Aachen - Finaler Stress für „Gute Freunde“

Finaler Stress für „Gute Freunde“

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
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Wer behält die Oberhand? Symbolisch haben Christian Berger und Christian Schopp (rechts) schon mal beim Armdrücken das Finale ausgespielt – Ausgang offen. Sie sind sicher: Ihre Freundschaft wird den Ausgang des Finales aushalten.

Aachen. Wenn das mal gut geht. Hätte Franz Beckenbauer 1966 geahnt, welche Konstellation 47 Jahre später offensichtlich die halbe Welt fasziniert, hätte er seinen Schlager „Gute Freunde kann niemand trennen“ wohl umbenannt.

Gute Freunde sind die beiden Burschen in der Tat – Schopp heißt der eine, Vorname Christian und Berger der andere, Vorname Christian. Seit über zehn Jahren sind sie beide ziemlich beste Freunde, schauen sich an jedem Samstag gemeinsam die Fußball-Bundesliga an, spielen gemeinsam beim SV Eilendorf in einer Mannschaft und sind auch sonst „ganz dicke“ wie man so sagt.

Kleiner Schönheitsfehler

Und jetzt das: Samstagmorgen werden die Beiden um 7 Uhr in London Heathrow landen. Ziel: das Wembley-Stadion, Grund: das Finale der Champions League. Natürlich haben die beiden Öcher Karten. Eine fast perfekte Kumpel-Story also. Fast, wäre da nicht ein kleiner Schönheitsfehler: Christian Schopp (28) ist fast von Geburt an glühender Bayern München-Fan und Christian Berger (27) – ja, man ahnt es – mit Haut und Haaren BVB-Anhänger. „Seit Frank Mill für uns die Tore geschossen hat.“

Gute Freunde, die wirklich niemand trennen kann? Im Wembley-Stadion stehen sie jedenfalls Seite an Seite, was eindeutig für den Bayern-Fan das schwerere Los ist. An die Tickets ist nämlich der andere Christian gekommen. Der ist Mitglied bei Borussia Dortmund und hat bei der Verlosung der Tickets einfach mal die Fan-Kappe in den Ring geworfen. 24.000 Karten für 500.000 Interessenten. Aber wer nicht wagt... Rein präventiv hatte der Berger Christian unter seinen Kumpels den ausgelost, der im Fall der Fälle mit auf die Insel fliegen könnte. Und das war dann der Schopp Christian.

Natürlich waren die Beiden auch gemeinsam auf dem Polterabend eines gemeinsamen Kumpels, als beim BVB-Mann die alles auslösende E-Mail aus Dortmund ankam. „Und ich dachte noch, was rennt der denn plötzlich so närrisch in der Gegend rum“, grinst Christian Schopp. Eine Frage, die mit dem Aufschrei „Wir haben Tickets!“, beantwortet wurde. Der Flug war schnell gebucht und als ob es vorbestimmt wäre, erzählte ein weiterer Mannschaftskamerad von seiner Cousine, die in London wohnt – und ausgerechnet am Final-Wochenende ihre Wohnung nicht braucht.

Am Samstag wird das Märchen wahr. „Das Gesamtpaket ist für uns einmalig!“, ist sich das schwarz-gelb-rote Duo einig. Sie wollen den London-Trip genießen. Natürlich haben sie auch den islamistisch-motivierten Mord an dem britischen Soldaten mitbekommen. Aber soll man das Feld räumen? Kommt für die Fußballfans nicht in Frage. Sie werden jede Sekunde genießen, Samstag und Sonntag im Nachklapp.

Und wenn ein Tor für die Bayern fällt? Dann steht Christian Schopp im Stadion und darf nicht jubeln. Weil er natürlich im Dortmunder Block aushalten muss. „Mal sehen, wer so um mich rum steht“, relativiert er das Jubel-Verbot. Sein rotes Trikot darf er nicht anziehen, „aber meine Socken und Wäsche sieht ja keiner“.

Gute Freunde kann niemand trennen. „Da kann nichts passieren“, sagen beide. „Hauptsache, wir gewinnen.“ Auch da sind sie sich einig. Ein logischer Widerspruch, den nur der Fußball möglich macht.

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