Fonds-Manager wegen Siso-Textil-Pleite vor Richterin

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Ein erneutes strafrechtliches Nachspiel der Firmenpleite von Siso-Textil (einstmals Franz Sinn & Sohn) und einem nach dem ersten Insolvenzverfahren in 2002 an eine Rotterdamer Investorengruppe veräußerte Auffanggesellschaft findet seit gestern vor dem Aachener Amtsgericht statt.

Denn dort vor Richterin Anja Bertram müssen sich zwei Manager des niederländischen Fonds „Mees Pierson Informal Opportunity Fund“ verantworten, die 2005 und 2006 als Geschäftsführer des im August 2004 mit einem Anteil von 66 Prozent vom bekannten Aachener Insolvenzabwickler Prof. Rolf-Dieter Mönning an die Niederländer und den damaligen Siso-Geschäfstführer veräußert worden war.

„Die Sanierung konnte erfolgreich abgeschlossen werden“, hieß es damals 2004 in einer Presseerklärung über die Abwicklung des mit etwa 800 Beschäftigten tätigen Unternehmens mit seinen bundesweit verstreuten etwa 120 „minitextil“-Filialen. Doch bereits 2006 stand die neue Siso-Textil mit ihren nur noch etwa 40 Filialen, jetzt Starmax genannt, wieder vor dem Aus, mehrere Gläubiger hatten Insolvenzanträge gestellt.

Die Manager handelten, wenn überhaupt, zu spät, wie Ankläger Oberstaatsanwalt Robert Deller den beiden Angeklagten Gemma M. (64) und Hendrik M. (42) in der Anklageschrift vorwirft. Danach soll der ab Ende 2004 bis Juni 2005 verantwortliche Gemma M. es zunächst versäumt haben, eine ordnungsgemäße Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr auf den Tisch zu legen. Denn bereits da sei abzusehen gewesen, bestätigte gestern ein als Gutachter bestellter Wirtschaftsprüfer, dass erneut eine Überschuldung der „Siso neu“ vorgelegen habe.

Die Firma konnte ihren Verbindlichkeiten trotz frischer Geldzufuhr aus den Niederlanden kaum nachkommen, die Schulden hätten bereits wieder einen Stand von 1,8 Millionen Euro erreicht, hieß es vor Gericht. Ende 2006 soll die Summe auf mehr als drei Millionen Euro angewachsen sein. Da hatten vor allem Sozialversicherungsträger Insolvenzanträge gestellt, weil fällige Beiträge nicht gezahlt worden waren. Hier wird den Verantwortlichen Untreue über eine Summe von rund 120 000 Euro vorgeworfen.

Der ab Juni tätige Geschäftsführer Hendrik M. soll außerdem ein nie derländisches Konto für die Siso-Textil eröffnet und darauf 320 000 Euro überwiesen haben, ihm wird betrügerischer Bankrott vorgeworfen Die Lage sei damals angespannt gewesen, bekannten die Manager, Ende 2006 wollte man selber Insolvenz anmelden. Für den 12. März wird ein Urteil erwartet.

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