FH-Rektor erhält Mullefluppet-Preis: Verleihung in der Kappertz-Hölle

Von: Stefan Herrmann
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Nach dem „Bau-Skandal“ kehrt das Lachen zurück: Marcus Baumann (vorne 2.v.l.) erhält den Mullefluppet-Preis 2015. Neben Manfred Kutsch (vorne 3. v.l.) und AZ-Redakteur Robert Esser (vorne l.) war ein großes Aufgebot an Kuratoriumsmitgliedern und Komparsen nötig, um den FH-Rektor aufs Glatteis zu führen.

Aachen. Diese Horrornachricht brachte selbst Professor Marcus Baumann ins Wanken: Der FH-Rektor schlitterte am Dienstag als unfreiwilliger Hauptakteur in einen Bauskandal allererster Güte, der ihm kurzzeitig den Boden unter den Füßen wegzog. Mit fundierter wissenschaftlicher Logik war da nichts zu machen.

Eine Dreiviertelstunde war es um die Gefühlswelt-Statik des Fachhochschul-Chefs nicht gut bestellt, dann prasselte die Entwarnungswelle über den 59-Jährigen herein: Marcus Baumann ist Träger des Mullefluppet-Preises 2015 der Aachener Zeitung! Und wer das wird, muss zuvor Leidensfähigkeit beweisen.

Der Schock

Es hätte im wahren Sinne des Wortes so ein ruhiger Dienst-Tag werden können. Ein Gespräch mit der Hochschulratsvorsitzenden (und 1a-Lockvogel) Professor Gisela Engeln-Müllges steht für mittags im Terminkalender von Baumann. Mitten im Plausch platzt die Bombe: Denn AZ-Reporter Manfred Kutsch konfrontiert den Rektor am Telefon mit einem ganz aktuellen Beschluss des Verwaltungsgerichts Aachen. Darin steht geschrieben, dass der FH die Nutzung ihres Neubaus an der Bayernallee „unter Androhung eines Ordnungsgeldes bis zu 250 000 Euro“ untersagt werde. Das Bürogebäude müsse unverzüglich geräumt werden. Als Grund nennt das Gericht, dass Überprüfungen der Stadt „Absenkungen im Wand-/Bodenbereich“ ergeben hätten und dadurch „Gefahr für Leib und Leben der Nutzer“ bestehe.

Die Zuspitzung

Aufgeschreckt eilt Baumann zum 12,5-Millionen-Euro-Prestigebau. Die eingeweihte Medienmeute löchert den Rektor vor Ort mit Fragen, die ihm die Schweißperlen auf die Stirn treiben. „Wir wollen Anfang Februar doch einziehen. Das ist eine absolute Katastrophe“, diktiert er sichtlich verdutzt in die Mikrofone, während er das täuschend echte Gerichtsdokument studiert. Den FH-Kanzler habe er bereits eingeschaltet, um den Sachverhalt zu prüfen. Und auch den BLB als Bauträger habe er versucht zu kontaktieren – zunächst ohne Erfolg. Zum Glück! Denn das Possenspiel um Pannen am Bau zündet in diesem Moment die nächste Rakete.

Als Komplizin des Mullefluppet-Kuratoriums entdeckt nämlich Komparsin Claudia Kelmes „zufällig“ beim Spaziergang ihren alten Professor aus Bremerhavener Zeiten an der Bayernallee. Völlig verzückt bombardiert die angebliche Ex-Studentin Baumann mit Lobeshymnen. „Kennen Sie mich noch? Ach, ist das schön, Sie so unverhofft wiederzusehen!“ Freundlich, aber bestimmt schüttelt der FH-Rektor die „Stalking-Studentin“ von sich ab. Kaum hat er die Reporter ins „Skandal“-Gebäude des Anstoßes geführt, klingelt erneut das Handy. Am anderen Ende der Leitung: Polizeisprecher Paul Kemen (mit verstellter Stimme). Man habe Baumanns Oldtimer in Krauthausen im Straßengraben gefunden. Am Steuer: ein Drogendealer. . .

Die Auflösung

In diesem Moment haben Mulle-fluppets Mittäter ein Einsehen und erlösen Marcus Baumann. Schließlich macht bei allem Schabernack am Ende doch der Ton die Musik. Und die klingt an diesem frischen Aachener Januarmittag wie eine warme Brise aus New Orleans. Kein Wunder: Schließlich marschieren Baumanns Jazzband-Freunde von „Sun Lane Ltd.“ ins Foyer des FH-Neubaus – und mit ihnen alle Mitverschwörer des Mullefluppet-Kuratoriums. Einhellige Meinung: Der Rektor hat das Stahlbad mit Bravour gemeistert.

Der ist sichtlich erleichtert, dass er hier den Hintermännern und -frauen der beliebten Öcher Auszeichnung auf den Leim gegangen ist. „Es ist eine Ehre, mit dem Mullefluppet-Preis ausgezeichnet zu werden“, erzählt er der Journalistenschar, die ihn wenige Minuten zuvor noch auf die Schippe genommen hat. Dann gönnt er sich eine kurze Pause und setzt sich neben seine Frau Ursula, die dem Kuratorium als Eingeweihte vor Wochen den entscheidenden Tipp gab: „Wenn meinen Mann etwas aus der Fassung bringen kann, dann ist es das Thema FH und Bauen. . .“ Da ließ sich die Mulle-fluppet-Truppe nicht zweimal bitten. Am Ende eines ereignisreichen Tages steht fest: Marcus Baumann mag bei Horrornachrichten kurz wanken, aber er fällt definitiv nicht! Und vor allem beweist er jede Menge Humor. Die herausragenden Mullefluppet-Kriterien – Liebe zu Aachen, Schlitzohrigkeit, Hilfsbereitschaft und eben jener Humor – erfüllt Baumann in jedweder Hinsicht.

Nun darf man nur hoffen, dass der FH-Rektor nach all der Aufregung an diesem alles andere als normalen Dienst-Tag nicht vergessen hat, den BLB zu informieren, dass doch alles in Ordnung ist mit dem Neubau an der Bayernallee. . .

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