Aachen - Frankenberger Park: „Es ist unerträglich“

Frankenberger Park: „Es ist unerträglich“

Von: Oliver Schmetz
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Eine Idylle, aber eine mit Schattenseiten: Seit Monaten fühlen sich Anwohner des Frankenberger Parks von Ruhestörungen, Drogenhandel, wildem Urinieren und Müll belästigt. Jetzt schlägt ein Anwohner in einem offenen Brief an den OB Alarm. Foto: Andreas Herrmann, privat
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Eine Idylle, aber eine mit Schattenseiten: Seit Monaten fühlen sich Anwohner des Frankenberger Parks von Ruhestörungen, Drogenhandel, wildem Urinieren und Müll belästigt. Jetzt schlägt ein Anwohner in einem offenen Brief an den OB Alarm.

Aachen. Lautes Grölen bis tief in die Nacht, vollgepinkelte Büsche, Bürgersteige und Hauseingänge, Drogenhandel auf offener Straße und am Morgen danach zugemüllte und mit Glasscherben übersäte Wege und Wiesen – nein: Hier ist nicht die Rede vom sattsam bekannten Kriminalitätsbrennpunkt Kaiserplatz, sondern von einem eigentlich recht lauschigen Fleckchen in einem der schönsten Innenstadtviertel Aachens – dem Frankenberger Park.

Bloß: Dort, in einer der beliebtesten Wohngegenden der Stadt, fühlen sich mittlerweile etliche Anwohner ähnlich unwohl wie am Kaiserplatz. Denn seit Monaten wird die Grünanlage an der Burg Frankenberg tagsüber, vor allem aber auch abends und nachts von Personen bevölkert, in deren Vokabular das Wort Rücksichtnahme offenbar nicht existiert. „Es ist unerträglich“, beschreibt Anwohner Ulf Hölscher die Situation, wie sie sich ihm fast Tag für Tag vor seiner Haustüre biete. „Die Zustände sind eine einzige Katastrophe.“

Am Montag hat Hölscher seinem Ärger Luft gemacht und sich in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Marcel Philipp gewandt – auch weil sich, wie er schreibt, trotz diverser Vorstöße bei der Verwaltung vor Ort nichts geändert habe. „Ich finde es sehr schade, dass wir nun Sie mit ins Boot nehmen müssen, da diverse Anrufe und Beschwerden über Wochen bei den zuständigen Ämtern für keine Verbesserung gesorgt haben“, schreibt er dem OB und führt dann detailliert aus, was im Park so alles passiert.

Mittlerweile „pilgerten“ Personen aus dem ganzen Stadtgebiet abends in die Grünanlage, „um dort bis spät in die Nacht unter lautem Gegröle und stark alkoholisiert zu feiern“, schreibt er. Als Nachbar stehe man dem machtlos gegenüber. Anfangs habe man noch versucht, mit den betreffenden Personen in Dialog zu treten, doch könne man froh sein, „dass man nur Schläge angedroht bekommen hat und es nicht zu Handgreiflichkeiten gekommen ist, wie sie gegen die Ordnungskräfte im Juli stattgefunden haben“.

Damals waren Mitarbeiter des Ordnungsamts im Park mit Flaschen beworfen, geschlagen und getreten worden. Zwei von ihnen wurden so schwer verletzt, dass sie danach dienstunfähig geschrieben wurden. Bei Vertretern des Ordnungsamts, so der Anwohner, treffe man „bereits auf Resignation, da diese des Treibens nicht mehr Herr werden können und dies auch kundtun“.

Hölscher schildert dem OB, dass der Park mehr und mehr zum Aufenthaltsort und Schlafplatz für Obdachlose werde, er schreibt von häufigen Ruhestörungen, ungeniertem Urinieren auch vor Kindern, Drogenhandel und „extremen Verschmutzungen“. Letztere hat er zuletzt am vorigen Samstag dokumentieren können, als Wege und Rasenflächen wieder einmal mit zerbrochenen Flaschen übersät waren. In der Nacht zuvor war es wieder einmal laut geworden im Frankenberger Park – was auch die Polizei bestätigt. Diese schickte um 0.45 Uhr mehrere Streifenwagen dorthin, um das Ordnungsamt zu unterstützen. Es ging – natürlich – um Ruhestörung. Die betreffenden Personen seien zur Ruhe angehalten worden, sagt Polizeisprecherin Petra Wienen auf AZ-Anfrage. Gebracht hat das aber offenbar nicht viel. Wie Hölscher an den OB schreibt, sei der Lärm noch bis 4 Uhr morgens weitergegangen...

Für den Anwohner und – wie er sagt – viele seiner Nachbarn stehen mittlerweile zwei Dinge fest. Erstens: „Die Mitarbeiter des Ordnungsamts sind hier total überfordert.“ Und dass es – zweitens – so nicht weitergehen kann. „Ändern Sie bitte etwas daran“, lautet deshalb der Appell an den OB.

„Wir kennen das Problem natürlich und wissen, dass die Situation im Frankenberger Park änderungsbedürftig ist“, nimmt Ordnungsdezernentin Annekathrin Grehling in Vertretung des OB auf AZ-Anfrage Stellung. „Aber wir werden dafür sicher mehr als zwei oder drei Tage brauchen.“ Man sei in dieser Frage mit der Polizei bereits im Austausch und wolle gemeinsam in den kommenden Wochen ein Konzept erarbeiten, mit dem man die Probleme im Park in den Griff bekommen wolle. Ein Ansatz könne dabei eine stärkere Präsenz vor Ort sein, so die Dezernentin, „aber dann müsste es auch ein weitergehendes Durchgreifen geben können“.

Ob alleine schon das Aufstellen von Toilettenhäuschen – wie von Hölscher in seinem Brief angeregt – ausreichen könnte, die Lage zumindest teilweise zu entschärfen, sieht Grehling allerdings skeptisch. Es sei doch eher fraglich, ob diese von den grölenden Gruppen auch benutzt würden...

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