Aachen - FC Inde Hahn: „Es ist wie ein kleiner Traum, was hier passiert ist“

FC Inde Hahn: „Es ist wie ein kleiner Traum, was hier passiert ist“

Von: Peter Schopp
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An allen Fronten im Einsatz: Oliver Heinrichs nimmt nicht nur auf der Trainerbank Platz, er ist auch zur Stelle, wenn es gilt die Eckfahnen zu positionieren oder die Slalomhütchen fürs Dribbeltraining aufzustellen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der FC Inde Hahn schreibt seit einigen Jahren eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Steigende Mitgliederzahlen, eine stark wachsende Jugendfußballabteilung, ein über die Maßen gut funktionierendes Vereinsleben.

Und als Aushängeschild die erste Mannschaft der Fußballer, die in diesem Jahr den Aufstieg in die Mittelrheinliga schaffte und damit zur höchstplatzierten Mannschaft in der Region nach Alemannia Aachen avancierte.

Ein wichtiger Baustein im Gebilde der Verantwortlichkeiten ist die Position des Trainers, eine Funktion, die Oliver Heinrichs seit 14 Jahren innehat. Wir sprachen mit ihm über Erfolg, Belastung, Hoffnungen, die Pläne des FC Inde Hahn und die Stadtmeisterschaft um den Sparkassen-Cup, welche der Verein aus Anlass des 70-jährigen Bestehens jetzt ausrichten wird.

Wie war der Urlaub?

Heinrichs: Sehr schön, wir haben zwei Wochen in England verbracht. Die Menschen dort sind ungemein freundlich und die Landschaft ist herrlich, auch zum Radfahren. Die Möglichkeit, die Europameisterschaft mit den Engländern gemeinsam zu verfolgen war ein Erlebnis, auch wenn das frühe Ausscheiden des englischen Teams dann eher schade war.

Man könnte denken, nach dem Aufstieg hätten Sie keine Zeit für Urlaub?

Heinrichs: Nach dem Ende der Spielzeit gab es einiges zu regeln, nicht nur ich im Verein hatte noch viele Termine. Aber die Planung für die anstehende Saison musste natürlich vor der Abreise abgeschlossen sein. Uns ist bewusst, dass wir absolutes Neuland betreten, die Derbys aus der Landesliga wird es nicht mehr geben. Unser Verein stellt sich der neuen Herausforderung mit Ehrgeiz und erwartet das Abenteuer Mittelrheinliga mit Spannung.

Was darf man von ihrer Mannschaft erwarten? Das Modell Island: Gekommen, um teilzunehmen und geblieben, um sich zu etablieren?

Heinrichs: Zunächst einmal ist uns klar geworden, dass wir in der Region Aachen eine exponierte Stellung einnehmen. Hinter Alemannia zweithöchste Mannschaft zu sein, ist für uns auch Verpflichtung und eine große sportliche Verantwortung. Wir stehen da durchaus auch überregional im Fokus. Im Moment fühlt sich alles noch sehr normal an, die Vorbereitung läuft, wir machen ein paar Tage Trainingslager, dann kommt die Stadtmeisterschaft. Alles wie immer.

Was wird denn anders?

Heinrichs: Aber wenn ich daran denke, dass wir zu unseren Auswärtsfahrten in der kommenden Saison fast immer mit dem Bus anreisen werden und dass wir gegen Mannschaften spielen, bei denen ehemalige Profis wie Jürgen Kohler (Alfter) oder Alexander Voigt (Herkenrath) auf der Trainerbank sitzen, werden die größeren Dimensionen erkennbar.

Ist das der Hauptunterschied?

Heinrichs: Ein grundlegender Unterschied ist aber das Bewusstsein der Spieler: Hier spielt die sportliche Perspektive für viele eine wichtige Rolle. In der Landesliga ist es manch einem egal, ob er bei Verein A, B oder C spielt. Die Jungs, mit denen wir jetzt sprechen, brauchen und wollen alle eine Perspektive. Entweder mit Inde Hahn oder einem anderen Verein, auf jeden Fall aufwärts. Diesem Anspruch stellen wir uns auch. Vielleicht noch nicht in naher Zukunft, aber perspektivisches Denken und Offenheit für neue Wege sind eine Stärke dieses Vereins.

Wie gehen die Verantwortlichen beim FC Inde Hahn an ein solches Abenteuer heran?

