Flüchtlinge sind die ersten Campus-Nutzer

Von: Oliver Schmetz
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Neue Bleibe für 1000 Flüchtlinge: Hinter den ehemaligen Schenker-Hallen entsteht am Westbahnhof mit Blick auf den Lousberg eine riesige Notunterkunft des Landes. Dafür werden Leichtbauhallen hochgezogen, die ab Anfang Februar bezugsfertig sein sollen. Foto: Andreas Steindl
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Die Infrastruktur steht: Binnen sechs Wochen hat der BLB Straßen anlegen sowie Wasser- und Stromleitungen verlegen lassen. Foto: Steindl

Aachen. Nach jahrelangem Stillstand wird auf dem Campus West jetzt endlich gebaut – allerdings zunächst einmal zu einem anderen Zweck als ursprünglich vorgesehen. Denn anstelle von Hightech-Firmen werden auf einem Teil des riesigen Areals am Westbahnhof in Kürze bis zu 1000 Flüchtlinge untergebracht.

Die Vorbereitungen für die Errichtung einer riesigen Notunterkunft des Landes laufen bereits seit einigen Wochen auf Hochtouren, für den Baubeginn hat man bei der Bezirksregierung Köln bereits einen festen Termin ins Auge gefasst: „Am 4. Januar geht es los“, kündigt Freia Johannsen, Sprecherin der Bezirksregierung, an. Und dann werden die Arbeiter Gas geben müssen. Denn schon Anfang Februar sollen die ersten Flüchtlinge das neue Quartier auf dem ehemaligen Schenker-Gelände an der Süsterfeldstraße beziehen.

Bereits in den vergangenen Wochen wurde auf dem 20.000 Quadratmeter großen Areal aufs Tempo gedrückt. Binnen sechs Wochen hat die Aachener Niederlassung des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW (BLB) den Boden bereitet für das aus der Not geborene erste Campus-West-Bauprojekt. 1200 Meter Kabel und 600 Meter Rohrleitungen wurden verlegt, 11.000 Kubikmeter Erde wurden bewegt. Mittlerweile ist die Infrastruktur fast fertig: Straßen sind geteert – die Erschließung erfolgt von der Kühlwetterstraße aus –, Wasser- und Stromleitungen liegen, die Außenbeleuchtung ist installiert. Noch in dieser Woche soll das 200 Meter lange Gelände an die Bezirksregierung übergeben werden, teilt der BLB mit.

Ab Januar entsteht dort so etwas wie eine kleine Stadt. Die Bauarbeiter werden dann vier Leichtbauhallen hochziehen, in denen je 250 Menschen leben sollen. Vorgesehen sind dabei getrennte Wohnbereiche für alleinreisende Männer, alleinreisende Frauen und Familien mit Kindern. In weiteren Leichtbauhallen werden Sanitätsbereiche, Speiseräume und Sozialbereiche eingerichtet. Für Letzteres – also auch für Spiel und Freizeitangebote – soll die angrenzende sogenannte Bahlsenhalle einbezogen werden.

Weitere Bestandsgebäude auf dem Gelände wie zum Beispiel die ehemaligen Schenker-Immobilien bleiben dagegen ungenutzt. „Diese baulich und brandschutztechnisch herzurichten, wäre zu teuer und in der kurzen Zeit nicht zu schaffen gewesen“, sagt Bernd Klass, Sprecher des BLB in Aachen. Bei der Bezirksregierung denkt man derweil schon über den nächsten Schritt nach. Geplant ist, die Leichtbauhallen mittelfristig durch stabilere Lösungen zu ersetzen. Doch sei da noch keine Entscheidung gefallen, sagt Johannsen: „Der Markt entwickelt sich im Moment rasant, es gibt ständig neue Angebote.“

Da sich auch die Flüchtlingsströme zuletzt rasant entwickelt haben, kann noch niemand abschätzen, wann die neue Notunterkunft ausgebucht sein wird. „Ziel ist es auf jeden Fall, sie nicht sofort komplett zu belegen, damit sich das Betreuungsteam einspielen kann“, sagt die Sprecherin.

Für den reibungslosen Betrieb soll laut Bezirksregierung das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sorgen, das in der Städteregion für etliche Flüchtlingsunterkünfte zuständig ist. Das DRK werde für die komplette Betreuung inklusive Catering und Sicherheitspersonal verantwortlich sein, sagt Johannsen. Dabei sei vorgesehen, dass ständig mindestens acht Securitykräfte vor Ort im Einsatz seien.

Unterdessen bekräftigt der BLB, dass die ersten Nutzer der Campus-Flächen nicht die letzten sein sollen. Ganz abgesehen davon, dass die nun genutzten 20.000 Quadratmeter nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtfläche von 320.000 Quadratmetern ausmachen, sagt Bernd Klass: „Die Entwicklung des Campus West ist von der Flüchtlingsunterkunft nicht betroffen und wird parallel weiter betrieben.“ Damit auf die Flüchtlinge irgendwann einmal Hightech-Firmen folgen.

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