Flüchtlinge strömen zur Taufe ins Bad

Von: Markus Plüm
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Aachen/Berlin. Massentaufen mit bis zu 100 Asylbewerbern – seit Jahresbeginn häufen sich derartige Berichte. Besonders in Hamburg werden von iranisch-christlichen Gemeinden ganze Schwimmbäder dafür angemietet.

Und auch der See im Stadtpark musste bereits als Taufbecken herhalten. Fließbandarbeit im Namen Gottes.

Derweil registrieren auch die katholischen und evangelischen Kirchen ein gesteigertes Taufinteresse bei Flüchtlingen. Konkrete Zahlen können beide zwar nicht nennen, der Aufenthaltsstatus eines Taufinteressenten wird nicht erfasst. Eine Umfrage unserer Zeitung bei sämtlichen 27 katholischen Bistümern und 20 evangelischen Landeskirchen hat aber ergeben: Etwa 1200 Asylbewerber, meist aus dem Iran und Afghanistan, haben sich 2016 mit einem Taufbegehren an die Gemeinden gewandt.

Pfarrer Joachim Bundschuh etwa leitet das „Zentrum Ökumene“ der hessischen Landeskirchen in Offenbach. Er kennt die Anliegen der Asylbewerber. „Es sind viele darunter, die schon im Iran im Untergrund als Christen gelebt haben und hier ihren Glauben endlich frei ausleben können. Andere haben einen repressiven Islam erlebt und möchten damit brechen.“ Auch die erlebte Freundlichkeit bei ihrer Aufnahme in Deutschland sei für viele ein ausschlaggebender Punkt, heißt es von Seiten des Bistums Essen.

Doch es gibt auch schwarze Schafe. So mancher Asylbewerber erhofft sich durch die Taufe einen positiven Effekt auf seinen Asylantrag. Diese Fälle seien nach Auskunft der Kirchen zwar in der Minderheit – aber es gibt sie. Daher hat etwa das Bistum Aachen eine Handreichung mit Handlungsempfehlungen herausgegeben. Diese gelten in den meisten katholischen Bistümern als Leitfaden für die Mitarbeiter. Fast gleichlautend sind die Vorgaben der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Jeder Taufinteressent muss in Kursen seine Motive darlegen, die Biografien der Asylbewerber werden beleuchtet. Etwa sollte „der neue Glaube auf dem alten aufbauen“, heißt es im Aachener Papier. Zudem werde darauf hingewiesen, dass eine Taufe nicht automatisch zu einem positiven Asylbescheid führt. Für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellt sie nämlich einen „selbst geschaffenen Nachfluchtgrund“ dar. Der Asylbewerber muss glaubhaft darlegen, dass er bereits vor seiner Flucht Christ sein wollte.

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