Festival für Neue Musik „Stationen“ machte Station in der Klangbrücke

Von: Pedro Obiera
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Sorgte für die passenden Töne: das Projekt-Orchester „Con-Fusion“ in der Klangbrücke. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Dass das fünftägige Festival für Neue Musik „Stationen“ zum dritten Mal stattfinden kann, darf der federführende Landesmusikrat NRW als Erfolg verbuchen. Letztlich gehören avantgardistische Töne nicht gerade zu den Publikumsmagneten.

Für das aktuelle Programm, das in diesen Tagen in fünf Städten unseres Landes von Köln bis Münster präsentiert wird, schlossen sich kompetente Musiker aus dem „Neuen Ensemble Aachen“, dem „Ensemble Horizonte“ aus Detmold und der in Dortmund ansässigen „Sinfonie NRW“ zum „Ensemble Con-Fusion“ unter Leitung von Susanne Blumenthal zusammen.

Aachen hatte in diesem Jahr die Ehre, den Reigen in der nahezu voll besetzten Klangbrücke eröffnen zu dürfen. Den Saal füllten erfreulicherweise hauptsächlich Schüler aus der Gesamtschule Brand und dem Kaiser-Karl-Gymnasium, die mit geeigneten Materialien auf den anspruchsvollen und ungewohnten Abend vorbereitet wurden und dem mehr als zweistündigen Abend mit voller Konzentration folgten.

Gleich drei Uraufführungen umrahmten zwei Klassiker der Neuen Musik: Manfred Niehaus‘ Experimentalstück für beliebige Besetzung, „Einige Anweisungen für die Mittellage“, aus dem Jahre 1969 versprüht noch den altvorderen Charme verspielt-aleatorischer Fluxus-Zeiten, während sich der bedeutendere Doyen der Szene, Iannis Xenakis, in „Jalons“ für 15 Musiker aus dem Jahre 1985 in der von ihm gewohnten unerbittlichen Härte äußert.

Eine Härte, die sich in den brandneuen Stücken nicht mehr finden lässt. Die 28-jährige Koreanerin und Trojahn-Schülerin Mijin Oh legt es in ihrer Komposition „The Oak an the Reeds“ ganz im Gegenteil darauf an, die Klangmöglichkeiten des Ensembles wie Schilfrohre im sanften Wind zu formen. Ein Werk von erlesener Klangsensibilität und erfreulich persönlicher Prägung.

Der noch ein Jahr jüngere Kölner Emanuel Wittersheim bevorzugt in seinem Stück „Yellow Curtain: OxFFE600“ einen kompakteren, dunkleren Klang und entfacht einen virtuosen Orchesterritt von origineller rhythmischer Prägnanz. Beide Werke strahlen einen unverkrampften, frischen Umgang mit neuen Klängen und Techniken aus. In diesem Zusammenhang verdient auch ein Improvisationsmodell des Detmolder „Ensembles Horizonte“ Beachtung, „Farben des Feuers“, das noch in der notierten Version eine Menge der ursprünglichen Spontanität spüren lässt.

Ein wenig konstruierter wirkt dagegen Ulrich Schultheiss Quintett „Spuren“ für Flöte, Bassklarinette und drei Streicher. Ein Werk, das einlädt, die filigrane Entwicklung von Einzeltönen und Tonketten zu verfolgen. Auch das eine spannende Sache.

Insgesamt sicherlich ein voller Erfolg für die Organisatoren, die vorzüglichen Musiker und nicht zuletzt für die Aachener „Gesellschaft für Zeitgenössische Musik“ (GZM), die das Projekt vor Ort betreute.

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