Aachen - Forschungsprojekt auf dem Weihnachtsmarkt: Wo laufen sie denn?

Forschungsprojekt auf dem Weihnachtsmarkt: Wo laufen sie denn?

Von: stm
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Jungforscher haben den Weihnachtsmarkt im Visier: Lucas Krohmer, Jonas Juchelka und Luca Hüllenkremer (v.r.n.l.) haben die Besucherströme auf dem Katschhof an einem Samstag und einem Dienstag gemessen und analysiert. Die Ergebnisse können den Veranstaltern für die Zukunft Hinweise geben. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die drei Forscher und ihre Helfer haben sich strategisch günstig positioniert. Nämlich an den Ein- und Ausgängen des Katschhofs. In der Hand halten sie Zählgeräte. Es klickt und klickt – insgesamt ein paar tausend Mal in kurzer Zeit. Luca Hüllenkremer, Jonas Juchelka und Lucas Krohmer schauen genauestens hin.

Wie viele Menschen kommen, wie viele gehen? Welche Laufwege bevorzugen die Besucher des Weihnachtsmarkts? Wird es irgendwo besonders eng und ist dafür anderswo mehr Luft? Und wie groß ist da eigentlich besuchermäßig der Unterschied zwischen einem Samstag und einem Dienstag? Das alles wollen die drei Forscher beantworten. Dabei sind sie gerade einmal zehn Jahre alt. Sie besuchen die vierte Klasse der benachbarten Domsingschule und machen mit bei „Jugend forscht“.

Als Spezialfach haben sie sich eine eher außergewöhnliche Disziplin ausgesucht: Geo- und Raumwissenschaften. Was wohl daran liegt, dass Rudolf Juchelka, Vater von Jonas, Professor für Wirtschaftsgeographie an der Universität Duisburg-Essen ist. Er leitet die drei Nachwuchswissenschaftler an, die beim Zählen auch von Freunden und Verwandten unterstützt werden.

8056 Besucher in 30 Minuten

Der Erkenntnisgewinn nach den beiden Zähltagen ist enorm. Beispiel Samstag: In 30 Minuten (14 bis 14.15 und 14.30 bis 14.45 Uhr) klickten die Zählgeräte genau 8056 Mal. 4200 Menschen betraten den Katschhof, knapp 3900 verließen ihn. „Der Samstag ist ein absoluter Spitzentag. Das hat sich teilweise richtig geknubbelt“, sagt Jonas Juchelka.

Hauptzu- und Abgangspunkt ist dabei der Eingang Münsterplatz/Dom gefolgt von Standesamt/Hühnermarkt und Kaiser Karls Kräutergarten, haben die drei Schüler festgestellt. Die Zugänge Ritter-Chorus-Straße und die Seitengasse der Krämerstraße seien hingegen auf deutlich niedrigerem Niveau. Gerade dort wäre noch Luft für Maßnahmen der Besucherlenkung, haben sie als Ergebnis und Hinweis festgehalten. Dazu der Dienstag im Vergleich: Gezählt wurde ebenfalls 30 Minuten – und es kamen und gingen an diesem Tag ziemlich genau halb so viele Besucher. Genau 4103.

Auffällig bei den Messungen seien die Richtungsvorlieben: Am Messpunkt Münsterplatz halte sich der Strom hin- und weggehender Passanten die Waage, er bilde gleichwohl das Haupteinfallstor für den Katschhof. Ebenso sehe es bei Kaiser Karls Kräutergarten aus. Der Messpunkt Standesamt/Hühnermarkt werde stärker als Ausgang benutzt, die Ritter-Chorus-Straße und die Seitengasse der Krämerstraße hingegen als Zugangspunkte. Lucas Krohmer ergänzt: „Bei unseren Passantenmessungen haben wir auch immer das aktuelle Wetter einbezogen. Je nach Kälte oder Regen verändern sich die Besucherzahlen natürlich stark.“

Das Projekt ging allerdings weit übers Zählen auf dem Weihnachtsmarkt hinaus: „Wir haben uns im Vorfeld genau über die Entwicklung des Katschhofs informiert. Die Umbauten in letzter Zeit wie Centre Charlemagne und Rathaustreppe haben den Platz für Besucher viel attraktiver gemacht“, hält Luca Hüllenkremer fest. Die Kinder gestalten zu ihren Ergebnissen jetzt ein Poster mit Texten, Grafiken und Karten. Zusätzlich wurde schon ein kleines Modell des Katschhofs mit Legosteinen gebaut. Im Forschungszentrum Jülich präsentieren die Jungforscher Anfang 2016 ihre Ergebnisse in einem Regionalworkshop und hoffen natürlich, dass sie von dort aus eine Runde weiter in Richtung Landeswettbewerb kommen.

Für die Domsingschule geht es sogar um die Titelverteidigung. Dieses Jahr gewann die Grundschule in Trägerschaft des Domkapitels in Jülich den Schulpreis. Im laufenden Wettbewerb bietet die Domsingschule unter der Regie der Lehrerinnen Judith Napierala und Manuela Graff gleich zehn Forschergruppen zu verschiedensten Themen auf. Zudem machen Eltern unterstützend mit. Schulleiterin Irma Wüller: „Das trägt dazu bei, die Kinder über den Lehrplan hinaus breit zu fördern.“ Die Rektorin ist stolz auf „ihre“ Schülerinnen und Schüler: „Sie sind unheimlich engagiert und interessiert bei der Sache.“

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