Aachen - Fotograf Willi Filz: Grenze in den Köpfen als Problem

Fotograf Willi Filz: Grenze in den Köpfen als Problem

Von: Rolf Hohl
Letzte Aktualisierung:
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Zeigt eindrucksvolle Bilder von der Grenze Israels zum Gazastreifen: der Fotograf Willi Filz. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Grenzen sind ein Ort der Trennung, nicht nur physisch, sondern oft auch im Kopf. Man kann ihre Mauern nur von einer Seite gleichzeitig sehen – und entsprechend verändert sich auch die Sichtweise. Am „Kukuk“ an der deutsch-belgischen Grenze wird sich das für eine Weile ändern.

Dort zeigt der Eupener Fotograf Willi Filz in seiner Installation und Fotoausstellung beide Seiten einer der bekanntesten Grenzen der Welt: Jener zwischen Israel und dem Gazastreifen. Am Sonntag ist Eröffnung, und gleichzeitig Auftakt für weitere Veranstaltungen im Juni.

Drei Meter hoch ist das Panorama, welches sich an beiden Seiten erhebt, genau auf dem Steg, der am Köpfchen über die Grenze zwischen Belgien und Deutschland führt. „Der Besucher geht dann genau zwischen den beiden Mauern und das veranschaulicht gut die Situation der Menschen dort. Sie wissen auch nicht, wohin sie gehören“, schildert der Fotograf seine Idee. Genau genommen ist es nämlich nur eine Mauer, aber von zwei Seiten fotografiert. Nackt und grau die israelische, voller Graffiti und Symbole die palästinensische.

Auffallend oft ist dabei ein Schlüssel zu sehen, das Symbol für die Rückkehr der Vertriebenen in ihre Häuser. Als Fotograf stoße man häufig auf solche visuellen Kleinigkeiten, die aber einen bedeutenden Hintergrund haben, wie Filz sagt. „Es ist nicht alles so, wie es oberflächlich scheint. Man muss erst lernen, zu sehen. Die meisten Menschen sind aber absolute visuelle Analphabeten.“ Zu einem Bild gehören für ihn immer auch Gerüche, Erinnerungen und Gefühle, viel mehr also, als man sehen kann.

All diese Facetten auf einzelnen Bildern zum Ausdruck zu bringen, ist die Kunst der Fotografie, sagt Filz. Von seinen mehrwöchigen Reisen in das israelisch-palästinensische Grenzgebiet hat er neben den beiden Großformaten der Mauer auch zahlreiche andere Eindrücke festgehalten. Das Hauptthema bleibt aber die Trennung durch den meterhohen Stahlbeton. „Der größte Schaden ist die Manifestierung dieser Grenze in den Köpfen der Menschen. So erlebt jede Seite nur die eigene Indoktrination.“

In dieser Lebensrealität ist der Regisseur Wisam Zureik aufgewachsen. Der Israeli mit palästinensischer Herkunft hat die Suche nach seiner Identität in einem Film verarbeitet, der am 23. Juni im Rahmen dieser Ausstellung im „Kukuk“ gezeigt wird. „Die Frage ‚Woher kommst du?’ konnte ich nie richtig beantworten. Ich habe den israelischen Pass, aber bin auch Palästinenser. So geht es vielen Arabern in Israel, und dieser Frage bin ich in dem Film nachgegangen“, sagt er. Die Antworten darauf will er aber noch nicht verraten.

Seit zehn Jahren existiert der Verein Kukuk sowohl auf belgischer als auch auf deutscher Seite und engagiert sich für das grenzüberschreitende Zusammenleben. Einen passenderen Ort für eine Ausstellung mit diesem Thema hätte man wohl kaum finden können. Alice Loo, Vereinsgründerin und Vorsitzende von Kukuk sieht darin eine Verantwortung des Vereins: „Wir wollen ein Modell für europäische Grenzbeziehungen sein, und da verpflichtet ein Ort wie dieser, auch schwierige Themen in den Veranstaltungen und Ausstellungen aufzugreifen.“

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