Flüchtlinge beim CHIO: Sie haben die Soers im Sucher

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
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Mit Kameras von der VHS ausgestattet sind am Mittwochnachmittag die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in der Soers unterwegs. Nina Krüsmann und Andreas Schmitter (Mitte) leiten den Kurs. Foto: H. Krömer

Aachen. Da stehen sie, ein Bändel mit Zugangsberechtigung zum CHIO-Gelände um den Hals, jeweils eine VHS-Kamera in der Hand und mit neugierigen, suchenden Blicken. Die Aachener Volkshochschule bietet derzeit einen Ferienkurs für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an.

Neben Deutschunterricht und sportlichen Angeboten gibt es auch einen Fotokurs, bei dem die Jugendlichen die Stadt durch den Sucher erkunden können. In diesem Jahr hatten die Teilnehmer erstmals die Gelegenheit, auf dem CHIO-Gelände auf Motivsuche zu gehen.

„Das Fotografieren macht wirklich Spaß, und schwierig ist es eigentlich nicht“, sagt der 15-jährige Osamah Khanawadl aus dem Irak. Er habe sich schon vorher für Fotografie interessiert, aber immer nur Bilder mit dem Handy machen können. Da sind die Digitalkameras, die die VHS zur Verfügung stellt, schon etwas anderes.

Baustein zur Integration

Für ausreichend Orientierung, sowohl in der Stadt als auch beim Umgang mit der Kamera, sorgen Nina Krüsmann und Andreas Schmitter, die den Fotokurs innerhalb des vom Bund finanzierten VHS-Projekts leiten. „Wir machen das jetzt im fünften Jahr“, erzählt Andreas Schmitter voller Begeisterung. Natürlich könne ein dreiwöchiger Nachmittagskurs keine Fotografenausbildung ersetzen, räumt er ein.

„Doch die Teilnehmer sind nach drei Wochen deutlich bessere Fotografen als zu Beginn“, sagt er. Viel wichtiger als die Fertigkeiten im Fotografieren sei jedoch die Tatsache, dass der Kurs ein wichtiger Baustein in Sachen Integration sei. „Die Teilnehmer lernen, sich in der Stadt zu bewegen. Sie lernen die Stadt ganz anders kennen, sie lernen Leute kennen und fühlen sich wie zu Hause.“

Absolut unkompliziert sei es gewesen, in Absprache mit dem Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) eine Zugangsberechtigung für ein paar Stunden zu organisieren, sagt Nina Krüsmann. „Überhaupt ist die Stadt für unser Projekt sehr offen“, erzählt sie. So wird die Gruppe am Donnerstag im Rathaus unterwegs sein. „Auch der Oberbürgermeister wird ein paar Minuten Zeit für uns haben – und das ist für die Jugendlichen schon etwas ganz Besonderes.“

Auch die Arbeit als Gruppe sei für die Teilnehmer, die in diesem Jahr aus Eritrea, Afghanistan, dem Irak und Syrien stammen, eine gute Erfahrung. „Sie müssen sich gegenseitig unterstützen, werden während des Kurses immer sicherer im Umgang mit der Kamera und entwickeln auch eigene Ideen.“ Am Ende sollen die schönsten Bilder jedes Teilnehmers aufbereitet, ausgedruckt und in einer kleinen Ausstellung gezeigt werden.

Doch bis dahin wollen Osamah und seine Mitstreiter noch fleißig fotografieren üben: zum Beispiel auf dem CHIO.

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