Faszinierende Funde aus dem 2. und 3. Jahrhundert

Von: Kristina Toussaint
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Zeigt ein entscheidendes Fundstück der Grabungen: Stadtarchäologe Andreas Schaub. Foto: Andreas Steindl
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Mit Joachim Meffert (Grabungsleiter), Klaus Scherberich, OB Marcel Philipp, Wolfgang Raabe (Stawag) und Dr. Frank Pohle (von links) diskutierte Andreas Schaub erste Ergebnisse. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wir befinden uns im niedergermanischen Aachen zur Zeit des Römischen Imperiums: Regelmäßig schickt Rom einen neuen Statthalter in die Provinz. Um diese von Köln aus regieren zu können, rekrutiert der Statthalter einen Stab von Helfern – darunter die Beneficiarier, vom militärischen Dienst befreite Legionssoldaten. Beweise für die Existenz von Beneficiariern sind jetzt bei Kanalarbeiten der Stawag zum Vorschein gekommen.

Ein beneficiarischer „Weihebezirk“ ist unter der Körbergasse zutage getreten: altarartige Steinplatten, gewidmet dem jeweils aktuellen Statthalter, gestiftet vom scheidenden Beneficiarius. Ein ganzes Reihenmuster aus Weihesteinen ergibt sich aus den Funden der Archäologen. Mehrere Besonderheiten bietet die Aachener Fundstelle: Es ist erst der vierte Beneficiarierweihebezirk im Imperium Romanum, neben zwei Funden südlich von Frankfurt und einem Weihebezirk in Serbien.

Und: Erstmals wurden Weihesteine exakt an der Stelle gefunden, an die die alten Römer sie gestellt haben. Von den inzwischen neun gefundenen Fundamentsteinen hielt einer die Steinplatte noch im Sockel, während eine andere noch direkt neben dem zugehörigen Fundament liegt. „Die Qualität der Funde ist sehr hoch und muss sich nicht hinter solchen aus Köln oder Xanten verstecken“, so Dr. Joachim Meffert, Grabungsleiter von der Firma Goldschmidt.

Die Weihesteine, die ausschließlich aus Herzogenrather Sandstein bestehen, stammen aus der Mitte des zweiten und des dritten Jahrhunderts – ersterer dürfte somit einer der frühesten Beneficiarierweihesteine des Römischen Reiches sein, so Stadtarchäologe Andreas Schaub. Ablesen lässt sich das am laut der erhaltenen Inschrift mit dem Stein geweihten Statthalter – Konsul Julius Severus.

„Tatsächlich sensationell, wie man die Geschichte unserer Stadt an solchen Funden ablesen kann“, findet Oberbürgermeister Marcel Philipp. Welche Rolle spielte der Markthügel? Welche Menschen lebten hier und wie lebten sie? Ungewöhnlich ist, dass der Fundort der Steine so weit im „Hinterland“, also so weit von der Rheinstraße entfernt liegt, so Historiker Prof. Klaus Scherberich. Warum ausgerechnet hier? Welche besonderen Aufgaben hatten die Beneficiarier in Aachen? Erkenntnisse erhofft man sich nun von der genaueren Untersuchung der Fundstücke.

In dem Grabungsareal zwischen Körbergasse und Krämerstraße befinden sich noch zahlreiche weitere historische Fragmente, die händisch Stück für Stück sichergestellt werden. Die beiden zu großen Teilen intakten Weihesteine verlassen nun erst einmal den Ort, an dem sie so lange verweilt haben: in Bonn werden die Fundstücke restauriert und im Landesmuseum ausgestellt. Später soll man dann im Centre Charlemagne alles über die Beneficiarier erfahren können.

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