Aachen - Film-Doku: Wie ein Araber aus Israel sich selbst findet

Film-Doku: Wie ein Araber aus Israel sich selbst findet

Von: Matthias Hinrichs
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Hat sich mit seinem Film-Debüt in Nahost auch auf die Suche nach der eigenen Identität gemacht: Wisam Zureik präsentiert seine Dokumentation „Woher kommst du?“, die über Schicksal und Selbstverständnis der arabischen Minderheit in Israel erzählt, am 6. Dezember im Super C am Templergraben. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Woher kommst du? Die Antwort könnte er sich leicht machen: Wisam Zureik ist 1985 in dem kleinen Ort Eilaboun im Norden Israels geboren. Dennoch hat der junge Mann die vermeintlich simple Frage nicht von ungefähr als Titel für seine erste, fast komplett in Eigenregie entstandene Filmdokumentation gewählt. Denn sie könnte auch lauten: Wer bist du?

Nun, Zureik besitzt einen israelischen Pass. Aber er ist kein Jude, sondern Palästinenser. Ein Araber also, ein Muslim? Ja und nein: Zureik ist ein arabischer Israeli christlichen Glaubens. Oder ein israelischer Araber? Schon wird‘s kompliziert . . .

„Fragen wie diese stelle ich mir selbst, solange ich denken kann“, sagt er. Was also lag näher, als sie in den Mittelpunkt seiner Abschlussarbeit als Mediendesigner an der Rheinischen Fachhochschule Köln zu stellen? Im März ist Zureik, der 2005 nach Aachen kam, um hier zunächst Informatik zu studieren, mit seiner Kamera für ein paar Wochen zurückgekehrt nach Nahost.

Am 6. Dezember präsentiert er sein spannendes und bewegendes Debüt als selbstständiger Filmemacher mit seiner knapp 45-minütigen Spurensuche „Woher kommst du?“ im Super C der RWTH am Templergraben.

Zureik erzählt darin seine ganz persönliche Geschichte, weil die zugleich eine hoch politische ist. Teilt er doch sein Schicksal mit rund 1,5 Millionen Israelis arabischer Abstammung und damit rund 20 Prozent der Bevölkerung im „Staat der Juden“.

Als das „neue Israel“ gegründet wurde, im Jahr 1948, wurden die Menschen in seinem Heimatort zunächst vertrieben, ausgewiesen in den benachbarten Libanon. 13 junge Männer wurden umgebracht, als die jüdischen Truppen sich des Landes bemächtigten, erzählt er. Dennoch kehrten die meisten ihrer Verwandten, Nachbarn und Freunde bald darauf nach Eilaboun zurück.

„Heute sind wir die einzigen Araber, die wirklich in einer Demokratie leben“, sagt Zureik. „Dafür bin ich sehr dankbar.“ Er sagt aber auch: „Nach wie vor werden die Palästinenser in Israel als Menschen zweiter Klasse behandelt, in allen Bereichen des öffentlichen Lebens werden sie benachteiligt – wenn es zum Beispiel um die Finanzierung der Schulen geht oder um den Besitz von Grundstücken.“

Ohne Pathos, aber mit spürbarer Leidenschaft, atmosphärisch dicht gestalteten Menschen- und Landschaftsporträts, lässt Zureik auf seiner Reise zu sich selbst zahlreiche Zeitgenossen aus seinem Volk zu Wort kommen – vom betagten Zeugen der dramatischen Ereignisse im Zuge der Staatsgründung über die Menschenrechts-Aktivistin bis zum palästinensischen Soldaten im Dienst des Staates Israel.

Nicht Hass, Klischees und Ressentiments prägen seine Beobachtungen, sondern die tief empfundene Sehnsucht nach Wahrheit und Authentizität.

Er hat gelernt, wie unterschiedlich die Palästinenser jenseits der Autonomiegebiete die Frage nach ihrer Identität beantworten. „Am Ende“, sagt Wisam Zureik, „bin ich ihr auch in eigener Sache ein großes Stück näher gekommen...“

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