Flüchtlinge in Walheim treten in Hungerstreik

Von: Oliver Schmetz
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Pressetermin im Nieselregen: Dolmetscher Ayham Jarrousse (Mitte, vorne) übersetzt AZ-Redakteur Oliver Schmetz vor der Notunterkunft in Walheim die Sorgen der Flüchtlinge, die dort aus Protest kurzzeitig in Hungerstreik treten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der massige Mann in der Security-Jacke versperrt den Besuchern sofort den Weg ins Innere der Flüchtlingsunterkunft. Keinen Schritt weiter, signalisiert sein Blick, daran ändert auch ein freundlicher Gruß nichts. Und auf den Wunsch, mit einem dort tätigen Dolmetscher und Bewohnern sprechen zu wollen, antwortet er schlicht und barsch: „Nein!“

So sieht Willkommenskultur an diesem Mittwochmittag vor der ehemaligen Förderschule in Walheim aus, die seit gut fünf Wochen als Flüchtlingsnotunterkunft des Landes dient. Da aber selbst Sicherheitsleute nicht bestimmen können, mit wem Flüchtlinge reden dürfen und mit wem nicht, kommen diese hinaus in den Nieselregen – etwa 15 bis 20 Männer jeden Alters, überwiegend aus Syrien und dem Irak. Schließlich haben sie über ihren Dolmetscher Ayham Jarrousse, der ehrenamtlich in der Einrichtung arbeitet, selber den Kontakt zur AZ gesucht – weil sie öffentlich machen wollen, dass sie seit dem Morgen aus Protest in Hungerstreik getreten sind.

Dabei beschweren sie sich nicht etwa über die Unterkunft oder das Essen, betonen sie sofort. „Das ist alles sehr gut, vielen Dank an das Rote Kreuz“, übersetzt Jarrousse. Nein, an ihnen nage vielmehr eine große Ungewissheit, weil sie überhaupt nicht wüssten, was nun weiter mit ihnen passiere. Viele von ihnen – in der Einrichtung gibt es laut Stadt 120 Plätze für Flüchtlinge – seien seit dem 9. September in Walheim, also seit fünf Wochen.

Und immer noch seien sie nicht richtig registriert worden, hätten mithin auch noch keinen Asylantrag stellen können, was andernorts, wie sie von Freunden und Verwandten gehört hätten, wesentlich schneller gehe. Auch den Leiter der Walheimer Notunterkunft, die vom DRK betreut wird, habe man vorige Woche darauf angesprochen – aber ohne Erfolg. „Wir wollen wissen, wie es weitergeht“, übersetzt Jarrousse ihren zentralen Wunsch. So lange kein Verantwortlicher zu ihnen komme, würden sie nichts essen.

Nachdem die AZ nachgefragt hat, geht es an diesem Mittwoch aber doch schnell. „Es gibt keinen Hungerstreik, das ist eine Ente“, versucht zwar das städtische Presseamt ausgerechnet dem Journalisten weiszumachen, der zuvor selber mit den Flüchtlingen gesprochen hat. Doch dann bewegt sich doch etwas, und die Flüchtlinge beenden ihren Kurzstreik. Gisela Bosle, Leiterin der Sozialen Dienste beim DRK Aachen, erklärt auf Anfrage, noch am gleichen Tag selber vor Ort mit den Flüchtlingen sprechen zu wollen.

Die wochenlange Hängepartie erklärt sie mit der Überlastung der Behörden und auch der Krankenhäuser. Denn bevor man bei der Bezirksregierung Registrierungsteams anfordern könne, müssten die Flüchtlinge auch eine Röntgenuntersuchung absolvieren. „Anfangs ging das zügiger, jetzt fehlt es mehr und mehr an Kapazitäten.“

Dass sieht Heinrich Emonts, Leiter des städtischen Sozialamts, ähnlich. „Das dauert seine Zeit“, sagt er und äußert Verständnis für den Informationsbedarf der Flüchtlinge. „Die Leute haben ja auch das Problem, dass sie gar keinen Rechtsstatus haben.“ Emonts will in der nächsten Woche ebenfalls vor Ort mit den Flüchtlingen sprechen. Ihm wird man den Weg dann sicher nicht versperren.

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