Filmreife Killergeschichte nach Schießerei

Von: wos
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Aachen. Vier oder drei Schüsse, wie viele waren es? Die Anzahl der aus einer Pistole abgefeuerten Projektile differiert je nach Zeugen, die den Schusswechsel im Kaufhaus Lust for Life Anfang Dezember mitbekommen haben.

Die Tat, die im dortigen Café ihren Anfang nahm, wächst sich womöglich zu einem Killerkrimi aus, wie man ihn sonst an manchen Abenden im TV geboten bekommt.

Ein 25-jähriger Kellner des Cafés berichtete am Dienstag vor dem Aachener Schwurgericht: „Das war wie im Film. Der Schütze sprang auf, riss eine Pistole heraus. Ein älterer Mann, der mit am Tisch saß, versuchte ihn zu stoppen. Dann sprang der Schütze auf, nahm die Pistole und schoss”. Drei Mal habe er das Geballere gehört, er habe davon ein Pfeifen im Ohr gehabt und habe regungslos daneben gestanden, schockiert und unfähig einzugreifen.

Die „Zielperson” habe dem mutmaßlichen Täter Metin Y. (41), der wegen versuchten Totschlags angeklagt ist, seine Tötungsabsicht angesehen. Das berichtete der 40-jährige Albaner am Dienstag im Zeugenstand. Man sehe das „an den Augen”, er wisse das genau, denn er sei schließlich Fachmann, sei nämlich selber eine Zeitlang als Krimineller unterwegs gewesen, meinte er gegenüber dem Vorsitzenden Richter Gerd Nohl.

Er habe sich mit dem Angeklagten in dem Café getroffen, weil es Stress wegen ausstehender Gelder bei einem seiner Freunde gegeben habe. „Der da” - er zeigte auf den Angeklagten - „ist eigentlich ganz in Ordnung. Aber er betreibt ein Kasino und kennt Leute, die eine Nummer zu groß für ihn sind”, bewertete der hastig und großspurig sprechende Zeuge die Lage von Y.

Letzterer hatte angegeben, er habe mit Freunden „einen Verein zur Förderung der Spielkultur” betrieben. Es gab Geldprobleme, und er habe selber große Angst gehabt. Gegen das Opfer habe er sich mit den Schüssen nur wehren wollen. Es macht den Eindruck einer klassischen Milieugeschichte. Alle haben Angst voreinander, sprechen in diesem Zusammenhang aber am ehesten von „Respekt”.

Sprung aus der Schusslinie

„Der hatte den Auftrag, mich zu töten”, versuchte der aufgebrachte Zeuge dem Gericht eine Killerversion anzubieten. Er sei davon überzeugt, dass andere, die ihn aus dem Weg räumen wollten, dahinterstünden. „Das kostet 10.000 oder 15.000 Euro”, nannte er Preise. Doch dann wieder zum Geschehen: Nur weil er sich geistesgegenwärtig aus der Schusslinie gebracht habe, lebe er noch. Beim ersten Schuss sprang er nach links, beim zweiten wie ein Hase nach rechts.

Dann flüchtete er durch eine nahe Türe ins Kaufhaus, riss Taschen um, versuchte die Mefferdatisstraße zu erreichen. Ein weiterer Schuss ging in die Kofferecke des Kaufhauses, er entkam. Der Mann auf der Bank müsse wissen, „dass ich das nicht vergesse. Man schießt nicht so einfach auf mich.” Ob das eine Todesdrohung sein solle, fragte Nohl. Die Antwort blieb aus.

Der Kellner hatte die entscheidenden Sekunden starr miterlebt, wie auf der Leinwand sei es gewesen. „Er hat aber mit gerader Hand auf den Flüchtenden gezielt”, meinte der junge Mann auf mehrfache Nachfrage des Vorsitzenden Richters. Der Prozess geht am Donnerstag weiter.
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