Fast eine kleine Stadt für 1000 Flüchtlinge

Von: Matthias Hinrichs
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Keine Schwellenängste: Rund 100 Bürger informierten sich, in kleinere Gruppen aufgeteilt, beim Rundgang durch das neue Quartier für Flüchtlinge an der Süsterfeldstraße. Unser Bild zeigt die Ausgabestelle für Mahlzeiten, an die eine große Spülstraße angeschlossen wird. Foto: Michaels Jaspers
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Karg, aber sicher und warm: In separierten Abschnitten werden in den drei Schlafzelten bis zu zwölf Menschen untergebracht.
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Blick in die Sanitärbereiche: In drei Zelten stehen jeweils rund drei Dutzend separate Duschen zur Verfügung.

Aachen. Den ersten Härtetest haben sie quasi schon bestanden: Dem großen Sturm am Rosenmontag haben die nagelneuen Leichtbauhallen an der Süsterfeldstraße jedenfalls problemlos getrotzt. Tief Ruzica ist am Rosenmontag übers neue „Flüchtlingsdorf“ auf dem ehemaligen Schenker-Gelände gegenüber dem Bendplatz hinweggefegt, ohne nennenswerte Schäden zu hinterlassen.

Voraussichtlich am 24. Februar sollen nun die ersten Asylsuchenden in die neue Notaufnahmeeinrichtung des Landes einziehen.

Seit Anfang Januar haben Bau- und Liegenschaftsbetrieb und Bezirksregierung Köln reichlich Material und Arbeit investiert, um die winterfesten Bauten zu errichten. Rund 100 Bürger folgten am Donnerstagnachmittag der Einladung, das fast wie eine kleine Stadt organisierte Quartier, das Platz für bis zu 1000 Asylsuchende bieten soll, mit Vertretern des Roten Kreuzes und der Bezirksregierung in Augenschein zu nehmen. Denn nachdem die komplette Infrastruktur inklusive Erschließung des Areals über eine kleine geteerte Straße geschaffen ist, übernehmen nun die DRK-Experten die Regie.

Inzwischen könne man dabei auf reichlich Erfahrung und etliche neu eingestellte Experten zurückgreifen, um eine umfassende Betreuung von Migranten aus unterschiedlichsten Kulturen zu gewährleisten, erklärte Ingo Kohnen, DRK-Präsident in der Städteregion, nicht ohne Stolz. Denkbar gute Bedingungen finden seine Kolleginnen und Kollegen jedenfalls vor. Immerhin soll das provisorische Gebäudeensemble voraussichtlich etwa ein Jahr genutzt werden. Kritische Stimmen waren seitens der ersten Gäste am Donnerstag nicht zu hören.

Im Ganzen sind auf dem rund 20.000 Quadratmeter umfassenden Areal 13 Hallen aufgebaut worden. Als Nachtquartiere stehen vier Schlafzelte mit jeweils gut 1000 Quadratmetern Fläche für 250 Menschen zur Verfügung, die in kleinere Abschnitte von je 36 Quadratmeter für bis zu 12 Personen unterteilt sind. Außerdem wurden drei Sanitärgebäude mit je rund drei Dutzend separaten Duschen und Toiletten eingerichtet.

In zwei weiteren Hallen sind Essensausgabe sowie Speiseplätze und Aufenthaltsbereiche untergebracht. Versorgt werden die Bewohner über einen externen Caterer. Ferner gibt es eine Ankunftszone, in der die Neuankömmlinge registriert werden, und natürlich ein Sanitätszelt inklusive Quarantänebereich, in dem die obligatorischen Aufnahmeuntersuchungen stattfinden und auch kleinere Behandlungen möglich sind. Auch eine Kleiderkammer ist vorhanden. Geheizt wird über Öltanks, die vor den Zelten platziert sind und über voluminöse textile Schläuche Warmluft ins Innere leiten. Im Zentrum des Areals verbleibt eine große Freifläche mit Spielgelegenheiten.

Unterdessen stehen rund 40 hauptamtliche Mitarbeiter des Roten Kreuzes, darunter zwei Krankenschwestern, zwei Erzieherinnen und zwei Hausmeister, in den Startlöchern, um die Flüchtlinge umfassend zu betreuen und zu versorgen, berichtete Gisela Bosle, Abteilungsleiterin für Soziale Dienste und Flüchtlingshilfe beim DRK. Regelmäßig werden ärztliche Sprechstunden angeboten. Bis zu zehn Sicherheitskräfte sollen in enger Abstimmung mit der Polizei rund um die Uhr im Einsatz sein, so dass für 100 Menschen immer mindestens ein Ansprechpartner zu Verfügung steht, erläuterte Cengiz Yildirim von der Bezirksregierung.

Allerdings gehen die Verantwortlichen nicht davon aus, dass das „Flüchtlingsdorf“ nahe dem Bendplatz in den kommenden Monaten permanent komplett ausgelastet sein wird. „Wir schätzen, dass im Schnitt etwa 600 bis 700 Menschen hier Zuflucht finden, bevor sie nach etwa zwei bis sechs Wochen zur regulären Aufnahme in andere Kommunen weitergewiesen werden“, erklärte Yildirim. Zunächst würden voraussichtlich etwa 60 bis 70 Personen erwartet.

Allein über die bislang angefallenen Kosten für das Projekt hüllte sich die Bezirksregierung am Donnerstag weiter in Schweigen – zurzeit, hieß es in der Kölner Pressestelle, lasse sich der Aufwand auch überschlägig noch nicht konkret beziffern.

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