Aachen - Filmprojekt zeigt, wie Integration gelingt

Filmprojekt zeigt, wie Integration gelingt

Von: Johannes Leitner
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Spannende Einblicke: Die Protagonisten der Doku „Gemeinsam einsam“ freuen sich mit den Filmemachern Miriam Pucitta und Michael Chauvistré (hinten rechts) auf die Premiere am Sonntag in der RWTH-Aula. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ibrahim möchte gerne Bäcker werden. Der 19-Jährige lebt seit drei Jahren in Deutschland, ursprünglich stammt er aus Guinea. So wie er kamen in den letzten Monaten und Jahren viele unbegleitete jugendliche Flüchtlinge nach Aachen. Derzeit sind es 510 Minderjährige, die ohne Eltern und Familie hier ankamen, so Jugend- und Kulturdezernentin Susanne Schwier.

Die Filmemacher Michael Chauvistré und Miriam Pucitta präsentieren nun in Kooperation mit der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, dem Internationalen Zeitungsmuseum, dem Kinderheim Maria im Tann, der Nadelfabrik und dem städtischen Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration die Film-Doku „Gemeinsam einsam“. Nach den Projekten „Wie geht Deutschland?“ und „Eine Banane für Mathe“ ist es das dritte Werk in der Filmreihe „Wie kommen wir zusammen?“. Und erneut sind die Protagonisten junge Geflüchtete, die in Aachen eine neue Heimat suchen.

Die Dezernentin ist „ergriffen“

Neben Ibrahim ist da zum Beispiel Tanzid, 21, aus Bangladesch. Er arbeitet als Pfleger in einem Altenheim, hat viel Spaß an seiner Tätigkeit, und die Bewohner und anderen Mitarbeiter schätzen ihn für seinen Fleiß, seine Zuverlässigkeit und nicht zuletzt für seine freundliche und offenherzige Art.

Hekmatullah kam vor fünf Jahren aus Afghanistan nach Deutschland und ist kürzlich 18 geworden. Sein genaues Geburtsdatum wissen weder er noch seine Familie, in seiner Heimat kommt nur einmal jährlich der Standesbeamte ins Dorf, und meist werden die Geburtstage der Säuglinge pauschal auf den 1. Januar gelegt. Doch da sich sein großer Bruder erinnert, dass es bei der Geburt damals warm und sonnig war, setzten sie kurzerhand den 30. September als neuen Geburtstag fest.

Aufgrund seiner Volljährigkeit muss er nun aus dem Heim ausziehen, eine Wohnung hat er schon gefunden. Doch für den anstehenden bürokratischen Aufwand ist er auf weitere Beratung und Unterstützung angewiesen. Die 17-jährige Zarah kam aus Eritrea nach Aachen, ihre Mutter war dort Schwimmlehrerin. Mittlerweile arbeitet sie an den Wochenenden als Übungsleiterin in der Elisabethhalle.

Dezernentin Susanne Schwier war nach dem Anblick eines Filmausschnitts regelrecht „ergriffen“, wie sie erklärte. „Beim ersten Film ging es damals noch um die Basics, mittlerweile steht ihr mitten im Leben und habt die gleichen Wünsche wie andere Jugendliche auch“, sagte sie zu den Akteuren. Sie drückte den jungen Flüchtlingen ihren tiefen Respekt aus und sprach von einem „Zuwanderungsgewinn“.

Stefan Küpper, Leiter des Kinderheims Maria im Tann, erzählte, wie man vor fünf Jahren gemeinsam überlegte, wie man mit jugendlichen Flüchtlingen umgehen könne. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass jeder einzelne individuell behandelt werden müsse. Auch er zeigte sich angesichts der Fortschritte bei der Integration der Filmprotagonisten hocherfreut und betonte, dass „die Jugendlichen mit ihrer Begegnung mit Deutschen einen guten Job machen“ und so auch zu „Botschaftern“ gegen gesellschaftliche Ressentiments würden.

Auftakt in der RWTH-Aula

Der Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, Hans-Joachim Geupel, machte deutlich, dass er geradezu dankbar sei, dass die Stiftung die Filmproduktion finanziell unterstützen darf. Ebenso hob er das Projekt „Willkommen“ der Stiftung hervor, bei dem Bürgerinnen und Bürger Patenschaften für unbegleitete junge Flüchtlinge übernehmen können.

„Die Schauspieler standen nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera“, erläuterte Filmemacher Chauvistré. Zusammen mit anderen, auch nichtgeflüchteten Kindern des Heims Maria im Tann lernten sie in Workshops des Zeitungsmuseums den richtigen Umgang mit der Kamera. Und auch am Schnitt arbeiteten sie mit.

Der einstündige Film feiert am Sonntag, 8. Januar, um 11 Uhr in der Aula der RWTH Aachen, Templergraben 55, Premiere. Es folgen zwei weitere Aufführungen mit anschließendem Publikumsgespräch am Freitag, 20. Januar, und Donnerstag, 26. Januar, jeweils um 19 Uhr in der Nadelfabrik, Reichsweg 30.

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