Aachen - „Flüchtlingsacker“: Hier geht es um mehr als Obst und Gemüse

„Flüchtlingsacker“: Hier geht es um mehr als Obst und Gemüse

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Sie packen Kräftig an: Zahlreiche Flüchtlinge auf Gut Hebscheid schaffen dank der Unterstützung wichtige Schritte der Integration. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Über 15.000 Euro freuen sich junge Flüchtlinge, die sich beim Projekt „Flüchtlingsacker – Jugendliche powern ohne Gewalt“ auf Gut Hebscheid in der Biolandwirtschaft auspowern. Mit dem Geld unterstützen sieben Aachener Lions-Clubs, der Leo- und der Zontaclub das vor drei Jahren ins Leben gerufene Projekt.

„Wir möchten jungen Menschen eine Wurzel geben.“ Manfred Paul, Initiator des Projektes, steht in Gummistiefeln auf Gut Hebscheid und spricht mit ausländischen Jugendlichen und jungen Männern im Alter zwischen 16 und 30 Jahren.

Sie kommen aus Afghanistan, aus Guinea, aus Eritrea und aus Syrien. Sie sind ohne Familien in Aachen gelandet, buddeln gemeinsam in der Erde, bauen Bio-Gemüse an, vertiefen Freundschaften, lernen die deutsche Sprache und werden in Arbeit vermittelt, in ein Praktikum oder in Berufsvorbereitungskurse.

„Wenn wir die Flüchtlinge so weit haben, dann werden sie erstmal nicht mehr abgeschoben“, sagt Manfred Paul, der jetzt finanzielle Sorgen los ist. Die gespendeten 15.000 Euro stammen aus der letztjährigen Weihnachtsmarktaktion. „Wir hoffen auf die Signalwirkung unserer Spende und wünschen uns, dass noch mehr Leute ihren Blick auf den Flüchtlingsacker und Gut Hebscheid wenden“, wünscht sich Hans Röllinger vom Lions-Club.

Mit dem Geld werden Lebensmittel gekauft, „denn wenn die Flüchtlinge samstags die Beete bearbeiten, haben sie Hunger“, berichtet Manfred Paul. Außerdem sind die Pacht des 400 Quadratmeter großen Gemüsebeetes, das bebaut wird, sowie die 15 Quadratmeter Fläche im Treibhaus gesichert.

„Zusätzlich können wir die drei Bauwagen, die ebenfalls mit Hilfe der Clubs angeschafft wurden, mit Material und Werkzeug einrichten“, freut sich Paul, der stolz in den mit einer Küche eingerichteten Bauwagen zeigt. Dort kann gekocht, aber auch Gemüse fürs Einfrieren vorbereitet werden. Im Arbeitsbauwagen sind die Gartengeräte, im Lerncontainer wird Nachhilfe gegeben.

Die ersten Erfolge des Projektes sind beeindruckend. Ghorban aus Afghanistan ist schon länger dabei. Er steht wirtschaftlich auf eigenen Beinen, arbeitet erfolgreich im dritten Ausbildungsjahr als Landmaschinen-Mechatroniker und bewirtschaftet auf Gut Hebscheid eine eigene Parzelle für Biolandbau. Amadou stammt aus Guinea und hat Anfang August eine Ausbildung als Metallbauer begonnen. Sami aus Eritrea ist seit dem Frühjahr dabei.

Dank der gemeinsamen Arbeit auf den Feldern und der damit verbundenen deutschsprachigen Kommunikation kann er schon richtig gut deutsch reden. Der Syrer Dilgash ist seit neun Monaten in Deutschland und arbeitet, auch wegen seiner guten Deutschkenntnissen, ehrenamtlich im Servicebereich bei der benachbarten VIA Integration. Seydou ist in ein Langzeitpraktikum im Gemüsebau der VIA Integration eingestiegen. „Die Flüchtlinge sind für uns eine sehr große Bereicherung. Mit ihnen haben wir unseren Integrationsauftrag erweitern können“, urteilt Maria Poquett von der VIA Integration.

Warum die Arbeit mit dem Flüchtlingsacker so wichtig ist? „Die oft traumatisierten jungen Menschen zeigen vielfach große Energien und wollen sich in unsere Gesellschaft integrieren. Bei der gemeinsamen Arbeit in der Natur kommen wir ins Gespräch und Probleme können ganz nebenbei besprochen werden“, erzählt Paul.

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