Flüchtlinge: Neuer „Notfallplan“ der Stadt

Von: Oliver Schmetz
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Flüchtlinge
Die jüngsten Prognosen gehen davon aus, dass die Stadt in den kommenden Monaten weiterhin eine stark steigende Zahl von Flüchtlingen aufnehmen muss. Foto: dpa

Aachen. Zurzeit werden in Aachen sogar leerstehende Ladenlokale daraufhin überprüft, ob sie sich als Flüchtlingsunterkünfte eignen. Nicht mehr genutzte Schultrakte nimmt man aus dem gleichen Grund ebenso unter die Lupe wie 26 leere städtische Flächen.

Schließlich könnte man dort – wie es aktuell auf einem Privatgrundstück an der Karl-Marx-Allee geschieht – eventuell Containerwohnungen bauen. Nicht-städtische Initiativen wie die des Jugendzentrums Maria im Tann, das unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Aachener Familien vermitteln will, sind da willkommen – wenn es auch nur ein kleiner Beitrag zum großen Kraftakt ist, den die Verwaltung zu bewältigen hat.

Denn die jüngsten Prognosen gehen davon aus, dass die Stadt in den kommenden Monaten weiterhin eine stark steigende Zahl von Flüchtlingen aufnehmen muss. Bis zum kommenden Frühjahr rechnet man mit über 500 weiteren Menschen, die in Aachen Zuflucht suchen werden. Das Problem: Mit dem Anmieten von Wohnungen wird man bis Jahresende höchstens 100 zusätzliche Plätze schaffen können.

Deshalb werden nun auch unorthodoxe Lösungen gesucht und notgedrungen auch ambitionierte Standards vorübergehend über Bord geworfen. „Es müssen auch suboptimale Optionen geprüft werden“, heißt es in einer Vorlage der Verwaltung für den Sozialausschuss, dem am Donnerstag in einer Sondersitzung (17 Uhr, Ratssaal) ein Überblick über die prekäre Lage gegeben wird. Deshalb könne bei der Suche nach Interimslösungen „nicht prioritär auf Belange wie Quartiersentwicklung, Stadtplanung, soziales Umfeld und Ähnliches Rücksicht genommen werden“, heißt es in dem Papier weiter.

Heinrich Emonts, der Leiter des städtischen Fachbereichs Soziales, spricht unumwunden von einem „Notfallplan“, der nun schnell umgesetzt werden müsse: „Anders geht es nicht, wir haben noch nicht alles ausgeschöpft.“ Dass man eigentlich Flüchtlinge über die ganze Stadt verteilen will, dass man auch nicht mehr als 50 von ihnen an einem Ort unterbringen will: Solche Standards könnten nun notgedrungen nicht mehr maßgeblich sein, sagt Emonts.

So werden vermutlich demnächst bis zu 80 Flüchtlinge in einem leeren Trakt der Schule in der Franzstraße unterkommen, auch wenn dort die Bedingungen nicht ideal sind – getreu dem Motto: Lieber solch ein Dach über dem Kopf als gar keines. Ähnliches ist auch in der Schule am Kronenberg vorgesehen.

Präsentiert wird der Politik in der Sondersitzung auch, wie die Stadt durch Neubauten, Anmietungen und Ankäufe bis Ende 2015 auf insgesamt 1000 Plätze für Flüchtlinge kommen will. Damit wäre man dann, so heißt es in der Vorlage, auch für Krisen gewappnet. Doch der schöne Plan ist von der Realität überholt, die Krise bereits da. „Wir haben mit 40 Flüchtlingen pro Quartal gerechnet, jetzt sind es rund 300“, sagt Emonts. „Das sprengt jeden Rahmen.“ Bei der Stadt suche man nun auch verstärkt den Dialog zu den Kirchen und Wohlfahrtsverbänden, um die Situation gemeinsam zu lindern. Initiiert werden soll ein Runder Tisch zum Thema Flüchtlinge, bei dem es „nicht nur um die Unterbringung, sondern auch um die Betreuung der Menschen gehen wird“, so Emonts.

Weitere Turnhallen sollen zunächst nicht zu Flüchtlingsunterkünften umgewidmet werden. Dies sei das allerletzte Mittel, das man möglichst vermeiden müsse, heißt es in der Vorlage. Die Turnhalle Barbarastraße, die als einzige dafür vorgesehen ist, steht zurzeit noch leer, sagt Emonts. Aber das kann sich schnell ändern. „Wenn morgen 20 Flüchtlinge auf einmal kommen“, weiß der Sozialamtsleiter, „dann müssen wir sie dort unterbringen.“

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