Aachen - Flüchtlingshelfer Ali Ismailovski erhält Maria-Grönefeld-Preis

Flüchtlingshelfer Ali Ismailovski erhält Maria-Grönefeld-Preis

Von: Martina Stöhr
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Beste Freunde: Preisträger Ali Ismailovski (l.) und Pfarrer Herbert Käfer freuen sich gemeinsam über die hohe Auszeichnung. Foto: Schmitter

Aachen. „Wenn ich Menschen wie Ali Ismailovski sehe, ist mir um Europa nicht bange“, ließ EU-Parlaments-Präsident Martin Schulz bei der Maria-Grönefeld-Preisverleihung verlauten. Als Schirmherr der Veranstaltung hatte er zwar persönlich nicht erscheinen können, doch die Landtagsabgeordnete Daniela Jansen verlas sein Grußwort.

Und darin hob er die Bedeutung all der helfenden Hände hervor, die in Lesbos, Lampedusa und eben auch in Aachen für die Flüchtlinge da sind. „Sie stärken die auf Humanität begründeten Werte unserer Gesellschaft“, so Schulz. Und Ali Ismailovski ist ganz offensichtlich ein Mensch, der sich in beispielhafter Weise für die Flüchtlinge einsetzt. Deshalb wurde er jetzt in der voll besetzten Citykirche St. Nikolaus offiziell mit dem Maria-Grönefeld-Preis gewürdigt.

Wie wichtig seine Arbeit im „Café Zuflucht“ ist, wurde deutlich, als zwei seiner Schützlinge von ihrem Schicksal erzählten. Der erste stammt aus Palästina und sollte, kaum in Aachen angekommen, gleich wieder abgeschoben werden. „Beim Ausländeramt hatten sie schon das Ticket für mich“, erzählte er. Doch dann nahm sich Ali Ismailovski seiner an, und der Palästinenser durfte bleiben. Heute macht er eine Ausbildung.

„Geh zu Ali“ oder „Frag Ali“ ist offenbar so etwas wie ein Geheimtipp unter den Flüchtlingen. Das kann auch ein Flüchtling aus dem Kosovo bestätigen. „Das Dasein als Flüchtling ist nicht leicht“, erzählte er, und Ali habe ihm zu jeder Zeit zugehört und Mut gemacht. Obwohl seine Chancen auf ein Bleiberecht eher schlecht waren, erreichte er zumindest eine Duldung und macht jetzt eine Ausbildung zum Augenoptiker.

Ali Ismailovski selbst war sichtlich gerührt ob des vielen Lobs, das da auf ihn niederprasselte. Er stammt aus Mazedonien und „weiß als Roma sehr genau, dass ein normales Leben keine Selbstverständlichkeit ist“, führte Andrea Genten in ihrer Laudatio aus. Mit fachlicher Kompetenz, Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit gebe er heute die Hilfe zurück, die er seinerzeit selbst erhalten habe. Noch immer seien ihm Sinti und Roma eine Herzensangelegenheit. „Er will Vorurteile abbauen und Lebensperspektiven eröffnen“, sagte sie. Und er mache sich stark dafür, dass die Volkszugehörigkeit zu den Roma als Asylgrund anerkannt werde.

„Für mich zählt nur der Mensch“, sagte Ismailovski in seiner Danksagung und machte damit deutlich, dass die Klassifizierung in Flüchtlinge mit guten Chancen auf ein Bleiberecht und denen mit schlechten für ihn keine Rolle spielt. Er ist für alle gleichermaßen da. Und kann dabei gegenüber dem Ausländeramt auch sehr energisch werden, wie der Flüchtling aus Palästina eindrucksvoll schilderte.

Dass die Unterschiede in Kultur, Religion und Sitten bei den Menschen in Deutschland zu einer Überforderung führen könne, hatte Martin Schulz in seinem Grußwort durchaus eingeräumt. Dennoch warnte er davor, der „Rhetorik der Angst, der Ignoranz und des Gestern“ anheimzufallen. Für die Flüchtlinge sei Europa die Verheißung und ein realer Ort der Hoffnung. Und die Maria-Grönefeld-Stiftung sei ein wichtiger Akzent im „Europa der Menschlichkeit“.

Bürgermeister Norbert Plum hatte zudem ausgeführt, wie sehr Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung in Aachen darum bemüht sind, den Flüchtlingen zu helfen. Und die Maria-Grönefeld-Stiftung hat im diesen Jahr die „solidarische Flüchtlingsarbeit“ zum Thema gemacht. Die in Herzogenrath beheimatete Stiftung vergibt alle zwei Jahre einen Preis. Diesmal war er mit einem Kunstwerk, einer Urkunde und 1000 Euro dotiert. Ein Neffe von Maria Grönefeld stockte den Preis zudem um 500 Euro auf.

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