Aachen - Ferienspiele: Das beste Vorbild ist immer noch der Dom

Ferienspiele: Das beste Vorbild ist immer noch der Dom

Von: Annika Kasties
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Hoch hinaus in der Ferienzeit: Zwölf Kinder führte Dombaumeister Helmut Maintz exklusiv durch den Dom und erzählte ihnen viel Nützliches über dessen stabile Konstruktion. Foto: Andreas Steindl
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Der zwölfjährige Justus schrieb eifrig mit. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Justus ist vorbereitet. Das blaue Notizbuch ist gezückt, der Kugelschreiber liegt in der Hand. Und in der schwarzen Bauchtasche ist eine Digitalkamera verstaut. Die wird der Zwölfjährige an diesem Tag noch brauchen.

Schließlich ist die Aussicht über Aachen einmalig – erst recht, wenn man sie hoch oben vom Dom aus genießen kann. Dabei wurden am Dienstag die fantastischen Bilder aus der Vogelperspektive über der Aachener Innenstadt für Justus fast schon zur Nebensache. Seine Aufmerksamkeit galt vielmehr Diagonalen, Streben und eisernen Ringankern.

Denn im Rahmen der städtischen Ferienspiele soll er mit elf weiteren Kindern am „Archimedischen Sandkasten“, den die Stadt für die Sommerferien auf dem Katschhof errichtet hat, eine riesige Skulptur aus Dachlatten bauen. Und diese soll ebenso stabil sein wie der Dom selbst.

6000 Meter Dachlatten seien für insgesamt drei Wochen Ferienspiele bestellt worden, berichtete Sibylle Keupen, Leiterin der Bleiberger Fabrik. 1500 Meter habe die erste Gruppe in der vergangenen Woche bereits verbaut. Justus und seine Mitstreiter haben also noch ausreichend Material, um ihren ganz persönlichen Stempel am aktuell größten Sandkasten Aachens zu hinterlassen. Zumindest, bis das Kunstwerk nach den Ferienspielen wieder dekonstruiert und die Dachlatten an anderer Stelle weiterverarbeitet werden.

Die passende Inspiration dafür lieferte Helmut Maintz höchstpersönlich. Der Dombaumeister führte die Kinder samt Betreuer über die südliche und nördliche Domkapelle bis zum Dachstuhl des berühmten Aachener Wahrzeichens. Dass die Kinder von den alten Baumeistern auch heute noch einiges lernen können, betonte Maintz gleich zu Beginn der exklusiven Führung. „Der karolingische Bau ist unheimlich stabil – und das selbst nach 1200 Jahren.“

Ganz so lange muss die Holzskulptur am „Archimedischen Sandkasten“ zwar nicht halten. Die Kinder lauschten aber trotzdem aufmerksam den Worten des Dombaumeisters. Und nahmen die schier endlosen Treppenstufen bis zum Dachstuhl gerne in Kauf, um die Geheimnisse des stabilen Baus zu ergründen. Dabei erfuhren sie nicht nur, dass Diagonalen und Streben im Bau für Stabilität sorgen und insbesondere Dreiecke hilfreiche geometrische Figuren sind.

Dombaumeister Maintz sprach auch darüber, wie Tauben – so nett sie auch mitunter anzusehen seien – dem Weltkulturerbe schaden. „Taubenkot wird in Verbindung mit Regenwasser zu Säure, die den Stein beschädigt.“

Dass Tauben am Dom weniger gerne gesehen sind als die beliebten Turmfalken, hatten einige Kinder bereits gehört. Dass aber sogar eine Erdbebenmessstation unter dem Dom zu finden ist, ist vielen neu. „Wenn sonntags um 10 Uhr die Glocken läuten, gehen die Schwingungen bis ganz nach unten“, erklärt Maintz.

„Doch die Leute von der Erdbebenstation wissen jetzt, dass um die Uhrzeit in Aachen kein Erdbeben ist.“ Justus zückt sein kleines blaues Buch, macht sich eine Notiz – und hält sich vorsorglich schon mal die Ohren zu. Bei bis zu 5,8 Tonnen schweren Glocken wisse man schließlich nie, wie laut es gleich bimmeln werde. Wenige Momente später ist Justus schlauer: „Das war gar nicht so laut“, sagt er.

Fasziniert ist er trotzdem. „Das ist schon beeindruckend, dass das so lange gehalten hat“, sagt der Schüler, der während der fast zweistündigen Führung eifrig mitschreibt. Möglichst viel Neues wolle er nämlich nicht nur für die eigene Holzkonstruktion mitnehmen, die bis Freitag zu bauen ist.

„Meine Schwester will bald ein Referat über den Dom halten“, sagt er. Und vielleicht seien einige Notizen in seinem blauen Heft ja auch dafür nützlich. Ob ihr dabei hilft, dass vor vielen Jahren der sogenannte gescheckte Nagekäfer die Holzbalken im Dachstuhl des Doms angeknabbert hat, weiß er nicht. Aber vielleicht, dass ein fünfstöckiges Haus in den Dachstuhl des Doms passt.

Besonders große Augen machten die Kinder zum Abschluss der Führung hoch oben auf der Galerie, von der aus sich ihnen ein spektakulärer Blick über Aachen bot. Da wirkte dann auch der rund 320 Quadratmeter große Sandkasten, in dem sie wenige Momente zuvor noch im Sand gebuddelt haben, plötzlich ganz klein.

Wie hoch oben die Kinder sich zu diesem Zeitpunkt befanden, sahen sie nicht nur mit den Augen, sondern spürten sie auch in den Beinen. 220 Treppenstufen seien sie einmal hoch und einmal runter gelaufen, sagt Justus. Er hat nachgezählt. Und alles akribisch im Notizbuch festgehalten.

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