Aachen - Fiffifahndung: Stadt sucht „Schwarzhunde”

Fiffifahndung: Stadt sucht „Schwarzhunde”

Von: Stephan Mohne
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Er kann ganz beruhigt seine Nase in den Wind halten: „Zorro” hat die Hundesteuermarke, für ihn werden also 120 Euro pro Jahr berappt. Die Stadt macht sich jetzt aber mal wieder auf die Suche nach denjenigen, die ihre Vierbeiner nicht angemeldet Foto: Michael Jaspers

Aachen. Kleinvieh macht auch Mist. An das geflügelte Wort hat sich Kämmerin Annekathrin Grehling erinnert - jetzt, da der städtische Haushalt mal wieder vor dem Abgrund steht. Einnahmen müssen her. Quellen derselben hat die Stadt aber nur ganz wenige.

Und während die Politik nicht gewillt ist, an den großen Stellschrauben wie Gewerbe- und Grundsteuer zu drehen und man auf die Höhe des Einkommensteueranteils keinen Einfluss hat, bleibt eben nur besagtes steuerliches Kleinvieh. Etwa in Form der Hundesteuer.

120 Euro muss pro Jahr berappen, wer einen „normalen” Vierbeiner hält. Sind´s mehrere, wird es teurer. Und wer einen sogenannten „Kampfhund” ausführt, der muss ganz tief in die Tasche greifen, weil die Steuern für diese Hunde ein Vielfaches betragen. Nicht gerade preiswert, die Liebe zum Haustier.

Weswegen sich Kommunen immer mal wieder die Frage stellen: Sind denn überhaupt alle Fiffis gemeldet - oder laufen in der Stadt haufenweise „Schwarzhunde” durch die Gegend? Genau diese Frage will Aachen nach 2002 nun zum zweiten Mal ganz genau beantwortet wissen. Und wird deswegen wohl im kommenden Jahr einmal mehr „Hundedetektive” von Haustür zu Haustür schicken.

Dieses Ansinnen steht jedenfalls schwarz auf weiß an exponierter Stelle - im Vorbericht zum Etatentwurf 2010. Die Kämmerin kleidet ihre Hoffnung auf mehr Einnahmen auch gleich in Zahlen: 200.000 Euro mehr pro Jahr könnten am Ende rausspringen. Derzeit fließen rund 850.000 Euro per anno über die Hundesteuer in die Stadtkasse. Für die erhoffte Steigerung müssten die menschlichen Spürnasen allerdings fast 1700 nicht angemeldeten Hunden auf die Spur kommen.

Bei der ersten Aktion im Oktober 2002 hoffte der damalige Kämmerer Joachim Witt auf 1500 „neue” Hunde und eine zusätzliche Einnahme von weit mehr als 100.000 Euro - wobei die Hundesteuer damals noch bei 90 Euro jährlich lag. Tatsächlich fanden sich am Ende deutlich weniger „Schwarzhunde”, nämlich rund 600.

Laut Hans Plaum, Leiter des Fachbereichs Steuern und Kasse, habe sich der Aufwand dennoch gelohnt. Schließlich seien die Kosten für die beauftragte Firma nur einmal angefallen, während man die zusätzlichen Steuereinnahmen über Jahre verbuchen konnte. Tatsächlich ist die offizielle Zahl der Hunde in Aachen heute deutlich höher als damals. Ende 2002 waren genau 6776 Vierbeiner gemeldet, zum jetzigen Zeitpunkt sind es ziemlich genau 7200. Damit lebt etwa in jedem 20. Aachener Haushalt ein Hund. Und warum dann nicht einfach nochmal rauf mit den Steuern? Das könnte weitreichende Folgen haben. Dann nämlich könnte es auch sein, dass viele Hundebesitzer ihre Haustiere abgeben - etwa im ohnehin aus allen Nähten platzenden Tierheim.

Wann und wie die Aktion umgesetzt wird, steht derzeit laut Plaum noch nicht fest. Erst einmal müsse der Haushalt im Frühjahr vom Rat verabschiedet werden. Nur dann hat man auch das Geld, um die Fachfirma zu bezahlen. Welche dies sein wird, soll eine Ausschreibung ergeben. Möglicherweise könnte die Hundesuche dann im Sommer oder Herbst über die Bühne gehen.

Dass die Suche nach säumigen (Hunde-)Steuersündern derart vorne im Haushalt platziert wurde, soll wohl auch ein Zeichen setzen nach dem Motto: Angesichts der dramatischen Haushaltslage nimmt es die Stadt mit jedem Euro ernst. Wirksam höhere Einnahmen in Millionenhöhe wären nämlich eigentlich nur mit einer Erhöhung der seit fast einem Jahrzehnt unangetasteten Gewerbe- und Grundsteuern zu erzielen. Die Politik hat da aber schon frühzeitig abgewunken. 2010 ist eben auch wieder ein Wahljahr.
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