Aachen - Flüchtlinge in Aachen und der Region: Aus polizeilicher Sicht

Flüchtlinge in Aachen und der Region: Aus polizeilicher Sicht

Von: Oliver Schmetz
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Kein Sicherheitsdefizit: Neben privaten Sicherheitsdiensten – wie hier in der Aachener Franzstraße – zeigt auch die Aachener Polizei im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften Präsenz. Foto: Michael Jaspers
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Will zeigen, dass die Polizei hier anders agiert als in vielen Herkunftsländern: Polizeipräsident Dirk Weinspach Foto: Schmetz

Aachen. Als am vorigen Wochenende der Fahrer mit einem Bus voller übermüdeter Flüchtlinge mitten in der Nacht vor der Schule in der Michaelsbergstraße ankam und dort niemand war, war guter Rat teuer. Der Mann tat dann das, was man in solch verzweifelten Situationen nun einmal tut, und wählte die „110“.

Und die Aachener Polizei kam als Freund und Helfer und löste die Notlage zusammen mit Feuerwehr und Vertretern der Stadt auf.

Diese Nacht, in der insgesamt 200 Flüchtlinge völlig unangekündigt in Aachen ankamen, ist ein Beispiel dafür, wie auch die Aachener Polizei in der aktuellen Flüchtlingskrise gefordert ist – und beileibe nicht das einzige. „Wir sind in mehrfacher Hinsicht betroffen“, sagt Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach. Und man trage seinen Teil dazu bei, diese „ungeheure humanitäre Aufgabe im gesamtgesellschaftlichen Schulterschluss“ zu lösen.

Für die Polizei liegt dieser Beitrag zunächst einmal in der Bewältigung ihrer originären Aufgaben. Sie hat einerseits – falls erforderlich – den Schutz der Flüchtlinge sicherzustellen und muss andererseits Störungen, die von den Flüchtlingsheimen ausgehen, unterbinden.

Bedenkt man, dass in der gesamten Städteregion, für die die Aachener Polizeibehörde zuständig ist, aktuell neun Notunterkünfte für je 150 bis 200 Menschen eingerichtet sind und 2200 zugewiesene Flüchtlinge – davon alleine die Hälfte in der Stadt Aachen – an 95 weiteren Orten untergebracht sind, ist das eine Herkulesaufgabe.

„Wir kennen die Einrichtungen und betreiben Aufklärung, aber wir können nicht permanent an jedem Ort präsent sein“, sagt der Leiter der Polizeidirektion Einsatz, Helmut Lennartz. Gleichwohl seien die Streifendienste eingebunden und – noch wichtiger – die Kontaktbeamten in den Bezirken präsent.

Das funktioniere bislang gut, berichtet Lennartz, und sei vor allem dort wichtig, wo Flüchtlinge in Turnhallen untergebracht werden, während nebenan der normale Schulbetrieb läuft – wie in Aachen beispielsweise in der Michaelsbergstraße oder der Barbarastraße. „Da ist es ganz wichtig, engen Kontakt zu halten, und bisher halten sich dort die Probleme in engen Grenzen.“

Das gilt in Sachen Sicherheit im Zusammenhang mit Flüchtlingen laut Polizei für die gesamte Städteregion. „Nicht ansatzweise“ habe es eine Häufung von Delikten zum Nachteil von Flüchtlingen gegeben, sagt Lennartz. Und gleiches gelte auch umgekehrt. Alles sei „völlig normal“. Und insbesondere den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, von denen in Aachen rund 500 leben, seien weniger Straftaten zuzurechnen als ihren Altersgenossen ohne Migrationshintergrund. „Die sind im Grunde rechtstreuer“, sagt Polizeipräsident Weinspach und stellt generell fest: „Flüchtlingsunterkünfte stellen hier keine Kriminalitätsschwerpunkte dar.“

Rechtsradikale Drohungen oder gar Taten gegen Flüchtlingsheime gab es keine, ausrücken mussten Aachener Beamte in einer solchen Angelegenheit aber dennoch einmal – als Dortmund um Unterstützung bat, weil dort Rechtsradikale gegen ankommende Flüchtlinge protestierten. „Wir werden alles tun, um so etwas hier schon in den Anfängen zu verhindern“, verspricht der Polizeipräsident.

Außerdem unternehme die Polizei vieles, um die Integration von Flüchtlingen zu erleichtern, betont Weinspach. In Kooperation mit der VHS biete man Integrationskurse an, aktuell habe man Fahrräder gesammelt und von der „Wabe“ fahrtüchtig machen lassen, um sie nächste Woche in Aachen, Stolberg und Simmerath an Flüchtlinge zu übergeben. Ferner habe man mit einem Benefizkonzert in Stolberg über 4000 Euro für minderjährige Flüchtlinge gesammelt und werde auch zum Adventskonzert Flüchtlinge einladen.

Nicht zuletzt biete man auch über den Polizei-Sportverein Sportkurse für Flüchtlinge an. All dies sei geeignet, dem „Lagerkoller“ vorzubeugen und stelle „gelebte Integration“ dar, so Weinspach. „Und vielleicht können wir damit auch zeigen, dass Polizei hier eine andere Rolle spielt als in machen Herkunftsländern.“ Zum Beispiel als Freund und Helfer wie in der Nacht, in der der Busfahrer in seiner Not die „110“ wählte.

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