Heinrichs: Wir haben im Verein vor drei Jahren neue Strukturen geschaffen. Die Arbeit ist an irgendeiner Stelle mit klassischen Ehrenamtlern nicht mehr zu bewältigen. Die Lasten sind auf viele Schultern verteilt worden, bei uns greifen viele Abläufe ineinander und wurden somit optimiert. Davon können wir nun profitieren, wir waren auf die Situation gut vorbereitet.

Also alles für den Fußball?

Heinrichs: In Hahn steht immer der ganze Verein im Blickfeld, der FC Inde Hahn besteht ja nicht ausschließlich aus der Fußballabteilung oder gar der ersten Mannschaft. Dennoch ist es im Vergleich mit einigen anderen Vereinen so, dass wir uns vornehmlich als Fußballverein betrachten. Das empfinden wir als Vorteil. Beispielsweise binden wir auch die Spieler in die Jugendarbeit mit ein. Das hat zunächst den sportlichen Sinn und Wert, dass die Jugendlichen mit Feuer und Flamme bei der Sache sind. Dadurch integrieren wir aber auch die Spieler, die ja meistens nicht aus Hahn stammen, in unser Umfeld, erhöhen so die Akzeptanz und die Identifikation mit dem Verein.

Wie nehmen sie selbst ihre Zeit im Verein wahr?

Heinrichs: Anfangs war ich noch mit einigen Ämtern behaftet, dann habe ich mich gefragt: Wohin willst du mit diesem Verein eigentlich? Mit Übernahme des Traineramtes in der Kreisliga ist dann alles wie von selbst gelaufen, immer unter Berücksichtigung des eigenen Anspruches. Du brauchst schließlich auch die passenden Spieler, um einen bestimmten Weg gehen zu können, da habe ich in den Jahren viele Erfahrungen gemacht.

Haben Sie das alles schon realisiert?

Heinrichs: Im Rückblick muss ich sagen, es ist wie ein kleiner Traum, was hier passiert ist. Hätte man mir vor einigen Jahren gesagt, du bist einmal Landesligatrainer, hätte ich gesagt: Jawohl, mehr geht nicht. Aber wenn die Situation dann da ist, verändert sich auch dein Blickwinkel, deine Einschätzung der Situation. Jetzt bin ich Trainer einer Mannschaft, die Mittelrheinliga spielt, unfassbar!

Wie geht es weiter?

Heinrichs: Wie es weiter geht? Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass die Arbeit viel Spaß macht, auch wenn sie sehr zeitraubend ist.

Was bedeutet der Erfolg des Vereins für den Ort Hahn?

Heinrichs: Mittlerweile bin ich selbst in Hahn sesshaft geworden, bekomme also gut mit, wie unsere Arbeit eingeschätzt wird. Die Identifikation mit unserem Verein wächst immer weiter, obwohl man denken könnte, das geht nicht. Aber ich nehme sehr wohl wahr, wie intensiv unser Werdegang verfolgt wird und unsere Erfolge gefeiert werden, was ich natürlich auch sehr schön finde. Dass wir in unserer direkten Umgebung in der kommenden Saison die am höchsten spielende Mannschaft sind, nehmen die Hahner mit Stolz zur Kenntnis. Und es ist eine Bestätigung unseres Engagements, wenn am vorletzten Spieltag beim Spitzentreffen in Bergheim mehr Hahner als Bergheimer zugucken. Dann ernten wir die Früchte unserer Arbeit.

Gehen sie aufgrund ihrer langen Vereinszugehörigkeit anders an diese Aufgabe heran?

Heinrichs: Vielleicht ist das so, ich habe ja keine Vergleichsmöglichkeiten. Auf jeden Fall ist man mit meiner Geschichte wohl eher bereit, Kompromisse einzugehen, dafür liegt mir dieser Verein zu sehr am Herzen. Möglicherweise ist das Arbeiten für einen „fremden“ Trainer aber auch einfacher, weil er nicht in den Strukturen verhaftet ist. Heute möchte ich zumindest nicht in eine andere Richtung denken, es läuft schließlich alles rund.

Nun beginnt ab dem 22. Juli die Stadtmeisterschaft im Sportpark Kitzenhaus. Favorit ist ihre Mannschaft, oder?

Heinrichs: Was soll ich denn anderes sagen? Wir haben den Modus des Turniers im Sinne der höherklassigen Mannschaften angepasst, davon profitieren dann auch die Zuschauer, da der sportliche Wert der Spiele steigt. Das Turnier ist ein guter Gradmesser in unserer Vorbereitung und wir wünschen uns natürlich einen positiven Verlauf.

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