Aachen - Festtag in Hahn: Alemannia „auf‘m Dorf“

Festtag in Hahn: Alemannia „auf‘m Dorf“

Von: Oliver Schmetz
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Hat ein paar schlaflose Nächte hinter sich und einen großen Festtag vor sich: Helmut Jentges, Vorsitzender des FC Inde Hahn, fiebert dem heutigen Pokalspiel gegen Alemannia Aachen entgegen.
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Zufahrt zum Parkplatz: Rund 200 Meter vom Sportplatz entfernt befinden sich 1000 Stellplätze.
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Nacht- und Nebel-Aktion: Tischler Ralf Herbertz sprang kurzfristig mit seinen Leuten ein, um die Banden zu verkleiden.

Aachen. Am Samstag ist für Helmut Jentges ein Feiertag, der größte Tag in der Geschichte seines Vereins. Aber an diesem regnerischen Vormittag, gut 24 Stunden vor dem Anpfiff zum Pokalspiel gegen Alemannia Aachen, gibt es auch einige Momente, in denen man lieber nicht in der Haut des Vorsitzenden des FC Inde Hahn stecken möchte.

Gerade hat der 73-Jährige, der mit seinen Mitstreitern seit Anfang der Woche den Sportplatz des Dorfclubs in ein kleines Stadion verwandelt, tapfer erklärt, dass eigentlich alles nach Plan laufe. Bis eben auf diese vielen Kleinigkeiten, die einem das Leben immer wieder schwer machen, wie er lachend hinzufügt.

Und schon kommt so eine „Kleinigkeit“ um die Ecke: Ein Mann betritt den Kunstrasen im südlichsten Zipfel der Stadt, schaut sich um und staunt. „Was macht ihr für einen Bohei für diesen Absteigerverein“, sagt er mit Blick auf die provisorischen Tribünen für gut 2500 Zuschauer, outet sich als Anhänger des Alemannia-Erzrivalen Mönchengladbach und fragt beiläufig, wo er denn die 18 Dixi-Klos abladen soll.

Als er erfährt, dass einige der Toiletten am anderen Ende das Platzes stehen sollen, der Rasen aber nicht befahren werden darf, verdüstert sich seine Miene. „Sehen Sie, das ist so eine Kleinigkeit“, lacht Jentges immer noch und erzählt dem Klohäuschenlieferanten, dass er mal gesehen habe, wie jemand diese Mobiltoiletten einfach so getragen habe. Der aber ist restlos bedient: „Ihre Kleinigkeit wiegt 80 Kilo pro Stück.“ Da nimmt er dann doch lieber die Sackkarre, die sich schließlich findet.

Nein, es ist gewiss keine Kleinigkeit, die Jentges mit seinem Organisationsteam und vielen ehrenamtlichen Helfern zu stemmen hat. Zwar ist Aachens größter Fußballverein mittlerweile zu einem bemitleidenswerten Viertligisten geschrumpft, doch beim Bezirksligisten „auf‘m Dorf“ ist die Alemannia immer noch eine große Nummer.

Und so hat man Tribünen aufgebaut, Absperrungen installieren lassen, Caterer und Ordnungskräfte engagiert, Parkflächen organisiert – und sich eben um die vielen Kleinigkeiten gekümmert, die nebenbei noch so anfallen.

Wie zum Beispiel die Sache mit den Banden: Am Donnerstagabend kamen den Verantwortlichen Bedenken, dass die nackten Metallbügel am Spielfeldrand für die Aktiven zu verletzungsträchtig sein könnten. Einer im Verein kannte einen Schreiner, der wiederum besorgte über Nacht das Material, und am Freitagmorgen stehen fünf Mann auf dem Platz und verkleiden das Metall mit Holzplatten. So läuft das auf‘m Dorf.

Dass am Samstag alles läuft, hofft Helmut Jentges inständig. Damit sich die ganze Plackerei gelohnt hat. „Es war eine stressige Woche“, denkt er an die vielen Tage, die er von früh bis spät auf dem Platz verbracht hat. „Und das heißt nicht, dass man dann nachts schlafen kann.“

Das größte Problem in dieser abgelegenen Ecke Aachens könnte die An- und Abreise der Zuschauer sein – das sieht auch Paul Kemen so, der Pressesprecher der Aachener Polizei. Schließlich ist der Sportplatz über den schmalen, steilen Kitzenhausweg vorsichtig formuliert nicht gerade ideal ans Aachener Verkehrsnetz angebunden. Was auch für die Aseag gilt, die Hahn ausgesprochen sporadisch ansteuert. Und von Haltestellen in Walheim sind es zu Fuß zwei Kilometer bis zum „Stadion“.

Nicht zuletzt deshalb hält man auf einer Wiese 200 Meter hinter dem Platz 1000 Parkplätze bereit, hat man die Verkehrskadetten engagiert, damit rund ums Stadion möglichst alles im Fluss bleibt.

Dafür, dass drinnen alles friedlich bleibt, sollen 60 Ordner sorgen – je 30 von Alemannia und Inde Hahn. „Wir sind auch vor Ort“, sagt Polizeisprecher Kemen, auch wenn es „keine Hinweise auf irgendwelche Randale gibt“. Helmut Jentges wird das gerne hören und bis zum Anstoß am Samstag um 14 Uhr noch einige Kleinigkeiten erledigen.

Schließlich gibt es noch 300 Stehplatzkarten zu verkaufen, weswegen man am Samstag noch eine Tageskasse einrichtet. Und ein Mensch von der Bauaufsicht wollte auch noch vorbeischauen, um sich zu vergewissern, ob man genügend Notausgänge in den Maschendrahtzaun rund ums Stadion geschnitten hat. Wie das eben so ist, wenn die Alemannia auf‘m Dorf spielt.

Fürs Spiel selbst hat der Vorsitzende auch ein paar Wünsche. Wenn seine Jungs für die Alemannia keine Kleinigkeit wären, würde er sich freuen. Aber freuen wird er sich am Samstag wohl in jedem Fall – am größten Tag in der Geschichte seines Vereins.

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