Feuerwehr liefert filmreife Szenen über den Fluten

Von: Stephan Mohne
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Alle Hände voll zu tun: Die Feuerwehr kämpfte stundenlang gegen einen Wassereinbruch im historischen Ortskern von Kornelimünster. Als es schon sehr eng wurde, sank der Pegel zum Glück. Foto: Michael Jaspers

Kornelimünster. Günter Bannach nimmt es noch mit Humor: „Jetzt werde ich auch noch zum Medienstar”, schmunzelt der Anwohner der Schleckheimer Straße in Kornelimünster, als Fotografen und Reporter sein Grundstück entern. Da ist die Feuerwehr längst schon da. Denn Günter Bannach ist einer der ersten, zu dem die Helfer an diesem Donnerstagmorgen ausrücken müssen.

Und die Jungs vom Löschzug Kornelimünster kennen den Mann im gelben „Friesennerz” und seine Nachbarn schon. Jedes Mal, wenn es richtig nass draußen ist, drohen ihre Häuser überflutet zu werden. So ist es auch diesmal. Grund: Auf den benachbarten Wiesen haben sich regelrechte Sturzbäche gebildet, die in Richtung der Häuser rauschen. Zwar gibt es kurz davor ein kleines Rückhaltebecken, doch das ist auch an diesem Morgen völlig überfordert.

So muss die Feuerwehr Pumpen einsetzen, um den Wasserspiegel im ungefährlichen Bereich zu halten. „Neulich war die Feuerwehr schon die ganze Nacht hier”, erzählt Günter Bannach. Das war am Tag der großen Schneeschmelze. Seither sind die Wiesen mit Wasser getränkt, nehmen nichts mehr auf. Und so rauscht es eben gen Kornelimünster. Bannach hofft zu diesem Zeitpunkt, dass sein Haus diesmal trocken bleibt. Vor Jahren hat sich schon eine Anwohnerinitiative an den Bezirk gewandt, um Abhilfe gebeten und auch Vorschläge gemacht. Lediglich ein Zugangstor zum Becken und ein schmuckes Stahlgeländer seien seither neu.

Zu dieser Zeit, es ist kurz nach 10 Uhr am Morgen, blubbert und gurgelt es im Ortskern schon ganz gewaltig. Die Inde ist einmal mehr vom Bach zum reißenden Fluss geworden. Am Abend zuvor stand der Pegel gerade einmal bei etwas mehr als 40 Zentimetern. Jetzt sind es 1,60 Meter. Und das Wasser steigt in rasendem Tempo. Es dauert keine Stunde, bis wieder zehn Zentimeter mehr gemessen werden - die für den Ortskern kritische Marke von 1,70 Metern ist ruckzuck erreicht.

Ein Feuerwehrtrupp unter Leitung von Frank Thelen marschiert durch den Ort und an der Inde entlang. Den Helfern schwant da schon: Das kann heute böse enden. Thelen ordert Nachschub. Und der kommt in Scharen. Insgesamt vier Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr sind alarmiert - Kornelimünster, Walheim, Eilendorf und Brand. Der historische Marktplatz ist schon bald beherrscht von rot-weißen Fahrzeugen. Vor Ort wird eine eigene Einsatzzentrale aufgebaut.

Laster voller Sandsäcke

Unterdessen steigt und steigt die Inde. 1,80, dann 1,90 Meter - es scheint kein Halten zu geben. Die braunen Fluten sind reißend, die Auen rund um den Ort sind zu großen Seen geworden. Im Ort selbst schwappt das Wasser nun auf die Terrassen und von dort aus in die Keller. Die Feuerwehr hat einen ganzen Laster voll mit Sandsäcken geordert, die fieberhaft in die Häuser geschleppt werden. Ein Feuerwehrmann motiviert seine Leute: „Stellt euch vor, ihr wäret in einem U-Boot, das immer mehr absinkt”, mahnt er zur Eile. An der Straße „Unter den Weiden” tritt die Inde schon übers Ufer. Die Anwohner versuchen, ihre Häuser mit Brettern zu schützen.

An der Zufahrt zum Markt spielen sich filmreife Szenen ab. Eine nagelneue Hubrettungsbühne der Berufsfeuerwehr wird herangeholt. Zwei Feuerwehrmänner werden damit bis wenige Zentimeter über die Flut gehievt. Ihre Aufgabe: Einen mitten im Fluss liegenden umgestürzten Baum kappen. Mit Fingerspitzengefühl und Motorsäge wird die Aufgabe gemeistert.

Zwischenzeitlich ist Günther Stadtmüller, einst Einsatzleiter, jetzt im Ruhestand und für die „Einsatzdokumentation” mit Kamera unterwegs, aus Stolberg gekommen. Dort kämpfen ebenfalls die Feuerwehrleute gegen die Fluten, berichtet er. Und weiß: Das ganze Wasser von dort kommt auch noch nach Kornelimünster. Einsatzleiter Frank Thelen koordiniert nun schon 40 Helfer. Zu einem Haus an der Venwegener Straße werden dutzende Sandsäcke gebracht, auch dort droht Land unter. Gegen 13.30 Uhr erreicht die Inde 1,95 Meter. Das ist zwar weniger als beim großen Hochwasser im September 2007, als der Markt unter Wasser stand. Aber: Es regnet und regnet.

THW unterstützt die Feuerwehr

Erst als anderthalb Stunden später etwas weniger vom Himmel fällt, sinkt der Pegel leicht und pendelt sich bei 1,80 Meter ein. Nun sind bereits 60 Feuerwehrleute in Kornelimünster. Sie werden unterstützt von 20 Leuten des Technischen Hilfswerks, die ebenfalls mit mehreren Lkw angerückt sind. Auf das THW kommt insbesondere in dem Fall eine entscheidende Rolle zu, da die Inde über 2,20 Meter steigt. Dann nämlich wird im Ort aus Sicherheitsgründen der Strom abgeschaltet, eine Notstromversorgung müsste aufgebaut werden. Doch dazu kommt es zum Glück zunächst nicht.

Der Ortskern ist mittlerweile für den Verkehr gesperrt, parkende Autos haben den Platz verlassen müssen. Langsam wird es dunkel im Aachener Süden. Doch für die Helfer ist ein Ende des Einsatzes nicht in Sicht. „Bevor der Pegel nicht unter 1,30 Meter sinkt, verlässt hier niemand den Ort”, sagt Frank Wagemann vom Löschzug Kornelimünster.

Denn wenn die Inde ein Stück abgesunken ist, wartet noch reichlich Arbeit. Dann müssen die Pumpen angeworfen werden, um die Keller vom Wasser zu befreien. Vorher macht das keinen Sinn, denn das Wasser landet über die Kanäle wiederum in der Inde. Und: „Für die Nacht ist noch einmal ein großes Regengebiet vorhergesagt”, meint Wagemann skeptisch. Also richtet man sich auf ein Nachtlager ein.
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