Fatale Liaison von Kunst und Kriminalität

Von: Kathrin Albrecht
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Räumte zu Beginn der Krimitage mit manchem Mythos auf: Stefan Koldehoff. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Stefan Koldehoff ist kein Krimiautor, sondern Kulturredakteur. Trotzdem hätte es keine bessere Eröffnung der fünften Aachener Krimitage der Volkshochschule geben können. Denn seine Lesung, in der er die Zusammenhänge zwischen Kunst und Verbrechen darstellte, bewies, dass die Realität spannender sein kann als manche fiktive Kriminalgeschichte.

Und er räumte gleich zu Beginn mit einem Mythos auf: Den verrückten reichen Milliardär, der in einem verborgenen Kellergewölbe seine riesige Kunstsammlung hortet und Diebstähle in Auftrag gibt, den gibt es nicht. Ebenso wenig wie den eleganten Gentlemandieb, der, ohne große Schäden anzurichten, mit dem Kunstwerk aus dem Museum spaziert. Kein einziger Kunstdiebstahl der vergangenen 60 Jahre sei ein Auftragsdiebstahl gewesen, erzählt Koldehoff.

Kaum Verkaufsinteresse

Wenn Kunst gestohlen wird, geschieht dies vor allem aus anderen Beweggründen: Art Napping, also, Raub, um die bestohlenen Museen, Sammler oder Galerien später zu erpressen, als Versicherung für Geldgeschäfte oder um im Falle einer Verhaftung mildernde Umstände für sich herauszuschlagen. In seltenen Fällen hoffen die Täter tatsächlich noch, die Kunstgegenstände über den grauen Markt verkaufen zu können – mit äußerst geringen Chancen.

Die Raubzüge führen meist hochprofessionelle Banden durch, die ziemlich rücksichtslos vorgehen und dabei auch in Kauf nehmen, dass Menschen zu Schaden kommen. Über die Verbindung von Kunst und Kriminalität hat Koldehoff über viele Jahre recherchiert und mehrere Bücher verfasst.

In kurzweiligen 60 Minuten führte er die Zuhörer zurück zur „Mutter aller Kunstdiebstähle“ , den Raub der Mona Lisa aus dem Louvre 1911, bei dem es spektakulär unspektakulär zuging und bei dem im Zuge der Ermittlungen auch ein gewisser Pablo Picasso in Verdacht geriet, den Raub begangen zu haben. Der italienische Glaser Vincenzo Peruggia spazierte fast unbehelligt mit dem recht kleinen Frauenporträt unter dem Arbeitskittel aus dem Museum.

Das Bild, das heute von einer Vitrine aus Hochsicherheitsglas geschützt und von zwei Sicherheitskräften bewacht wird, hing damals einfach an der Wand des Salon Carrée, zwischen anderen großen Meistern. Mehr als genug kriminelle Energie gibt es auch in einem der spektakulärsten Fälscherfälle der Neuzeit: dem des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi. Für sein Buch „Falsche Bilder, echtes Geld“ wälzte Koldehoff gemeinsam mit seinem Co-Autoren Tobias Timm 14000 Seiten Ermittlungsakten, um die Hintergründe des Falls aufzurollen.

Zwei kurze Geschichten

Was Kunst mit Menschen macht, zeigten zwei kurze Geschichten aus dem Buch „Van Gogh und ich“, in dem Koldehoff Geschichten um Menschen und ihre Van Goghs zusammengetragen hat. Auch die Hollywood-Schauspieler Erol Flynn und Elisabeth Taylor gehörten zu den stolzen Besitzern. Flynn soll über sein Gemälde, dass eine junge Frau porträtierte, gesagt haben: „Dies ist die einzige Frau, die mir immer treu gewesen ist.“

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