Fiese Droge im Glas: Der Kampf gegen die K.O-Tropfen

Von: Christiane Chmel
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Bieten auch für Jungen Präventionsangebote an: Monika Bulin vom Frauennotruf und Sozialarbeiter Marc Strauch. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Anna war 19 Jahre alt, als es passierte. Sie ging mit ihren Freundinnen feiern, trank ein Bier und nippte an einem zweiten. An das, was danach passierte, kann sie sich nicht erinnern. Mitten in der Nacht kam sie in einem Park wieder zu sich und war vergewaltigt worden.

Diese oder ähnliche Geschichte erzählt Agnes Zilligen, Projektmanagerin des Präventionsangebots des Vereins „Notruf für vergewaltige Frauen und Mädchen“ jungen Frauen im Rahmen der Workshops zum Schutz vor K.O.-Tropfen. Die Kampagne „K.O.cktail? Fiese Drogen im Glas“ wurde vor zehn Jahren ins Leben gerufen und bereits mehrfach ausgezeichnet.

Die Seminare werden in den weiterführenden Schulen in Aachen ab der Klasse 9 angeboten und sollen über die Gefahren der Substanzen aufklären und die Jugendlichen für das Thema sensibilisieren. Aber nicht nur Mädchen werden durch K.O.-Tropfen ausgenutzt und gefügig gemacht. Auch Jungen sind betroffen. Nachdem das Angebot im vergangenen Jahr aus personellen Gründen nur für Mädchen zur Verfügung stand, konnte jetzt mit dem Sozialarbeiter Marc Strauch wieder ein kompetenter Ansprechpartner gefunden werden.

Marc Strauch ist Mitarbeiter des Jugendamtes Aachen und wird ab sofort die Workshops für die Jungen-Gruppen in den Klassen übernehmen. „Zwar sind Jungs seltener Opfer sexueller Gewalt, werden aber öfter nach der Verabreichung von K.O.-Tropfen bestohlen“, so Strauch. „Zudem wollen wir erreichen, dass männliche Jugendliche erst gar nicht zu Tätern werden.“

Im Rahmen der Seminare werden die Jugendlichen über die Gefahren aufgeklärt und gemeinsam Strategien entwickelt, wie man sich am besten davor schützen kann, Opfer zu werden. 152 Fälle hat der Verein „Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen“ in den vergangenen zehn Jahren dokumentiert. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. „Viele trauen sich nicht, die Tat anzuzeigen, weil sie sich schämen und sich selbst die Schuld geben“, so Zilligen.

„Unsere Aufgabe ist es deshalb aufzuklären und die Betroffenen zu beraten sowie sie zur Polizei oder auch später bei einem stattfinden Prozess zu begleiten.“ Allerdings käme es nur in wenigen Fällen zu einer Verhandlung, da die gefährlichen Substanzen nur sechs bis sieben Stunden im Blut und zwölf Stunden im Urin nachweisbar seien. „Umso wichtiger ist es, die Opfer zu bestärken, sich schnellst möglichst untersuchen zu lassen“, so Zilligen.

Die beiden Präventionsfachkräfte arbeiten mit den Jugendlichen in geschlechtsgetrennten Gruppen von maximal 18 bis 20 Teilnehmern. Interessierte Schulen können sich ab sofort beim Frauennotruf melden: www.frauennotruf-aachen.de oder info@frauennotruf-aachen.de.

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