Flächennutzungsplan: Wirtschaftsverbände formulieren „Aachener Aufruf“

Von: Oliver Schmetz
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Plädieren dafür, dass im neuen Flächennutzungsplan deutlich mehr Flächen für Wohnungsbau und Gewerbe ausgewiesen werden als bisher vorgesehen: BDB-Ehrenvorsitzender Thomas Kempen (rechts) und BDA-Vorsitzender Horst Fischer. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Dass der Vorentwurf für den neuen Flächennutzungsplan (FNP) an vielen Ecken der Stadt auf massiven Widerstand stößt, geht Thomas Kempen gehörig gegen den Strich. „Ich halte diese Aachener Gefühlslage, besser nichts verändern zu wollen, für sehr bedenklich“, kritisiert der Ehrenvorsitzende des Bundes Deutscher Baumeister (BDB) in Aachen, dass sich aktuell diverse Bürgerinitiativen insbesondere gegen die Ausweisung neuer Wohnungsbauflächen wehren.

Dabei braucht Aachen seiner Meinung nach dringend mehr Raum, um dem prognostizierten Sinken der Einwohnerzahlen ab dem Jahr 2020 entgegentreten zu können – und um damit auch Wohlstand und Wirtschaftskraft im Dreiländereck sichern zu können. „Oder ist etwa eine schrumpfende Stadt besser als eine wachsende Stadt“, fragt Kempen eher rhetorisch und gibt die Antwort selber: „Nein, es müssen nicht weniger, sondern mehr Flächen für Wohnungsbau und Gewerbe im Flächennutzungsplan ausgewiesen werden.“

Deshalb hat der BDB jetzt gemeinsam mit fünf weiteren Organisationen die Initiative ergriffen und einen „Aachener Aufruf“ formuliert. Mit dem Papier, das auch der Bund Deutscher Architekten, der Bundesverband der freien Immobilien- und Wohnungsunternehmen, die Initiative Aachen, die Kreishandwerkerschaft und die Bauindustrie in NRW unterzeichnet haben, will man sowohl an die Verwaltung als auch an alle Aachener appellieren, das Wohl der Stadt im Sinne einer vorausschauenden Stadtentwicklung im Blick zu haben. „Wenn in dieser Stadt weiterhin deren existenziell notwendige Entwicklung nach dem Floriansprinzip ausgebremst wird, müssen unsere Kinder und Kindeskinder die Konsequenzen tragen“, warnt der Aufruf. Die Folge seien „sinkende Bevölkerungszahlen, sinkende Mittelzuweisungen des Landes und damit einhergehend sinkende Sozialleistungen“.

Für Horst Fischer, Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten in Aachen, geht es bei der Forderung nach mehr Flächen für Wohnungsbau mitnichten um eine willkürliche „Landnahme“ für Neubauzwecke von Privilegierten, sondern schlicht um „ein Stück Daseinsvorsorge“. Schließlich habe sich der Flächenbedarf pro Person in den vergangenen Jahrzehnten verdreifacht, außerdem benötige die Stadt künftig viel mehr Angebote für seniorengerechtes Wohnen – „und da reicht eine Nachverdichtung vorhandener Baulücken nicht aus“.

Neue Flächen müssten her, fordern die Unterzeichner des Aufrufs, und haben da beispielsweise weitere Areale in Niederforstbach, im Bereich Kornelimünster-West oder auch Richtericher Dell im Sinn. Die 130 Hektar, die der Vorentwurf des neuen FNP als Flächen für Wohnungsbau ausweist, reichten jedenfalls nicht aus – „zumal davon ja 80 Hektar von Bürgerinitiativen angefochten werden“, wie Kempen vorrechnet. Blieben nur noch 50 Hektar, womit 150 fehlten: „Denn wir brauchen mindestens 200 Hektar, damit Wohnen in Aachen möglich, vielfältig und bezahlbar bleibt.“

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