Flüchtlinge bewirtschaften eigenen Acker

Von: Katrin Fuhrmann
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Es wird fleißig gearbeitet: Die Flüchtlinge bewirtschaften ihren 400 Quadratmeter großen Acker selbst. Manfred Paul, Initiator des Projekts (2.v.l) unterstützt seine Schützlinge. Foto: Andreas Steindl
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Freuen sich auf das Spiel am Sonntag: Alemannia-Spieler Niko Opper überreichte den Flüchtlingen, Manfred Paul (2.v.l) und Hans-Joachim Geupel, Vorsitzender der Bürgerstiftung Lebenraum (3.v.r) die Tickets. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Amadou nimmt die Schaufel in die Hand und beginnt, den Boden zu pflügen. Langsam säht er kleinere und größere Samen. Dann greift er zur Gießkanne und bewässert die umgepflügte Fläche. Amadou ist 19 Jahre alt und vor zwei Jahren aus Guinea nach Aachen gekommen.

 Er und rund 15 weitere Flüchtlinge bewirtschaften einen 400 Quadratmeter großen Acker am Gut Hebscheid. Gemüse, verschiedene Kräuter und Obst, gehören mittlerweile zum festen Bestandteil des Feldes.

Mit dem Wohnort identifizieren

„Wenn sich die Flüchtlinge mit ihrem Wohnort identifizieren und hier Wurzel schlagen, klappt auch die Integration“, betont Manfred Paul, der das Gartenprojekt vor geraumer Zeit ins Leben gerufen hat. Dass die Flüchtlinge hier Wurzeln schlagen wollen, das zeigt das Projekt in vielerlei Hinsicht. So wie die Pflanzen wachsen, gedeihen und Früchte tragen, wachsen auch die Perspektiven der jungen Flüchtlinge.

Mit der Zeit fassen sie in Aachen Fuß. Sie fangen an, sich für die Sprache, die Kultur und das ganze „Drumherum“ in der Stadt zu interessieren. „Die jungen Flüchtlinge wollen lernen und sich integrieren. Man muss ihnen nur helfen“, sagt Paul. An Kreativität und Tatendrang fehlt es den jungen Flüchtlingen jedenfalls nicht. Ihren Acker haben sie „Flüchtlingsacker“ getauft. Ist das Gemüse erst einmal gereift, wird es geerntet und verzehrt – nicht nur von den Flüchtlingen. Als Dank für die Unterstützung erhalten die Begleiter und Berater der Flüchtlinge regelmäßig die frische Rohkost.

Jetzt durften sich die jungen Flüchtlinge dann über eine besondere Überraschung freuen: Zum Saisonabschlussspiel von Alemannia Aachen am kommenden Sonntag gegen den SC Verl hat der Verein 50 unbegleitete Flüchtlinge und Begleiter eingeladen. „Die Flüchtlinge sollen sich hier heimisch fühlen und ein Gefühl dafür bekommen, was es bedeutet, ein echter Aachener zu sein“, sagt Hans-Joachim Geupel, Vorsitzender der Bürgerstiftung Lebensraum. Er hat den Kontakt zur Alemannia hergestellt. Zudem übernimmt die Bürgerstiftung am Sonntag die Bewirtung der Flüchtlinge auf dem Tivoli. „Wir sind froh, dass die Alemannia diesen besonderen Tag ermöglicht hat“, sagt Geupel. Der Tivoli sei einer der emotionalsten Orte in Aachen.

Einer der unbegleiteten Flüchtlingen, die am Sonntag das Spiel der Alemannia besuchen, ist Tarina. Vor zwei Jahren kam er aus Mali nach Aachen. Zur Zeit arbeitet er, genauso wie Amadou, mit viel Leidenschaft und Kraft auf dem „Flüchtlingsacker“. Sein anderes Steckenpferd ist aber der Fußball – sein Herz schlägt für Real Madrid. „Ich mag aber auch die Alemannia. Ich war sogar schon einmal im Stadion“, sagt er. Für das Saisonabschlussspiel tippt er auf einen 3:1-Heimsieg.

Neben den Flüchtlingen des Gartenprojekts, besuchen auch Flüchtlinge, die zur Zeit in den Aachener Hotels untergebracht sind, das Spiel am Sonntag. „Ihnen fehlt das Miteinander und das Zugehörigkeitsgefühl“, sagt Geupel. Der Besuch des Fußballspiels in einer so großen Gruppe sei ein guter, erster Schritt, das zu ändern.

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