Flöhe, Besucher und Spaß massenhaft

Von: Valerie Barsig
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Kleine Preise, großer Spaß: Auf dem Historischen Jahrmarkt kosteten „Hau den Lukas“ und „Wellenreiter“ nur zwei Euro pro Person, eine Familiengondel fürs Riesenrad gab‘s schon für fünf Euro. Foto: Andreas Steindl
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Dicht gedrängt: In den Gassen rund um die Abtei waren massenhaft Menschen unterwegs – vor allem entlang der Flohmarkt-Stände.
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Ganz nah dran: Der „verrückte Roderich von Rabensteyn“ zog viele Kinder in seinen Bann – manche Scherze haben sich über Jahrhunderte bewährt.

Aachen. Robert Birk ist ein wasch-echter Bayer: „Und zwar so richtig“, wie er sagt. Bereits zum zweiten Mal steht er auf dem Historischen Jahrmarkt in Kornelimünster. Proppenvoll sind die Gassen im idyllischen Örtchen auch am letzten Tag des Marktes. Historische Fahrgeschäfte, kostümierte Schausteller, klassische Fressbuden, riesiger Flohmarkt. Am Sonntag spielt das Wetter mit.

Birk reist mit ungezählten Mitarbeitern im Gepäck: Diese wohnen in der Dose. Birk ist Dompteur, und zwar eines Flohzirkus‘. Seine kleinen Artisten sind Fußballspieler, Ballerinas, Karussellzieher. „32 Gramm zieht so ein Floh“, erklärt der Mann in der roten Uniform. Die Damen und Herren aus der Insektenwelt hat er mit Draht gebändigt – das sei etwa so wie beim Garneinfädeln, wenn man einen Knopf annähe, sagt Birk.

„Den Flöhen kann nichts passieren, da sie ja einen Chitinpanzer haben“, beruhigt er. Man kann die stabilen Winzlinge also nicht zwischen zwei Fingern zerdrücken. Ist das klitzekleine Drahtgeschirr angelegt, begeistert sein Flohzirkus besonders die Kleinen. Nur wenn Hunde mit in den Zirkusraum sollen, wird der Kassenwart stutzig: „Ist der Hund mit Flohpulver behandelt worden?“, fragt er und verweigert andernfalls den Einlass. Nach den Vorstellungen ist Fütterungszeit. „Die Flöhe setze ich mir auf den Arm“, erklärt Birk. Und lächelt. Dann gebe es Blut – schließlich sei er als Dompteur auf zufriedene Angestellte angewiesen.

Weniger glücklich scheint die Parkplatzsituation rund um Kornelimünster: Es ist ordentlich voll auf den ausgewiesenen Wiesen – manch einer muss eine ganze Weile kurven und suchen. Drei Euro kostet das Parken. Brigitte Ganser steht an einer Zauneinfahrt und kassiert. Sie hat eine Wiese von der Stadt gepachtet. „Und die setzt auch den Preis fest“, erklärt sie. Ein Teil der Einnahmen müsse dann an die Stadt abgeführt werden. Was irgendwie auch an historische Kassenführung erinnert. Parktickets, Quittungen etc. gibt es hier nicht. Ganser berichtet, sie habe die Stadt Aachen gebeten, ihr Parkscheine zur Verfügung zu stellen – angeblich ohne Erfolg. Der zuständige Sachbearbeiter sei im Urlaub gewesen, behauptet sie...

An Urlaub erinnert auch Gaukler Gilbert. Er pflegt seinen französischen Akzent, lebt in seiner Wahlheimat Paris – wenn er nicht gerade umherzieht mit seinem (imaginären) Floh „Fifin“ – der für die umherstehenden Kinder gerne einen Salto Mortale von einem Podest auf Papas Kopf macht. Bereits seit 44 Jahren ist Gilbert als Gaukler unterwegs. Pantomime, Zauberer und Clown – all das gehört zu seinem Repertoire. „An meinem Beruf liebe ich die Freiheit, das Reisen und die anderen Länder“, schwärmt er.

Spezielle Notfallpläne

Apropos Freiheit: In Deutschland wird diese bei Großveranstaltungen seit der Duisburger Love-Parade-Katastrophe erheblich durch behördliche Sicherheitsregeln und -bestimmungen eingeschränkt. Auch in Kornelimünster gibt es einen Plan, nämlich für den Brandschutz. Speziell für den Jahrmarkt habe man einen Einsatzplan entwickelt, wie Wolfgang Steffens, Lagedienstführer von der Berufsfeuerwehr Aachen, berichtet. Wie die Rettungskräfte im Notfall an der Klauser Straße oder am Abteigarten bei nur zwei bis drei Metern Wegbreite durch den dicht gedrängten Besucherstau anrücken können, bleibt an diesen Tagen zum Glück reine Theorie. Bei der Feuerwehr vor Ort heißt es, „man schaffe dann schon Platz“. Zehntausende bevölkern Jahr für Jahr die historische Kulisse, in der rund 200 Aussteller auf Kundschaft warten.

Deutlich mehr Platz als die Gässchen bietet der Korneliusmarkt. Da stehen die mehr als hundert Jahre alten Fahrgeschäfte – wie das Kettenkarussell, „Evas Fahrt ins Paradies“ (der „Wellenreiter“) und das betagte Riesenrad. Im Kassenhäuschen sitzt Maria Varfi, ihrem Mann gehört das alte Schätzchen. Bereits in der sechsten Generation betreibt er das Rad von 1902 und dirigiert die Gondelbesetzung des furiosen Fahrgeschäfts. Es ist zwar nicht so hoch, klappert dafür aber abenteuerlich. Zahnräder klackern, das Gestänge knarzt, Gondeln wippen – und die Aussicht ist famos.

„Jeden Tag kontrollieren wir die Schrauben“, beruhigt Varfi. „Man muss dafür geboren sein. Gerade auf dieses Riesenrad muss man gut aufpassen“, erzählt sie. Das Rad sei das älteste transportable Riesenrad in Europa. Pure Nostalgie – und ein absoluter Publikumsmagnet. „Die Besucher sind das Schönste am Rad“, sagt Varfi. „Sie geben einem so viel zurück.“ Sie freut sich schon auf 2014, wenn der Jahrmarkt in Kornelimünster in die nächste Runde geht. Mal sehen, ob Flohdompteur Birk dann mit neuen Artisten anrückt.

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