Fenster und Türen kaputt: Trotzdem kein Geld für Waldorf-Schule

Von: Stephan Mohne
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Die Bauarbeiter könnten zwecks „energetischer Sanierung” sofort anrücken: Josef Herzog (l.), Claudia Caanen und Uwe Hellenbruch von der Freien Waldorfschule hatten auf Geld aus dem Konjunkturpaket gehofft. Doch die Stadt will entgegen dem Wunsch des Gesetzgebers kein Geld für freie Träger herausrücken. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Freie Waldorfschule hatte Licht am Ende des Tunnels gesehen. Endlich, so atmeten die Verantwortlichen auf, endlich könnte die dringend notwendige energetische Sanierung von Gebäudeteilen möglich sein.

Schließlich war es genau das, was die Geldgeber aus Berlin mit ihren Konjunkturpaketen als Ziel ausgegeben hatten: die energetische Sanierung unter anderem von Schulen. Fast 20 Millionen Euro bekommt Aachen aus diesen Paketen just für diesen Zweck vom Land zugeteilt. Also machte man sich an der Waldorfschule daran, Zuschüsse für die Sanierung zu beantragen. Das war am 11. Februar.

Noch keine Antwort

Eine Antwort der Stadt? Bis heute Fehlanzeige. Zur Kenntnis nehmen musste man hingegen, dass die Verwaltung keineswegs gewillt ist, Geld für freie Träger herauszurücken. Und das, obwohl der Gesetzgeber ausdrücklich von „trägerneutraler” Verwendung der Millionen spricht. Zurückgemeldet habe man sich noch nicht, weil im Rat ja noch keine Beschlüsse zu einzelnen Maßnahmen gefallen seien, begründet die Stadt ihr Schweigen.

Nun blicken Josef Herzog (Vorstand des Vereins „Freie Waldorfschule”), Claudia Caanen (Geschäftsführerin der Schule) und Uwe Hellenbruch (Vorstand des Fördervereins) auf die uralten Fenster und Türen, durch die der Wind pfeift und sich die Wärme in den Aachener Himmel verabschiedet. Sie blicken auf veraltete Heizungstechnik, miserable Beleuchtung und Gebäudedecken, die teils fast fünf Meter über dem Erdboden sind - ein riesiges Raumvolumen, das teuer beheizt werden muss.

Von den 16000 Euro Instandhaltungspauschale, die die Schule am Rande des Parks am Alten Klinikum pro Jahr von der Stadt erhält, lassen sich die Sanierungen nicht bezahlen. 450000 Euro werden die Maßnahmen nämlich in etwa kosten. Rund 200000 Euro hatte man sich aus den Konjunkturpaketen versprochen, schließlich erhält jede Stadt laut einem Landesschlüssel etwa 485 Euro pro Schüler. Doch zuletzt im Finanzausschuss hatte OB Jürgen Linden betont, die 20 Millionen sollten städtischen Gebäuden vorbehalten bleiben. Das bekräftigte er auf Anfrage der AZ. Begründungen: Erstens sei bei der Stadt sichergestellt, dass das Geld auch umgehend und zielgerichtet verwendet wird. Zweitens hätten sich die Bundesgelder entgegen erster Annahmen der Stadt fast halbiert. Gerade ersteres Argument können die Waldorf-Leute nicht nachvollziehen: „Unsere Pläne können kurzfristig umgesetzt werden”, sagt Josef Herzog. Denn schon lange ist die Sanierung zweier Altbauten ins Auge gefasst. Die Schule kann die davongaloppierenden Energiekosten kaum noch stemmen, ohne anderswo arge Abstriche zu machen. Den Eltern könne man auch keine höheren Eigenanteile aufbürden. Die Zahlen nämlich schon durchschnittlich 1500 Euro pro Jahr und Kind.

Zu entscheiden hat die Politik darüber, was bezuschusst wird und was nicht. Also hat sich die Schule auch an die Parteien gewandt. Die CDU hat das Ganze im Finanzausschuss thematisiert, die Grünen haben auch geantwortet. Alle anderen sind laut Waldorfschule auf Tauchstation. Die Politik will laut Ausschussbeschluss nun über die Anträge freier Träger informiert werden. Und das sind bereits einige - laut Stadt rund 20.
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