaffung eines zweiten Ausgangs Rechnung zu tragen, da nunmehr auch das große Dachgeschoss der Burg völlig neu hergerichtet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.“ Im alten Innenhof wird daher ein zweiter Treppenabgang installiert. Die Denkmalschützer haben ihr Plazet längst gegeben, die technische Realisierung gestaltet sich allerdings schwieriger, als die Planer sich das vorgestellt haben.

„Bei den Vorarbeiten haben wir festgestellt, dass die 1,90 Meter breite Mauer neben dem Rundturm keineswegs komplett in massivem Naturstein errichtet ist; bei der Restaurierung der Burg ist sie durch sogenanntes Klamottenwerk, also Schutt und andere Baureste, verfüllt worden“, erläutert Architekt Jörg Beißel. Konsequenz: Die Mauer muss zunächst über sogenannte Strumpfanker stabilisiert werden, bevor der eigentliche Durchbruch erfolgen kann. Diese Textilschläuche werden über punktuelle Bohrungen eingeführt und mit Zement verfüllt, um die Statik zu gewährleisten.

Ingo Klusemann und seine zahlreichen engagierten Helfer lassen sich von solch vertrackten Widrigkeiten allerdings nicht aus dem Konzept bringen. Letztlich liege das ambitionierte Umbauprojekt sowohl finanziell als auch zeitlich bestens im Plan, versichert der Vereinsvorsitzende. Auch dem längst geplanten neuerlichen Gastspiel des Das Da Theaters stehe somit nichts im Wege; am 13. Juni will Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ seine Geschäfte im offenen Innenhof aufnehmen.

1500 Stunden Eigenleistung

Unabhängig davon sind die Vorbereitungen zur Schaffung einer Vielzahl neuer Angebote im alten Gemäuer bereits Anfang März in die heiße Phase gegangen. Insgesamt werden stolze 1,6 Millionen in die Restaurierung investiert. Rund 750 Arbeitsstunden haben die Mitglieder der Initiative inzwischen bereits geleistet, mindestens ebenso viele stehen noch an. So wurde der komplette Dachboden der Burg neu erschlossen und praktisch entkernt, eine Zwischendecke wurde entfernt. Von dort aus soll künftig eine Treppe hinab in den Innenhof und über den neuen Ausgang weiter in den Park führen. Unterm imposanten Holzdachstuhl ist auf rund 250 Quadratmetern reichlich Platz für einen großen Veranstaltungsraum; im benachbarten kleineren Turm wird zudem eine kleine Bar eingerichtet.

Auch in den Geschossen darunter sind die Handwerker fleißig zugange, damit das neue Begegnungs- und Informationszentrum im Frühjahr kommenden Jahres seiner Bestimmung übergeben werden kann: Mit Kulturveranstaltungen aller Art, Tagungen und privaten Feiern soll die alte Burg schließlich nicht nur den Menschen aus dem Viertel reichlich bieten. Neben den Frankenbu(e)rgern stehen bereits diverse Vereine auf der sprichwörtlichen Matte, die ebenfalls künftig mit eigenen Büros an der Goffartstraße residieren möchten. Im Erdgeschoss wird ein Restaurant inklusive Küche eingerichtet.

Treppenlifte für Behinderte

Und während das entscheidende Loch in Sachen Rettungswege – siehe oben – noch gar nicht geschlagen ist, plagt die Bürger seit Neuestem eine ganz andere Lücke, von wegen Auflagen und Kosten: „Das Land hat uns ganz kurzfristig verpflichtet, auch behindertengerechte Zugänge zu schaffen“, berichtet Klusemann. „Das wollen wir nun durch zwei Treppenlifte im Inneren gewährleisten.“ Rund 70.000 Euro kommen daher zusätzlich auf den Verein zu. Der Burgfrieden am Frankenpark bleibt trotzdem gewahrt. Klusemann: „Dank vorausschauender Planung packen wir auch das noch.“

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