Forscher-Ehepaar lüftet neues Geheimnis um Walter Hasenclever

Von: Rolf Hohl
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der am 8. Juli 1890 in Aachen geborene Autor Walter Hasenclever hatte ein bewegtes Leben – aber es ist der Tod, der die Bewahrer seines Vermächtnisses bis heute umtreibt.

Zu diesen gehört die Aachener Walter-Hasenclever-Gesellschaft, die am Dienstag beinahe auf den Tag genau den 127. Geburtstag des Lyrikers im Deutsch-Französischen Kulturinstitut feierte. Zu diesem Anlass berichteten Doris und Jürgen Lauer von ihrer Suche nach dem Grab von Hasenclever, der seit seinem Tod in Aix-en-Provence in Frankreich begraben liegt.

Mit den vagen Beschreibungen von Hasenclevers Biografen Bert Kasties traten sie ihre Reise an. Sie sollten nach einem weißen verwitterten Grabstein mit schwer lesbarer Inschrift suchen, gab Kasties den Eheleuten mit auf den Weg. „Wir hatten also nur so etwas wie ein geistiges Phantombild und machten uns mit diesen knappen Detailangaben auf die Suche nach weiteren Informationen“, erzählte Jürgen Lauer.

Hasenclever selbst hatte seinerzeit an vielen Stationen zwischen Aachen und Aix-en-Provence Halt gemacht. Er studierte in Lausanne, Oxford und Leipzig und wurde mit seinen Dramen schnell zu einem der bekanntesten Exponenten des Expressionismus. Für das Antikriegsdrama „Antigone“ erhielt er 1917 sogar den Kleist-Preis und wurde mit seinen Stücken zeitweilig zum meistgespielten Dramatiker im deutschen Sprachraum. Nach der Machtergreifung der Nazis wurden seine Werke in Deutschland aber verboten und er floh ins französische Exil.

Friedhof Saint-Pierre

Dort landet er schließlich im Internierungslager Les Milles, wo fast 80 Jahre später das Ehepaar Lauer auf Spurensuche ist. Letztlich finden sie auf dem Friedhof Saint-Pierre in Aix-en-Provence einen Grabstein, der als Inschrift den Namen Hasenclevers trägt. Mit dem zerfallenen Grabstein, den sich das Ehepaar ausgemalt hatte, hatte dieser aber nichts gemein. Stattdessen lag da eine gewaltige schwarze Granitplatte – gepflegt und sauber poliert.

Weder die Friedhofsverwaltung noch die ehemalige Konservatorin konnte den Beiden aber sagen, von wem dieses stattliche Grab einst gestellt wurde. „Es bedurfte einer Korrespondenz von zwei Wochen, um zu erfahren, dass weder das Deutsche Literaturarchiv Marbach als Verwalterin des Nachlasses noch die Familienangehörigen Hasenclevers die Erneuerung der Grabstätte veranlasst hatten“, sagt Doris Lauer.

Diese Frage bleibt bis heute ungeklärt und ist eines der vielen Geheimnisse um den Lyriker aus Aachen. Dieser entschied sich für den Freitod, als die Wehrmacht in Südfrankreich einmarschierte. Hasenclever starb am 21. Juni 1940 – er wurde nicht einmal 50 Jahre alt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert