Filterhersteller KMS verlässt Aachen: 100 Jobs sind weg

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Umzug in die USA: Die im ehemaligen GL-Gebäude produzierende „Koch Membrane Systems“ macht in Aachen dicht. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Diese Geschichte beginnt mit einem Senkrechtstart. Und sie endet mit fast 100 Arbeitslosen. Dies deshalb, weil die „Koch Membrane Systems“ (KMS) mit Sitz an der Kackertstraße und Produktion in der Krantzstraße Ende November in Aachen dichtmacht. Die Produktion wird in die USA verlagert – dort kommt der Chemie- und Energieriese Koch her.

Überzeugendes Konzept

Es war im November 2001, als drei Ingenieure des RWTH-Instituts für Verfahrenstechnik die „Puron AG“ gründeten. Sie hatten innovative Membranfilter für die Wasseraufbereitung entwickelt. Das Konzept des jungen Unternehmens war derart überzeugend, dass Puron 2003 für den Deutschen Gründerpreis nominiert wurde.

2004 verkauften die Aktionäre ihre Puron-Anteile an KMS. Das US-Unternehmen bekundete, den Standort Aachen auszubauen. Was auch geschah. Die Produktion fand und findet (noch) im ehemaligen Garbe-Lahmeyer-Gebäude an der Krantzstraße statt. Das Gebäude spielt in dieser Geschichte auch eine Rolle. Dazu später.

Elf Jahre später hört das Unternehmen in Aachen auf zu existieren. KMS sprach am Freitag von einer „möglichen“ Schließung, von der laut Unternehmen rund 100 Mitarbeiter betroffen wären.

Weiter heißt es jedoch, dass man „nach einer gründlichen Prüfung der aktuellen und potenziellen künftigen Überlebensfähigkeit des Standorts“ zu dem Schluss gekommen sei, dass „signifikante Investitionen für die Modernisierung und Erweiterung des angemieteten Standorts in Aachen erforderlich“ seien, man diese aber nicht für gerechtfertigt halte im Vergleich zu den „signifikanten Vorteilen“, die eine Konzentration der Firmenaktivitäten in den USA habe.

„Das ist natürlich schlimm“, sagt Betriebsratsvorsitzender Hans-Peter Plum. Die Konzernentscheidung sei jedoch irgendwie auch nachvollziehbar. Auch wegen der hohen Kosten etwa durch die aufwändige Reinigung der Produktionsabwässer.

Aber auch besagtes Gebäude ist ein Problem. Vor einiger Zeit hatte die AZ berichtet, dass der Eigentümer, also der KMS-Vermieter, seine Stromrechnung nicht bezahlte und nur ganz knapp das Kappen der Stromzufuhr für das Gebäude abgewendet werden konnte.

Im Juni schließlich wurde die Zwangsversteigerung terminiert. Der Marktwert des Gebäudes wurde auf 3,6 Millionen Euro festgelegt. Laut Plum zu viel, als dass KMS das Gemäuer selbst hätte ersteigern und dann mit hohem Aufwand herrichten wollen. So habe das Risiko bestanden, dass ein Käufer von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen könnte und die Produktion auf der Straße stünde.

Es kamen also offenbar einige Faktoren zusammen, die das Aus besiegelten. Laut Martina Weber von der IG Metall sei es noch ein Glück, dass 2011 ein Betriebsrat gegründet wurde, sonst gäbe es nicht einmal einen Sozialplan und Interessenausgleich für die Mitarbeiter, von denen einige einst bereits vom Aus der LG.Philips-Bildröhrenfa-brik betroffen gewesen seien. „Wir danken unseren Mitarbeitern für ihr Engagement und ihre harte Arbeit in all den Jahren“, ließ KMS-Chef Mark Farell am Freitag wissen.

Um den Kreis zu schließen: Einer jener Puron-Gründer von 2001 war Klaus Voßenkaul. Er steht kurz davor, mit einem innovativen Nachfolgeprodukt neu durchzustarten, bekundete er am Freitag. Er hat dazu in Roetgen die Membion GmbH gegründet. Die Geschichte könnte also ein gutes Ende in einem Neuanfang nehmen.

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