Aachen - Farbenstreit: Denkmal-Besitzer wird es jetzt zu bunt

Farbenstreit: Denkmal-Besitzer wird es jetzt zu bunt

Von: Stephan Mohne
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Unansehnlich: Matthias Offerma
Unansehnlich: Matthias Offermanns will sein denkmalgeschütztes Haus an der Oranienstraße anstreichen. Doch um die Farbe gibt es Streit mit der Stadt, der in eine Klage münden könnte.

Aachen. Das Haus mit der Nummer 5 an der Oranienstraße sieht aus, als könnte es eine Portion Farbe gebrauchen. Zurzeit kommt die Fassade eher trist daher. Kein Wunder: Das eigentlich schmucke Mehrfamilienhaus hat deutlich über 100 Jahre auf dem Buckel. Genau diese Frischekur will Matthias Offermanns dem Haus verpassen.

Der Architekt ist seit Herbst vergangenen Jahres Eigentümer, hat den „Oldie” im Oktober 2011 gekauft. Einen Plan für die Restaurierung hat er in Kooperation mit einem Designbüro längst ausgearbeitet. Und die Farben entsprechend ausgesucht.

Ein dunkleres Grau im Sockelbereich, ein Weiß um die Fenster herum und ein helleres Grau im Bereich der Klinker, aus denen Teile der Fassade bestehen. Recht dezent wirkt das Ganze auf dem Planbild. Doch ausgerechnet die frische Farbe ist zum Zankapfel geworden. Die Stadt will Offermanns die hellgrauen Klinker nicht genehmigen.

Der Grund: Das Haus steht wie die beiden „Schwestergebäude” links und rechts daneben unter Denkmalschutz. Für die Zeit, in der die drei Häuser gebaut wurden, sei es typisch, dass die Klinker naturbelassen und nicht angestrichen wurden. In diesem Fall hätten die Klinker ockerfarben ausgesehen. Naturbelassen ist indes nur noch die Fassade des Hauses mit der Nummer 3.

Bei Nummer 5 wurde schon überstrichen, allerdings ebenfalls in einem Farbton ähnlich dem Original. Die Stadt, so heißt es in einem Schreiben, könnte sich damit anfreuden, wenn der Architekt wieder eine ähnliche Farbe wählen würde. Die von Matthias Offermanns gewünschte Farbgebung hingegen „würde den städtebaulichen und historischen Zusammenhang mit den Nachbargebäuden stören und historische Aussage des Baudenkmals verunklären”.

Der Hauseigentümer hat sich verwundert die Augen gerieben und sich dann mit der Kamera auf den Weg gemacht. Vor allem in der Nachbarschaft am Adalbertsteinweg oder auch im Frankenberger Viertel, wo sehr viele ähnliche denkmalgeschützte Gebäude aus jener Zeit zu finden sind.

Und siehe da: Offermanns hat braun-weiße oder rot-weiße Fassaden am Adalbertsteinweg angetroffen, hellgelbe neben knallgelben Wänden an der Oppenhoffallee oder auch grau-weiße Fassaden an der Bismarckstraße - fast genau so grau-weiß, wie es Offermanns auch vorgesehen hat. Rund 100 Aufnahmen dieser Art hat der Architekt „geschossen”. Und kommt deswegen zu dem Ergebnis: „Das ist eine krasse Ungleichbehandlung. Da werden unterschiedliche Maßstäbe angesetzt.”

Das will der Hauseigentümer nicht hinnehmen. Zwischenzeitlich hat es ein Hin und Her mit der Behörde gegeben. Das Denkmalamt ist keineswegs stur geblieben, sondern war kompromissbereit, wie Axel Costard vom städtischen Pressebüro auf Anfrage sagt. So sei man zuletzt bereit gewesen, ein helles Gelb zu akzeptieren. Offermanns sagt, er habe der Stadt dann mitgeteilt, sie solle ihm diese Genehmigung schicken. Aber nicht, weil er sie akzeptieren wolle: „Ich will das Verfahren abkürzen. Wenn ich die Genehmiguing habe, kann ich dagegen klagen”, erzählt er.

So ganz versteht man die Aufregung bei der Stadt nicht. „Das ein Haus unter Denkmalschutz steht, weiß man, bevor man es kauft”, so Costard. Der städtische Denkmalschutz sei hier sehr kooperativ und stehe auch kurzfristig für Gespräche zur Verfügung. So könne man klären, was möglich ist und was nicht. Matthias Offermanns will jedoch nicht in den Kopf, warum dann reihenweise bei ähnlichen Gebäuden erlaubt wurde, was ihm untersagt ist.

„Wenn irgendwann einmal falsche Entscheidungen getroffen wurden, heißt das ja nicht, dass man immer wieder ähnlich falsch handeln muss”, so Costard. Die Stadt habe jedenfalls ihre Spielräume genutzt, um ein Gerichtsverfahren zu vermeiden. Dazu wird es nun aber wohl doch kommen. Offermanns und sein Anwalt Werner Pfeil bereiten dafür das Nötige vor. Und so werden die Verwaltungsrichter wohl zu entscheiden haben, ob die Stadt im Sinne des Denkmalschutzes richtig handelt oder ob sie mit zweierlei Maß misst.

Eine solche Entscheidung könnte je nach Ausgang durchaus weitreichende Folgen haben. Schließlich gibt es alleine im Frankenberger Viertel etliche dieser Gebäude. Und die gesamte City inerhalb des Grabenrings ist vor kurzem schließlich auch mit einem Schlag komplett unter Denkmalschutz gestellt worden.
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