Aachen - Finanzamt um rund 230.000 Euro geprellt?

Finanzamt um rund 230.000 Euro geprellt?

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Fall ist bleibe nicht vergleichbar mit dem des Bayern-Urgesteins Uli Hoeneß. Doch auch Kleinvieh macht Mist, sagt sich das Aachener Finanzamt und rechnete am Mittwoch vor dem Schöffengericht einem ehemaligen Aachener Unternehmer (68) in Form einer Anklage vor, dass er zwischen 2005 und 2008 rund 230.000 Euro an Steuern hinterzogen habe.

Anders als beim Bayern-Boss wurde die Steuerschuld bei dem Aachener, der seit den 1970er Jahren das Unternehmen seines Vaters weiterführte, nicht von Stunde zu Stunde größer nach der Anklageverlesung. Der Angeklagte räumte vor dem Vorsitzenden Richter des Schöffengerichts, Hermann-Josef Gehlen, über seinen Anwalt ein, bestimmte Anklagepunkte seien richtig, er räumte jedoch weniger ein, als ihm zur Last gelegt wird.

Danach soll Gerhard P. über Scheinrechnungen und durch nicht angegebene Privatentnahmen aus dem längst verkauften Betrieb regelmäßig ab Mai 2005 Umsatz-, Körperschafts- und Gewerbesteuer „verkürzt“ haben.

Den dicksten Brocken machen mutmaßliche Scheinrechnungen aus, die ein Stolberger Betrieb, der regelmäßig Aufträge für das Aachener Unternehmen ausführte, gestellt haben soll. Rechnungen von in einem Fall 148.000 Euro und in einem weiteren Fall 46.000 Euro stünden überhaupt „keine Leistungen“ gegenüber.

Sie hätten laut Ankläger Robert Bodden nur dazu gedient, unberechtigt die Vorsteuer zu kassieren und Entnahmen zu verschleiern. Zudem seien Gemälde und Wertgegenstände aus dem Betriebsvermögen entnommen worden. Zu seinen persönlichen Verhältnissen befragt, äußerte der Angeklagte, er lebe in der Wohnung seiner Frau und beziehe nur „zwei kleine Renten“.

Irritationen beim Rechnen

Der 1866 gegründete Betrieb sei 1971 von ihm und zwei inzwischen gestorbenen Brüdern übernommen worden. Dann habe er auf Klimatechnik gesetzt, eine zweite Firma wurde gegründet. Bei der Verlesung der Anklage war es bei Zahlenpositionen mit insgesamt elf Tatvorwürfen zu Irritationen gekommen.

Denn die Positionen der nur unzureichend abgeführten Gewerbesteuer erhöhten sich durch die Hebesätze überproportional, was die Anklagebehörde zum Nachrechnen veranlasste.

Richter Gehlen fragte nachdrücklich, ob die Anklage „nachgebessert“ werden müsse – oder eben nicht. Nein, meinten der Vertreter des Finanzamtes wie auch Bodden schließlich, nichts sei zu korrigieren. Der Prozess geht am 26. März weiter.

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