FDP: Freier gegen Kita-Plätze ausgespielt?

Von: Robert Esser
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Zankapfel Büchel-Quartier: Während der Abriss des Parkhauses abgemachte Sache ist, sorgen die Pläne, die Rotlichtmeile Antoniusstraße in einem Laufhaus zu bündeln und doch keine Kita im neu gestalteten Viertel zu errichten, bei der FDP für Unverständnis. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Lieber Freier als Kita-Plätze!?“: So plakativ kritisiert die Aachener FDP Äußerungen der Aachener Stadtverwaltung, im Rahmen der umfassenden Neugestaltung des Büchel-Quartiers – wahlweise Nikolaus-Quartier genannt – auf eine Kindertagesstätte zu verzichten und die Rotlichtmeile an Ort und Stelle in der Antoniusstraße auf eine Art „Laufhaus“ zu konzentrieren.

Die liberale Fraktion im Stadtrat fordert – anders als alle anderen Parteien – vehement, dass die Prostitution aus dem Schatten des Doms komplett verschwindet und stattdessen mehr Wohnungsbau – vor allem preiswert für junge Familien – gefördert wird. „Die Innenstadt würde abends positiv belebt und damit auch sicherer“, sagt FDP-Ratsherr Wilhelm Helg.

Parteifreund Peter Blum ergänzt: „Die Gäste von Bordellen sind nicht unbedingt dafür bekannt, dass sie zur Sicherheit, Sauberkeit und zu einer Verminderung der Kriminalität beitragen.“ Die Liberalen verfolgen einen nachvollziehbaren Ansatz: „Ein Bordellbetrieb, außerhalb der Innenstadt mit einem einzigen Betreiber, wäre auch für die soziale Situation der gewerbetreibenden Frauen von großem Vorteil“, sagt Blum. Dann gäbe es für den Bordellbetrieb nur einen Ansprechpartner, der Arbeitserlaubnisse, Anmeldepflichten und ähnliches zu achten hätte und dann auch von den „entsprechenden Behörden in die Pflicht genommen werden könne“.

Helg: „Jetzt ist die Situation für Polizei und Ordnungsamt unübersichtlich und schwer zu kontrollieren.“ Dies werde sich nicht verbessern, wenn die Antoniusstraße – wie in den jüngsten Entwürfen des Planungsbüros Chapman Taylor für den Aachener Investor Landmarken AG – „von der jetzt waagerechten Lage in eine senkrechte Lage, sprich Laufhaus, mit noch zwei oder drei angrenzenden Bordellen umgewandelt werde, moniert die FDP. Zudem: Wer entscheidet, welcher Bordellbetreiber dann noch zum Zug kommt – und wer den Rotlichtbezirk verlassen muss?

„Auf die Stadt wird eine Klagewelle zurollen“, prognostiziert Helg. „So etwas wird sich nur verhindern lassen, wenn das Sperrgebiet auf den ganzen Bezirk ausgeweitet wird“, betont Blum. Zumal das ganze Verfahren die Neugestaltung des Nikolaus-Quartiers erheblich in die Länge ziehen würde. Eigentlich sollten 2018 die Bagger anrollen. Dass ein Kita-Standort direkt neben einem Bordell von der Stadtverwaltung als „unattraktiv“ eingestuft würde, sei wohl verständlich, meinen die Liberalen.

Ohnehin lehnen potenzielle Bordellbetreiber ein „Laufhaus“ als fünfstöckigen Atriumbau ab, wie Sabine Beuscher vom Planungsbüro bereits erklärte. In der Praxis liefen die Geschäfte nämlich schlechter, je höher ein solcher Geschäftsbetrieb angesiedelt sei. Gefragt seien vielmehr große ebenerdige Begegnungsbereiche von Freiern und Prostituierten, heißt es. Wo indes ein Alternativstandort in Aachener Randlage liegen könnte, ist völlig unklar. Keine Partei wagt es, andere Standorte konkret zu benennen – sofort würden sich Anwohner gegen ein benachbartes Großbordell stemmen.

Also – so die Sorge nicht nur liberaler Politiker – bleibt in Sachen Bordellheimat alles beim alten. „Die Stadt vergibt eine historische Chance, die Innenstadt positiv zu verändern, wenn es bei den Planungen bleibt“, stellt Helg fest. Die Akzeptanz des Prinzips „Lieber Freier als Kita“ könne man ja mal bei einer Unterschriftenkampagne in der Aachener Bevölkerung abfragen, regt die FDP an.

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