„Food Market“: Horten lässt Hüllen fallen

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
14253265.jpg
Kreativ: Der Gedankenaustausch mit Fachleuten brachte der Landmarken AG – hier mit den Vorständen Norbert Hermanns (2.v.r.) und Jens Kreiterling (3.v.r.) sowie Architekt Gerhard Wittfeld (l.) und Projektleiter Sven Bayer (4.v.r.) – neue Impulse. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Alles eingetütet, am 17. Juni 2017 ist nach 19 Jahren Schluss. Dann schließt die seit Jahren schwächelnde Kaufhof-Tochter „Lust for Life“ in Aachen endgültig die Türen. Der Name wird wohl nirgendwo mehr auftauchen – auch nicht im Galeria-Stammhaus in der Adalbertstraße.

Ursprünglich hatte die Aachener Landmarken AG als neuer Eigentümer des ehemaligen Horten-Hauses am Bädersteig zwischen Komphausbad- und Mefferdatisstraße vor, den riesigen Einkaufs-Komplex in ein modernes Appartementhaus zu verwandeln. Dazu wären erhebliche Baumaßnahmen, Einschnitte in die typische Kachelhülle des 1962 erbauten Gebäudes und ein langwieriges Bebauungsplanverfahren nötig geworden. Doch die Pläne wurden nun verworfen. Die Immobilie soll auch in Zukunft Kundenströme anziehen – was benachbarte Einzelhändler wegen erhöhter Publikumsfrequenz freuen dürfte, nicht nur am vom Leerstand geplagten Dahmengraben.

Die aktuellen Entwürfe für die Nachnutzung sehen laut Landmarken-Vorstand Norbert Hermanns vor, im Erdgeschoss des vierstöckigen Baus, der insgesamt 11.866 Quadratmeter Verkaufsfläche (Bruttofläche 18 473 Quadratmeter) aufweist, einen großen „Food Market“ einzurichten. So könnten verschiedene Anbieter von Lebensmitteln – etwa in italienischen, französischen, asiatischen und typisch Öcher Abschnitten – ihre Produkte in einer großen Halle anbieten. „Die soll kein klassischer Food Court, sondern ein Raum für Kreative werden, die regionale und internationale Spezialitäten nicht nur verkaufen, sondern auch herstellen“, erklärt Hermanns am Dienstag nach einem Gedankenaustausch mit rund 50 Architekten, Einzelhändlern, Geschäftsleuten, Touristikern, Wirtschaftsförderern, Kulturschaffenden und anderen Experten.

Ergänzt würde dies mit feinen gastronomischen Angeboten. Der Begriff „Food-Making-Factory“ machte die Runde. Franchise-Nehmer sind eher nicht gefragt. Vielmehr sei Authentizität favorisiert. Es soll eine Innen- und eine Außenbühne für Events und Live-Konzerte, lange Öffnungszeiten und viele thematische Sonderaktionen geben – etwa zum Kaffeerösten, Pastakochen, Brotbacken oder Eismachen. Im Untergeschoss wünscht man sich „eine gewisse Anzahl von Parkplätzen“. Möglicherweise werde der „Food Market“ zum Teil auch auf das erste Obergeschoss ausgeweitet, erklärt Landmarken-Projektleiter Sven Bayer. „Aber da sind unsere Pläne noch nicht genau fixiert.“ In den Etagen darüber ist unter anderem eine Hotelnutzung angedacht, im obersten Stockwerk sollen moderne Büroflächen eingerichtet werden – wobei dieses Stockwerk neu aufgesetzt werden soll. „Auf dem Dach gibt es heute schon hohe Aufbauten“, sagt Bayer, „die Bestandshöhe würde damit nicht verändert.“

Hermanns‘ Landmarken AG will mit dem neuen Konzept die Innenstadt möglichst schnell beleben. Gerade dem direkten Umfeld wolle man „mit einem starken Magneten neues Leben einhauchen“, verspricht der Projektentwickler. Dies ziele vor allem auf den Einzelhandel Richtung Großkölnstraße und Büchel. Letzterer spiele bei der Überplanung des Nikolausquartiers – inklusive Rotlichtbezirk Antoniusstraße und Abriss-Parkhaus – eine entscheidende Rolle für die Weiterentwicklung des historischen Stadtkerns.

Würde das ehemalige Horten-Haus künftig „nur“ Wohnungen beheimaten, würden auch im Umfeld deutlich weniger Kunden die Kassen klingeln lassen – ganz unabhängig von der absehbar jahrelangen Baustellensituation beim Neubau eines ganzen Stadtquartiers zwischen Mefferdatisstraße und Nikolausstraße. Stattdessen könne ein trendiger Marktplatz eine wichtige Magnetwirkung ausstrahlen. Ähnliche gelungene Beispiele gebe es in anderen Städten – zum Beispiel die Markthalle 9 in Berlin-Kreuzberg. Diese habe sich vom reinen Marktplatz zum beliebten Szenetreff entwickelt. „Dieses Projekt in Aachen kann das neue vitale, kreative Herz der Stadt werden“, sagt Hermanns.

2014 hatte die Landmarken AG das „Lust for Life“-Verkaufshaus erworben, das einst über der denkmalgeschützten Rosenquelle errichtet wurde. Die historische Quelle soll im Erdgeschoss „attraktiv und sichtbar in Szene gesetzt werden“, heißt es. Die Immobilie selbst steht nicht unter Denkmalschutz – auch nicht die Fassade mit den charakteristischen Horten-Kacheln. Diese sollen nun auch komplett verschwinden. „Wir wollen dem Gebäude ein völlig neues Gesicht geben“, sagt Bayer.

1998 war der Kaufhof mit seinem „L4L-Store“-Konzept in Aachen eingezogen. Aber die Kunden ließen Jahr für Jahr weniger Geld in dem Modemarkt. Zuvor war dort ab 1962 Horten zu Hause. Der neue Kaufhof-Eigentümer Hudson‘s Bay Company beschloss, die Kaufhof-Tochter „L4L“ in Aachen fallen zu lassen. Man ließ den Mietvertrag fristgerecht auslaufen. Dies eröffnet nun der Landmarken AG die Türen für das „Marktplatz-Konzept“ im Herzen der Kaiserstadt. Schon Anfang 2018 könnte der Marktplatz im Erdgeschoss eingetütet sein – spätestens Ende 2018 soll dann das ganze Paket ausgepackt werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (4)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert