Aachen - „Feuervogel“: Hier reden sich Kinder Probleme von der Seele

„Feuervogel“: Hier reden sich Kinder Probleme von der Seele

Von: Kathrin Albrecht
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Wichtige Hilfe für den Feuervogel: Matthias Soppe (links) und Marie Gurr konnten von Andreas Petzold und Herbert Pichler (rechts) eine wichtige Spende für ihre Arbeit entgegennehmen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Schätzungsweise jedes sechste Kind unter 18 Jahren lebt in Deutschland mit Substanz abhängigen Eltern zusammen. In der Städteregion Aachen leben rund 13.000 minderjährige Kinder in suchtbelasteten Familien. Für die Kinder bedeutet das oft: früh Verantwortung zu übernehmen, eine Fassade aufrecht zu erhalten, die es so nicht gibt und ständig die Sorge haben, jemand könnte herausfinden, dass etwas nicht stimmt.

Oft wünschen sie sich jemanden, mit dem sie reden können. Für sie ist das Projekt Feuervogel da. Einmal pro Woche können Kinder und Jugendliche in altersgerechten Gruppen mit Gleichgesinnten und Fachleuten über ihr Familiengeheimnis sprechen oder einfach nur etwas Abstand von ihren Sorgen gewinnen. Zusätzliche Angebote wie Ferienfreizeiten, Ausflüge oder Geburtstagsfeiern helfen dabei zusätzlich.

2009 ging „Feuervogel“ als gefördertes Modellprojekt der Suchthilfe Aachen an den Start. 2012 lief die Förderung aus. Aus dem Modellprojekt sollte jedoch eine langfristige Einrichtung werden. „Wir merken, wie wichtig wir für die Kinder sind, wenn sie länger hierhin kommen“, berichtet Marie Gurr aus ihrer Arbeit. „Die Kinder gewinnen viel Selbstvertrauen, sie trauen sich, die Probleme, die sie zuhause haben, anzusprechen und sie lernen, dass es nicht ihr Job ist, dafür zu sorgen, dass zuhause alles läuft.“

Oft sind es die Beratungsstellen der Suchthilfe, aber auch die betroffenen Familien selbst, die „Feuervogel“ kontaktieren. Auch das Jugendamt oder Lehrer geben Hinweise. „Da ist der Kontakt zur Familie dann schwieriger“, weiß Marie Gurr. Denn zuzugeben, dass man selbst oder ein Angehöriger ein Suchtproblem hat, ist immer noch mit vielen Tabus belegt. Dabei arbeitet „Feuervogel“ auch eng mit den Eltern zusammen. „Es geht dabei vor allem um Erziehungshilfe. Die Eltern sollen lernen, wie sie trotz ihrer Sucht gute Eltern sein können“, beschreibt Marie Gurr diesen Baustein in der Projektarbeit.

Nicht zuletzt leistet „Feuervogel“ auch einen wichtigen Beitrag zur Prävention, denn rund ein Drittel der heute betroffenen Kinder und Jugendlichen entwickelt in der Folge selbst Suchtstörungen. „Sie übernehmen, was ihnen vorgelebt wird“, sagt Matthias Soppe. Für die meisten Kinder, die im Projekt betreut werden, zahlt das Jugendamt eine monatliche Pauschale. Doch nicht alle Kinder werden so gefördert. Auch decken die Kosten nicht alle Angebote des Projektes ab, wie zum Beispiel die Nachtreffen, die für die Kinder und Jugendlichen sehr wichtig sind, oder Taxifahrten, weil nicht immer gewährleistet ist, dass die Kinder gebracht werden können.

Spenden decken diese zusätzlichen Kosten. Seit drei Jahren unterstützt auch der Lions Club Aquisgranum mit seiner Zahngoldaktion das Projekt. In 60 Zahnarztpraxen der Städteregion Aachen steht eine solche Sammelbüchse, in die Patienten Goldfüllungen, Kronen oder Brücken einwerfen können. 10.000 Euro sind im vergangenen Jahr zusammengekommen, die jetzt der Arbeit von Feuervogel zugute kommen.

Rund 70.000 Euro hat der Club in diesem Jahr für soziale Projekte in der Städteregion gesammelt. Dabei hat der Club vor allem die Unterstützung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen im Blick. Wie bei Feuervogel. „Es ist einfach irre, was die Leute hier machen“, findet Herbert Pichler, für den Club verantwortlich für die Zahngoldaktion.

Ein großer Dank gehe auch an die beteiligten Zahnärzte, die ihre Patienten auf die Spendenmöglichkeit ansprechen und ehrenamtlich für die Aktion arbeiten, resümiert Andreas Petzold, Schatzmeister des Lions Club.

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