Aachen - Fernwärme-Baustelle erhitzt die Gemüter

Fernwärme-Baustelle erhitzt die Gemüter

Von: Robert Esser
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Was bleibt von 18 000 Autos pr
Was bleibt von 18 000 Autos pro Werktag? Alle Unternehmen entlang der Baustelle an der Jülicher Straße sind über Umwege erreichbar - aber viele Kunden machen um den Baustellenbereich bereits eine große Kurve.

Aachen. Weil die Stawag einen privaten Großkunden an der Talbotstraße an ihr Fernwärmenetz anbindet, müssen eine ganze Reihe anderer Gewerbebetriebe an der Jülicher Straße schmerzhafte Umsatzeinbußen oder Behinderungen und Autofahrer erhebliche Staus hinnehmen - und dies für mindestens sechs Monate.

Die Wanderbaustelle blockiert beide Fahrspuren stadtauswärts - derzeit zwischen Heinrich-Hollands-Straße und Berliner Ring, im November ab Talbotstraße. Der Durchgangsverkehr - werktags durchschnittlich 18.000 Fahrzeuge - rollt nun auf jeweils einer Fahrspur neben dem Baustellenbereich.

Die Fastfood-Kette „McDonalds”, ein „Netto”- und ein „Lidl”-Markt, zwei Autovermieter sowie mehrere große Industriebetriebe sind zeitweise nur über umständliche Umwege erreichbar. Hinzu kommen noch längere Staus als ohnehin an der Kreuzung Jülicher Straße/Berliner Ring im Berufsverkehr die Regel sind. Die Folgen sind gravierend: „Dienstag wurde die Baustelle eingerichtet. Wir haben jetzt schon ein Drittel weniger Umsatz und Kunden”, sagt „Lidl”-Filialleiterin Ardita Berisha am Donnerstag. Man habe bereits Mitarbeiter nach Hause geschickt, weil nichts los sei. Sie befürchtet, dass die Umsätze in den kommenden Monaten noch weiter sinken, da die motorisierte Kundschaft einen großen Bogen um das Nadelöhr Jülicher Straße macht.

Einbußen beklagt auch der Leiter der „McDonalds”-Filiale, Sivagnanam Uthayanan: „Es kommt etwa ein Viertel weniger Leute”, erklärt er. „Ich habe die Personalpläne für die kommenden Monate deswegen angepasst. Diese Baustelle ist für uns alle sehr schmerzhaft.” So fürchtet „Carwash”-Chef Siegfried Nießen bereits den kommenden Winter, wenn ohnehin weniger Autofahrer ihr Gefährt aufpolieren lassen. „Uns steht eine harte Zeit bevor”, sagt er. Bedenken hat auch Roland Salber vom hoch spezialisierten Maschinenbau-Unternehmen „Access”: „Ich hoffe, unsere Sattelschlepper finden immer den Weg durch die enge Baustelle zu unseren Produktionshallen - das ist für uns das Wichtigste.”

Stawag und Stadt suchen deswegen immer wieder den Kontakt zu den betroffenen Anliegern - was etwa der „Netto”-Marktbetreiber „absolut vorbildlich” findet. 800 Meter entlang der Jülicher Straße und etwa 150 Meter in die Talbot-straße soll die Trasse im März 2013 führen. „Der endgültige Fertigstellungstermin hängt natürlich von der Strenge des Winters ab”, erklärt Stawag-Projektleiter Christian Stein. „Wir werden die Markierungen in den kommenden Tagen noch weiter verbessern, so dass bestmöglicher Verkehrsfluss erreicht wird”, erläutert Wolfgang Sanders, Abteilungsleiter für Straßenverkehr und Sondernutzungen bei der Stadt Aachen.

Ist der Anschlussaufwand für mindestens mehrere hunderttausend Euro - genaue Zahlen gibt die Stawag nicht bekannt - für einen einzigen Großkunden gerechtfertigt? „Wir rechnen damit, dass sich auf dem Baustellenweg nun noch weitere Gewerbebetriebe für einen Anschluss an die Fernwärme interessieren”, sagt Stein. Ökologisch und ökonomisch sei das schließlich ganz ohne Zweifel von großem Vorteil.

Welche wirtschaftlichen Folgen die Baustelle letztlich für die anderen anliegenden Unternehmen an der Jülicher Straße hat, wird sich erst in einigen Monaten zeigen.

Normaluhr und mehrere Ausweichrouten gesperrt

Das nächste Verkehrschaos ist programmiert: Der Bereich rund um die Normaluhr wird auch am kommenden Wochenende, 22. und 23. September, gesperrt. Nachdem 22 Mitarbeiter des Bauunternehmens am vergangenen Wochenende die Fräsarbeiten erledigt haben, folgt jetzt die Asphaltierung. Im Oktober will man die Fahrbahnmarkierung erneuern. Eine Vollsperrung wird dazu aber nicht mehr erforderlich sein.

Die Wilhelmstraße wird ab Kaiserplatz gesperrt; die Seitenstraßen, die zur Wilhelmstraße hinführen, wie etwa die Lothringer Straße, enden als Sackgasse. Grund hierfür: Auch auf der Wilhelmstraße müssen Fahrbahnmarkierungen bald erneuert werden. Vorarbeiten dazu werden am Wochenende erledigt. Dadurch fallen mehrere Ausweichrouten weg.

Die Umbau- und Sanierungsarbeiten zur Neuanlage des Fahrradschutzstreifens auf dem Alleenring umfassen derzeit die Kurbrunnenstraße ab Römerstraße, Dunantstraße, Kreuzung Theaterstraße/Zollernstraße und Wilhelmstraße. Auch diesmal wird nur der aus der Römerstraße vom Hauptbahnhof kommende Verkehr in Richtung Burtscheid und umgekehrt fließen können. Wegen des zu befürchtenden Verkehrschaos wird jetzt über den Einsatz von Verkehrskadetten nachgedacht. Die Vollsperrung dauert von Samstagmorgen, 5 Uhr, bis Montagmorgen, 4 Uhr.

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