Flüchtlinge verlassen Körner-Kaserne: Abschied mit viel Wehmut

Von: Kathrin Albrecht
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Abschied mit Tanz: Ehrenamtler organisierten in Forst spontan ein Fest für jene Flüchtlinge, die am Freitag Aachen verlassen mussten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es sollte noch einmal ein richtig schönes Fest für alle werden: Seit Anfang September hatten 250 ehrenamtliche Helfer die rund 200 Flüchtlinge in der Körner-Kaserne unterstützt. Jetzt wurden die Bewohner der Kaserne wie berichtet zur Registrierung nach Bergheim gefahren.

„Nach acht Wochen des Zusammenlebens auf engstem Raum mit intensivsten Kontakten können wir nicht einfach so auseinandergehen“, sagte Richard Schmitt. Der 63-Jährige frühpensionierte Bundeswehroffizier hatte die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer in der ehemaligen Kaserne, die das Land als Erstaufnahmelager für Flüchtlinge eingerichtet hat, koordiniert.

Vergangenen Mittwoch informierte Heinrich Emonts, Leiter des Sozialamtes, die Bewohner der Kaserne bei einer Versammlung darüber, wie es für sie weitergeht: Für sie ging es am Freitag zunächst nach Bergheim-Niederaussem. Dort hat das Land eine neue zentrale Registrierungsstelle eingerichtet. Dort wird auch festgelegt, wer in NRW bleibt und wer nicht. Jene die bleiben, sollten im Anschluss nach Aachen zurückkommen, jedoch nur solange, bis ihnen endgültig eine Kommune zugewiesen wird. Dass sie dauerhaft in Aachen bleiben können, ist nach dem derzeitigen Stand der Dinge eher unwahrscheinlich. „Die Bewohner haben die Nachricht gefasst aufgenommen. Eine gewisse Anspannung ist da, viele sind unsicher, wie es weitergeht“, beschriet Schmitt die Stimmung der vergangenen Tage.

Aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, afrikanischen Ländern und Albanien stammen die Bewohner der Kaserne. Die Helfer hatten einiges auf die Beine gestellt, um den Menschen die erste Zeit der Eingewöhnung zu erleichtern: Sie organisierten Sprachkurse und Schwimmunterricht, richteten eine Kleiderkammer ein, halfen bei Einkäufen und Behördengängen. So sind zum Teil Freundschaften zwischen den Helfern und den Bewohnern der Kaserne gewachsen.

Rami Akl hat in den vergangenen Wochen als Übersetzer viel Zeit mit den Bewohnern der Kaserne verbracht. „Ich bin einerseits traurig, aber auch froh, dass es jetzt einen Schritt weitergeht“, sagte er. Viele seien ihm in dieser Zeit ans Herz gewachsen. Einige der Helfer sehen die Verlegung mit Sorge. „Es gibt unter den Bewohnern einige, die intensivere Betreuung benötigen. Wir hatten einen Jungen, der Epileptiker ist. Außerdem hatten wir zwei Bewohner, die taubstumm sind“, erklärte Hilda Schmitt. Als eine junge Frau ihr eine selbstgehäkelte Mütze zum Abschied schenkte, musste auch sie mit den Tränen kämpfen.

Doch an diesem Abend wollten alle noch einmal zusammen essen, tanzen und lachen. Flott und ohne viel Aufhebens hatte Schmitt die Abschiedsfeier organisiert. „Ihr werdet Menschen finden, die euch, wie wir, begleiten und helfen“, sagt er zu den Bewohnern. Die bedankten sich ihrerseits bei ihren deutschen Helfern: „Wir werden diese Unterstützung nie vergessen.“

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