Aachen - Fingerabdrücke einer Toten fürs falsche Erbe?

Fingerabdrücke einer Toten fürs falsche Erbe?

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Im Prozess gegen den Aachener Bestatter Guido F. (47) ging es jetzt um die mutmaßliche Fälschung eines Testamentes. Es handelte sich um jenes Testament, in dem festgelegt war, dass F. die Hälfte des Nachlasses einer alten Dame, Jahrgang 1925, erbte.

Sie vermachte neben Barvermögen unter anderem ein Haus am Adalbertsteinweg. Direkt nach dem Tode der Erblasserin brach ein Rechtsstreit mit den Verwandten aus. Doch das Amtsgericht erteilte einen Erbschein auch für F.. Er bekam das Haus, die Familie das Barvermögen.

Leere Blätter gezielt gestohlen

Jetzt allerdings kam in dem Verfahren vor dem Schöffengericht (Vorsitz Richter Markus Vogt) ans Licht, dass die Fälschung des Testamentes keineswegs eine Einzeltat des wegen 34 Betrugstaten an seinen Klienten und deren Verwandten angeklagten Guido F. war. So schilderte ein 30-jähriger Ex-Mitarbeiter des Angeklagten, wie das Papier, das möglicherweise für das gefälschte Testament verwandt wurde, präpariert worden sein soll. Ein Mitarbeiter und er hätten unbeschriebene Briefbögen aus der Wohnung der Verstorbenen mitgehen lassen, berichtete der Zeuge.

„Was haben Sie damit gemacht?”, wollte der Staatsanwalt wissen. Was dann kam, wäre einer Filmszene in einer klassischen schwarzen Komödie würdig. „Wir haben die Briefbögen durch die Hände der Toten durchgereicht”, murmelte der Helfer. Wie man sich das vorstellen solle, wollte das Gericht wissen. Beide hätten in der Leichenhalle den Sarg geöffnet, erklärte der Mann. Einer habe dann den Arm der Toten hochgehalten. Der andere habe ihr das Blankopapier gegen die Fingerkuppen gepresst, damit „echte” Abdrücke auf den Briefbögen zurückblieben. Das sei nötig, habe „der Kollege” gesagt, weil der Angeklagte F. - und eben jener Kollege, den ebenfalls ein Betrugsverfahren erwartet - am Computer „gebastelt” hätten. Er selbst habe das so verstanden, dass sein Chef und sein Kollege eine Testamentsfälschung per Computer vorbereiteten, konnte sich aber im Zeugenstand an exakte Fakten nicht mehr recht erinnern.

Ihm kam letztlich der Schriftsachverständige Dr. Wolfgang Konrad mit einem Gutachten zu Hilfe. Konrad bewertete das beanstandete Testament mit „größter Wahrscheinlichkeit” als Fälschung, die in alter Sütterlinschrift gestaltete Unterschrift sei mit Sicherheit nicht von der alten Dame selbst verfertigt. Das in Blockbuchstaben verfasste Testament zugunsten des Bestatters sei jedoch keinesfalls durch ein Computerprogramm erstellt worden.
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