Fixerbestecke und Urin neben dem Wartezimmer

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
matbild
Kein Einzelfall: Klaus Moormann (links) hat ein Fixerbesteck aufgehoben, das er im Flur seiner Apotheke in der Heinrichsallee vorfand. Dr. Wolf-Dieter Müller erwägt, seine Praxis nebenan aufzugeben. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mitunter könnte man den Eindruck haben, Dr. Wolf-Dieter Müller habe sein Wartezimmer auf die Straße vor seiner Praxis an der Heinrichsallee verlegt. Zumal die Menschen, die unter seinem Fenster gleich gegenüber dem Reiterdenkmal hocken, meist alles andere als gesund aussehen.

Jetzt denkt Müller darüber nach, sein „echtes” Wartezimmer nach 23 Jahren möglichst weit aus dem Einzugsbereich des Kaiserplatzes heraus zu verlagern.

„An den unzumutbaren Zuständen rund um die Drogenszene hat sich nicht das Geringste verändert”, schimpft der Mediziner. „Obwohl wir wiederholt Polizei und Ordnungsamt eingeschaltet haben, verrichten immer wieder Abhängige ihre Notdurft im Hausflur und konsumieren Drogen.

Zunehmend blockieren auch massiv alkoholisierte Personen den Eingang, Fußgänger werden belästigt, Patienten bleiben aus.” Kurzum: „Wir können nicht weiter hinnehmen, dass die Verantwortlichen diese Missstände totschweigen.”

Zwar hätten die Ordnungshüter ihre Präsenz einmal mehr verstärkt, seit kürzlich ein 52-Jähriger am Reiterdenkmal niedergestochen worden ist, sagt auch Klaus Moormann, Inhaber der benachbarten Engel-Apotheke. Doch im viel zitierten grünen Bereich sei rund um die Einrichtungen der Suchthilfe allenfalls die Lackierung der Polizeibullis.

Als einschlägiges „Anschauungsmaterial” präsentiert Moormann prompt ein komplettes Fixerbesteck, das er jüngst in seinem Hausflur aufgelesen hat. „Gar nichts”, sagt auch er, „hat sich verbessert, obwohl wir immer wieder hören, dass Bürger und Geschäfte gegen kriminelle Auswüchse geschützt werden sollen.”

Anlass genug für Müller, die Initiative Kaiserplatz mit einem Notruf in eigener Sache einzuschalten. Dass die Stadt dieser Tage per Flugblatt um rege Beteiligung bei der soeben in Auftrag gegebenen Rahmenplanung zur Aufwertung des Bereichs rund um Gasborn und Suermondt-Viertel bittet, kann den Vorsitzenden der Initiative, Volkmar Klein, in der Tat wenig besänftigen: „Inzwischen sind die Hauptzufahrten wie Wilhelmstraße und Adalbertsteinweg in der Dealer-Szene bundesweit bekannt”, klagt Klein.

Daher habe er den OB, das Ordnungsamt und die Ratsfraktionen erneut aufgefordert, kriminellen Umtrieben endlich Einhalt zu gebieten: „Solange zugelassen wird, dass gedealt wird, wird sich nichts ändern.” Gleichwohl bekräftigt Detlev Fröhlke, Leiter des Ordnungsamts: „Wir reagieren auf jede Beschwerde und tun alles, um Auswüchse so gering wie möglich zu halten.”

Und: „Ende Februar werden sich alle an der Ordnungspartnerschaft beteiligten Behörden und Einrichtungen wieder an einen Tisch setzen, um neue Handlungsfelder auszuloten.” Zumal Straßenprostituierte und Dealer zunehmend auch im Rehmviertel beobachtet würden. Fröhlke: „Wir haben einen Antrag an die Bezirksregierung gestellt, auch diesen Bereich zum Sperrbezirk zu erklären.”

Dennoch bleibe das Dilemma, dass eine Zerschlagung der „Szene” unmittelbar Probleme in anderen Vierteln nach sich ziehen werde, argumentiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Heiner Höfken. „Wir nehmen die Klagen sehr ernst und werden sie nächste Woche im Koalitionsausschuss diskutieren”, sagt er - während CDU-Fraktionschef Harald Baal einmal mehr unterstreicht: „Die Polizei muss am Kaiserplatz endlich härter durchgreifen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert