Fast 1000 freie Plätze für Flüchtlinge

Von: Stephan Mohne
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Die Entwicklung der Flüchtlingszahlen in Aachen. In der grafischen Darstellung sind die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge nicht bedacht. Grafik: Zeitungsverlag Aachen

Aachen. Krass steigende Flüchtlingszahlen, etliche Notunterkünfte, viele umfunktionierte Turnhallen. So stellte sich die Situation insbesondere Anfang 2016 in Aachen dar. Schaut man in die städtische Statistik, so findet man im Februar mit 3121 asylsuchenden Menschen den Höhepunkt dieser Entwicklung. Und da sind die „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“ nicht einmal eingerechnet.

Das waren zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch einmal Hunderte. Zum Vergleich: Anfang 2012 lag die Zahl der Flüchtlinge in Aachen gerade einmal bei rund 650. Ein Jahr später waren es 750, Anfang 2014 rund 1000 und Anfang 2015 rund 1500.

Bürogebäude steht leer

Dann ging es steil nach oben. Fieberhaft musste die Stadt für Unterkunftsmöglichkeiten sorgen. Dazu wurden auch Gebäude angemietet oder sogar gekauft. In Burtscheid wurden auf dem Sportplatz an der Adenauerallee und in der Leo-Löwenstein-Kaserne Containerdörfer errichtet – auch gegen den Widerstand von Nachbarn.

Millionen mussten investiert werden, um die Aufgabe stemmen zu können. Jetzt sehen die Zahlen völlig anders aus: Ende August waren insgesamt noch 1958 Asylsuchende in städtischen Unterkünften registriert. Die Tendenz ist seit Anfang 2017 stark sinkend – im Januar lag die Zahl noch bei über 2700.

Geblieben sind die Flüchtlingsunterkünfte etwa auf Kalverbenden (ehemals FH-Verwaltung), an der Heidbendenstraße (Container Ex-Sportplatz Adenauerallee), Turpinstraße (Ex-Versorgungsamt), Roermonder Straße (früherer Gewerbekomplex), Werkstraße/Monschauer Straße (früher „Schweizerhof“), Beginenstraße (frühere Förderschule) oder auch Lintertstraße (Kaserne). Leer steht derzeit das frühere Bürogebäude an der Tempelhofer Straße, das die Stadt gekauft hat und in dem 160 Plätze eingerichtet werden können.

Entwicklung nicht absehbar

Während es sich dort noch vor nicht allzu langer Zeit knubbelte und mehr Flüchtlinge als reguläre Plätze da waren, sieht das aktuell ganz anders aus. Den 1958 Flüchtlingen Ende August standen 2900 Plätze in den Unterkünften gegenüber. Fast 1000 Plätze hält die Stadt demnach im Moment also als „Vorrat“. Und das wird wohl vorerst auch so bleiben, das ist auch politische Beschlusslage. Denn wie sich die Flüchtlingszahlen entwickeln, vermag derzeit auf allen Ebenen niemand zu beantworten.

Allerdings müssen die Unterkünfte – ob stark oder schwach belegt – betreut werden. Die Nutzungsordnung schreibe vor, dass geschultes Aufsichtspersonal „rund um die Uhr“ anwesend ist. Das sei „bauordnungsrechtlich vorgeschrieben“, heißt es in einer Vorlage für die jüngste Sitzung des Sozialausschusses vom vergangenen Donnerstag.

Das sei bisher teilweise von einem privaten Wachdienst und überwiegend vom Deutschen Roten Kreuz übernommen worden. Die Stadt hat diese Leistungen nun jedoch europaweit neu ausgeschrieben. Das günstigste Angebot habe das DRK eingereicht, das deshalb seit dem 1. September für die Betreuung aller Einrichtungen zuständig ist. Man habe einen entsprechenden Rahmenvertrag abgeschlossen.

Dieser Rahmenvertrag bringt laut Stadt mehr Flexibilität bei den nötigen Leistungen und entsprechenden Aufträgen für die einzelnen Einrichtungen. Derzeit gehe es nahezu ausschließlich um Aufträge „im bauordnungsrechtlich erforderlichen Umfang“. Damit ist aber nicht etwa die Gebäudeinstandhaltung gemeint, wie Evelin Wölk vom Presseamt auf Nachfrage sagt. Vielmehr gehe es dabei zum Beispiel um Kontrollen, ob die Brandschutzregeln in den Unterkünften eingehalten werden – etwa in den Gemeinschaftsküchen.

„Es geht hier also um reine Personalkosten“, so Wölk. Doch allein schon der „Einkauf“ dieser Leistung kostet die Stadt eine ganze Stange Geld: Bis Jahresende – also innerhalb von vier Monaten – werden rund 1,1 Millionen Euro fällig. Hochgerechnet aufs Jahr kommt man somit bis Ende 2018 auf rund 4,4 Millionen Euro. Laut Ausschreibung können noch zahlreiche Aufgaben aus den Bereichen Sozialbetreuung und Sicherheitsdienst hinzukommen. Allerdings rechnet die Stadt laut Wölk derzeit nicht vor Juli 2018 mit weiteren Zuweisungen von Asylsuchenden.

Für Jubel sorgt das Ganze natürlich beim DRK: „Vor allem bei den rund 100 in diesem Bereich tätigen Mitarbeitern, die ihre Aufgabe engagiert und mit viel Motivation erfüllen “, sagt Abteilungsleiterin Gisela Bosle. Zahlreiche von ihnen hätten eigene Fluchterfahrungen und einen Migrationshintergrund. Zudem finden etliche Langzeitarbeitslose hier einen Job, der nun zumindest für zwei Jahre sicher ist. So lange läuft der Vertrag, dann gibt es noch zwei Verlängerungsoptionen. Das Geld ist also auch sozial bestens angelegt.

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